Meteorologische Kriegsführung

Tatsächlich gab es bereits verschiedene Versuche, das Wetter für die eigenen Kriegszwecke zu instrumentalisieren. Die "Operation Cumulus" der britischen Royal Air Force aus dem Jahr 1952 steht unter Verdacht, in Devon für Überflutungen gesorgt zu haben, bei denen 35 Menschen starben.

Nach 1967 starteten die Amerikaner im Vietnamkrieg den Praxistest: Sie wollten den Vietcong aushungern, indem sie im Gebiet des Ho-Chi-Minh-Pfads den Regen verstärkten. Während der späteren Auswertung stellte sich jedoch heraus, dass die Wolkenimpfungen nicht gefruchtet hatten.

Die UNO nahm diese "Waffenart" aber durchaus ernst und reagierte mit einer Umweltmodifikationskonvention (ENMOD), die Kriegsführung durch Umweltveränderungen verbietet und seit 1978 in Kraft ist [4]. Zahlreiche Staaten unterschrieben, unter anderem die USA, Indien und Pakistan – China dagegen nicht.

Völlig vom Tisch ist das Thema "Meteorologische Kriegsführung" jedoch noch nicht. An Klaus Beheng wurden früher von entsprechender Seite bereits Anfragen bezüglich der Machbarkeit gerichtet – der Wissenschaftler verneinte stets. "Als Waffe ist das Wetter nicht drin. Das kann ich mir nicht vorstellen", erklärt der Meteorologe nachdrücklich. "Ich will aber nicht ausschließen, dass sich Leute ernsthaft Gedanken darüber machen."

Beim derzeitigen Stand der Technik ist klar: Regenwolken an den blauen Himmel zu zaubern, ist auch mit modernen Mitteln nicht möglich. Um den Wind so zu drehen, dass er gezielt Wolken in Dürre- oder Kriegsregionen treibt, müssten zu große Energiemengen aufgebracht werden. "Das ist zu schwierig und zu teuer", schätzt Gerhard Lux die Lage ein.

Auf eine andere Weise modifiziert der Mensch das Wetter jedoch durchaus: Die Luftverschmutzung hat einen ähnlichen Effekt auf die Wassertröpfchen in den Wolken wie das Silberjodid, gibt Klaus Beheng zu bedenken. "Die menschlichen Aktivitäten haben den Dreckgehalt erhöht. Dadurch beeinflussen wir die Wolkenbildung und den Niederschlag wohl wirklich."

House, T.J. et al.: Weather as a Force Multiplier: Owning the Weather in 2025. Research Paper, Air Force 2025, 1996 (pdf). [1]
Schiesser, H.-H. et al.: Main Results of Grossversuch IV. In: Journal of Climate and Applied Meteorology 25, S. 917-957, 1986. [2a]
Jean Dessens: Comments on "Main Results of Grossversuch IV". In: Journal of Applied Meteorology 27, S.200-202, 1987. [2b]
World Meterological Association: WMO Statement on the Status of Weather Modification. Comission for Atmospheric Sciences Management Group, Oslo, Norway, 24.-26.September 2007 (pdf). [3]
United Nations General Assembly: Convention on the prohibition of military or any hostile use of environmental modification techniques. 10. December 1976. [4]


Weitere zum Teil frei verfügbare Artikel zum Thema finden Sie im Dossier Klimawandel auf spektrumdirekt.de.