Salziger Regen

Fertig machen zum Wolken impfen: Ein Techniker bereitet ein spezielles Flugzeug zur Wettermodifikation vor © INDRANIL MUKHERJEE/AFP/Getty Images

Damit das Silberjodid seinen Bestimmungsort erreicht, setzen manche Regenmacher Raketen ein, beispielsweise die Chinesen. Meist aber transportieren Flugzeuge die Chemikalie unter die Wolken. Dort wird sie verbrannt, steigt als Aerosol in die Wolken und löst bei ausreichendem Feuchtigkeitsgehalt den Niederschlag aus – zumindest theoretisch.

In China führte angeblich eine missglückte Wettermanipulation im November letzten Jahres zu einem Blizzard über Peking. Ungefähr zur gleichen Zeit kündigte Venezuelas Präsident Chávez an, er wolle mit künstlichem Regen gegen die anhaltende Dürre vorgehen. Die indische Regierung hatte bereits im Sommer genau dies versucht und war gescheitert – trotz Kristallisationskeimen in den Wolken blieb der Monsun weiterhin aus.

Die tatsächlichen Ergebnisse des Wolkenimpfens scheinen ebenso weit auseinanderzuklaffen wie die Meinung der Wetterforscher über die Effizienz. "In Russland gibt es Experten, die heute schon das Wetter kontrollieren", meint Sergey Poulinetz vom russischen Bundesdienst für Hydrometeorologie und Umweltbeobachtung Roshydromet. So soll der Kreml in Moskau dank Wettermanipulation bald auch im Winter schneefrei bleiben. Stattdessen sollen die Flocken bereits im Umland der russischen Hauptstadt zur Erde rieseln.

Auch der Direktor des staatlichen Wetteramtes in China berichtet in der Zeitung China Daily über große Erfolge des eigenen Programms. Zwar hätten die Projekte zur Wettermanipulation im vergangenen Jahr 910 Millionen Yuan (knapp 100 Millionen Euro) gekostet, doch sei der dadurch erzielte Gewinn – beispielsweise durch verbesserte Ernten – um ein Dreißigfaches höher. Und der Bedarf für Wettermodifikation werde in Zeiten der globalen Erwärmung noch steigen.

Das beliebteste Beispiel für eine erfolgreiche chinesische Wettermanipulation ist die regenfreie Eröffnung der Olympischen Spiele 2008, für deren Sicherung im Vorfeld über 1100 Raketen mit Silberjodid in den Himmel gefeuert wurden. Ermöglicht die moderne Technik also eine Garantie auf Sonnenschein? Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst ist da skeptisch: "Daran glaube ich nicht. Ich persönlich kenne kein Beispiel dafür, dass Wolkenimpfen bewiesenermaßen einen Einfluss auf das Wettergeschehen hatte."