Rohstoffe aus dem Pazifik Deutsche Forscher suchen Metall am Meeresgrund

Goldrausch in der Tiefsee. Zwischen Hawaii und Mexiko lagern wertvolle Metallrohstoffe am Meeresgrund. Das Forschungsschiff "Sonne" ist unterwegs, um die Vorkommen zu erkunden.

Gold, Silber, riesige Mengen Buntmetalle und seltene Erden – das Meer ist prall gefüllt mit wertvollen Rohstoffen. Doch hat die Sache einen Haken: Die Objekte der Begierde befinden sich allesamt unter Wasser – vielfach in mehreren Tausend Metern Tiefe. Sie zu bergen, ist mit schwerwiegenden Folgen für das Ökosystem verbunden.

Und doch will auch Deutschland in Zeiten knapper Rohstoffe im Meer auf Schatzsuche gehen. Zumindest erforscht werden sollen die Gebiete im Südpazifik zwischen Hawaii und Mexiko, für die die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) im Jahr 2006 für 250.000 US-Dollar eine Forschungslizenz von der internationalen Meeresbodenbehörde der Vereinten Nationen (IMB) erworben hat.

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Am 15. April läuft das deutsche Forschungsschiff Sonne von Tahiti im Südpazifik aus und bringt 23 Wissenschaftler bis vor die Inseln von Hawaii im Nordpazifik. Dort beansprucht Deutschland zwei Claims von zusammen 75.000 Quadratkilometern – eine Fläche, so groß wie Schleswig-Holstein und Niedersachsen zusammen.

Auf ihrer dritten Expedition in die deutschen Forschungsgründe wollen die Wissenschaftler Manganknollen untersuchen, die dort in rund 5000 Metern Tiefe am Grund des Pazifiks lagern. Diese schwarzen Gebilde erinnern ein wenig an Blumenkohl und setzen sich aus verschiedenen wertvollen Elementen, wie Eisen, Kupfer, Nickel und Kobalt zusammen. "Neben der Erforschung des Seegebietes steht die Überprüfung neuer Thesen zu den Bildungsmechanismen der Manganknollen im Vordergrund dieser Fahrt", sagt der Meeresgeologe Michael Wiedicke-Hombach von der BGR. Ein Team von Geologen und Biologen will den Einfluss von Mikroben auf die Bildung der Knollen untersuchen.

Was sind Manganknollen

Entdeckt wurden die ersten Manganknollen in der Tiefsee, von Sir Charles Wyville Thomson – auf der Expedition mit dem Segelschiff Challenger, das von 1872 bis 1876 den Pazifik durchkreuzte.

Die wenige Zentimeter dicken Knollen setzen sich aus Mangan – einem Übergangsmetall – und anderen wertvollen Elementen, wie Eisen, Nickel, Kupfer, Magnesium, Aluminium und Kobalt zusammen. Das macht sie als Rohstoff so wertvoll.

Wie bilden sie sich?

Die genaue Entstehung der Manganknollen ist noch nicht erforscht. Wahrscheinlich bilden sie sich aus chemischen Elementen, die das Meerwasser in der Tiefsee aus dem heißen Erdkern herausspült. Am Meeresgrund fällt das Metall dann aus und lagert sich in mehreren Schichten um einen Stein, ein Stück Fischskelett oder einen Haifischzahn an. So entstehen nach und nach die Knollen, die wie Geschwüre aussehen.

Manganknollen wachsen extrem langsam und können bis zu 15 Millionen Jahre alt sein.

Weltweit könnte es rund zehn Milliarden Tonnen dieser Manganknollen geben. Ein Fünftel davon wird im "Mangangürtel" zwischen Hawaii, Mexiko und dem Äquator vermutet. Auch China, Japan, Russland, Frankreich und andere Staaten haben dort deshalb ihre Claims abgesteckt.

Ein erster Run auf die Schätze der Tiefsee setzte bereits zu Zeiten des Kalten Krieges ein, als in den sechziger Jahren erste größere Vorkommen der metallischen Knollen in der Tiefsee entdeckt wurden. Damals wurde auch das deutsche Forschungsschiff Sonne eigens zur Manganknollen-Erkundung gebaut, mit dem die Wissenschaftler heute wieder nach den "Trüffeln des Meeres" suchen. Bereits 1984 hatte ein Konsortium, zu dem auch deutsche Firmen zählten, Förderlizenzen erworben. Doch dann fiel der Weltmarktpreis für Metallrohstoffe überraschend – und der Abbau aus der Tiefsee lohnte sich nicht mehr.

Leser-Kommentare
    • otto_B
    • 15.04.2010 um 8:20 Uhr

    Wenn heute von "Nachhaltigkeit" gesprochen wird (bzw. deren Gegenteil), dann hat hat man wohl zuerst die Kohlenstoff-Rohstoffe im Auge. Und die Ausbeutung "erschöpflicher Quellen" ist zumindest ein bischen moralisch anrüchig. Beim Kohlenstoff gibt es dann den genialen Ausweg, das sind die "nachwachsenden Rohstoffe". (inwieweit industrieller Ackerbau "nachhaltig" sein kann, das steht dann auch noch auf einem anderen Blatt).
    Wie ist es denn nun bei den mineralischen Rohstoffen?
    Da ist es mit dem "nachwachsen" etwas schlecht bestellt - allen Recyclingbemühungen zum Trotz. Es wird ein Input benötigt, und wer das bezweifelt, der belege die ersten zwei Semester in physikalische Chemie.
    Die Aneignung von Mineralien durch die Zivilisation geht notwendigerweise mit einer Veränderung der Erdoberfläche einher. Man nennt das "Bergbau", und das war noch nie anders solange es diesen gibt.
    Im Artikel ist von "bergen", und "Schätze" die Rede. Warum so drumrumreden? Mehr bergbauliches Vokabular: Erkundung, Ausbeutung, Vorratslöschung.
    Ung das Ökosystem? Wie gesagt, vor der Bauxitgrube in Amazonien (z.B.) hat der Regenwald auch weichen müssen.
    Wenn der Mensch solche Standorte dann verläßt, kehrt die Natur auch zurück. Sicher anders als vorher.
    Aber Brüche kennt die Naturgeschichte auch ohne Zutun des Menschen.
    Egl wie, der "ökologische Fußabdruck" könnte jedem metallenen Gegenstand in unserer menschlichen Umwelt zugeordnet werden.

    • Puzi
    • 15.04.2010 um 11:33 Uhr

    Wenigstens in einem Punkt ist das Wissen der Menschheit bei der Tiefsee dem Mond vorraus:
    Es gibt definitiv dort unten Wasser ;)

  1. und scherst dich nicht darum, wem das alles dann gehören würde.
    Nicht, dass mich oder einen Forscher an Bord diese Frage plagen würde, aber wie sind uns sicher einig, dass noch vor jeglichen ökologischen Folgen genau das diskutiert werden wird.

    Der große Eiskontinent dieses Planeten bekam nach der Erkenntnis, dass dort noch mit vertretbarem Aufwand Öl gewonnen werden kann, auch einen ungemein heftigen Zuwachs an "Forschungsstationen", welche - wie zufällig - auch immer gleich den Gebietsanspruch manifestieren.

    Nichtsdestotrotz wird dieser ja mit Nachdruck verhandelt, denn auch eine Weltgemeinschaft (es gibt ja angeblich nur wenige Schurkenstaaten) teilt den Kuchen ungern gleichteilig auf, sondern wählt nur zu oft andere Maßstäbe.

    Ich lese gern hier Neues aus dem Bereich Wissenschaft und Umwelt, wobei ich mir nur zu oft denke, dass es bei Wirtschaft auch nicht falsch stünde.

    Schelm ich ...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...wie denen im zentralen Pazifik wird durch die Internationale Meeresbodenbehörde geregelt. Einer Expedition mit mehr als Forschungszielen gehen umfangreiche vertragliche Regelungen voraus, mit denen "der Kuchen aufgeteilt" wird - und zwar ausdrücklich zum Nutzen der Weltgemeinschaft. Solche Fragen beschäftigen durchaus auch die "Forscher an Bord"!

    Es ist korrekt, dass Meeresbergbau auch gut in der Wirtschaft-Rubrik stehen könnte. Die dahin gehenden Erkundungen werden ja überwiegend von der fachlichen Infrastruktur des Wirtschaftsministeriums betrieben. Allerdings werden die Mangangknollen eben noch nicht abgebaut, denn das wäre aktuell nicht wirtschaflich.
    Da außerdem noch einige grundlegende Aspekte der Anreicherung wenig bekannt sind, und gerade erst erforscht werden, steht dieser Artikel unter "Wissen" doch ganz gut...

    ...wie denen im zentralen Pazifik wird durch die Internationale Meeresbodenbehörde geregelt. Einer Expedition mit mehr als Forschungszielen gehen umfangreiche vertragliche Regelungen voraus, mit denen "der Kuchen aufgeteilt" wird - und zwar ausdrücklich zum Nutzen der Weltgemeinschaft. Solche Fragen beschäftigen durchaus auch die "Forscher an Bord"!

    Es ist korrekt, dass Meeresbergbau auch gut in der Wirtschaft-Rubrik stehen könnte. Die dahin gehenden Erkundungen werden ja überwiegend von der fachlichen Infrastruktur des Wirtschaftsministeriums betrieben. Allerdings werden die Mangangknollen eben noch nicht abgebaut, denn das wäre aktuell nicht wirtschaflich.
    Da außerdem noch einige grundlegende Aspekte der Anreicherung wenig bekannt sind, und gerade erst erforscht werden, steht dieser Artikel unter "Wissen" doch ganz gut...

  2. ...wie denen im zentralen Pazifik wird durch die Internationale Meeresbodenbehörde geregelt. Einer Expedition mit mehr als Forschungszielen gehen umfangreiche vertragliche Regelungen voraus, mit denen "der Kuchen aufgeteilt" wird - und zwar ausdrücklich zum Nutzen der Weltgemeinschaft. Solche Fragen beschäftigen durchaus auch die "Forscher an Bord"!

    Es ist korrekt, dass Meeresbergbau auch gut in der Wirtschaft-Rubrik stehen könnte. Die dahin gehenden Erkundungen werden ja überwiegend von der fachlichen Infrastruktur des Wirtschaftsministeriums betrieben. Allerdings werden die Mangangknollen eben noch nicht abgebaut, denn das wäre aktuell nicht wirtschaflich.
    Da außerdem noch einige grundlegende Aspekte der Anreicherung wenig bekannt sind, und gerade erst erforscht werden, steht dieser Artikel unter "Wissen" doch ganz gut...

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