Auch Gold und Silber lagern am Meeresgrund
© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)

Wie Trüffel oder Blumenkohl sehen die Knollen aus, die aus einem metallischen Gemisch bestehen. Sie wachsen am Meeresgrund in Millionen von Jahren
Heute interessieren sich wieder viele Staaten für das Metall aus dem Meer – vor allem die Nachfrage in Asien ließ die Preise steigen. Und in den Tiefen der Ozeane schlummern noch weitere Schätze. Neben den Manganknollen lagern in der Tiefsee auch Massivsulfide – das sind Vererzungen am Meeresboden mit hohen Gehalten an Kupfer, Eisen und Schwefel, aber teilweise auch mit Anreicherungen an Gold und Silber. Eine Region mit mehr als zehn Meter dicken Sulfiden findet sich im Westpazifik an der pazifischen Platte, wo seit Jahrmillionen Vulkane aktiv sind. "Vulkanisch erhitztes Wasser löst die Metalle aus dem Gestein und bringt sie zum Meeresboden, wo sie sich als Krusten ablagern", erklärt Wiedicke-Hombach.
Die Sulfide kommen aber nicht nur an den aktiven Kontinentalrändern vor, sondern auch in der Nähe anderer Vulkane. So untersuchten etwa die Geologen des Kieler Leibniz Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) 2007 am Fuß des Stromboli im Golf von Neapel eine Massensulfid-Lagerstätte mit hohen Silber-, Blei- und Zinkgehalten. "Auch hier handelt es sich um eine typische Sulfidlagerstätte vulkanischen Ursprungs", sagt der Kieler Geochemiker Sven Petersen.
Auch Gas-, Öl- und Methanhydrat kommt im Meer vor. In dem "brennenden Eis" aus dem Meeresboden, dem Methanhydrat, sehen Forscher und Ökonomen einen möglichen Nachfolger des Erdgases. Diese Masse, in der Methanmoleküle von gefrorenem Wasser umgeben werden, kommt vor allem entlang der Abbruchkanten der Kontinentalplatten in Wassertiefen von 300 bis 1000 Metern vor. Bereits bei Raumtemperatur und Atmosphärendruck entweicht aus ihr Methan.
Seit Jahren warten einige Spezialfirmen auf den Start des Abbaus. Wann das der Fall sein wird, entscheidet vor allem die Entwicklung der Rohstoffpreise, die derzeit immer noch zu niedrig sind, als dass sich der sehr teure Abbau lohnen würde. Von der Zukunft des Geschäfts überzeugt, hat die sich etwa die Australisch-Kanadische Firma Nautilus-Minerals aber bereits Abbaurechte in Massensulfid-Regionen gesichert und Erkundungsbohrungen durchgeführt.
Aber wie soll man sich einen Abbau in mehreren tausend Metern Tiefe überhaupt vorstellen? "Schon in den achtziger Jahren wurde über ferngesteuerte Probensammler nachgedacht, die über den Meeresboden fahren, die Manganknollen einsaugen und mithilfe eines Schlauchs an Bord des Versorgungsschiffes pumpen", sagt Wiedicke-Hombach. Zum Abbau der Massensulfide sind Bohrgeräte in der Entwicklung, die an senkrecht stehende Tunnelbohrer erinnern.
Umweltschützer haben große Bedenken gegen den industriellen Abbau der Rohstoffe in der Tiefsee. Denn würde nicht nur der Meeresgrund selbst zerstört. Auch das Aufwirbeln großer Mengen Schlamm könnte dem Ökosystem gefährlich werden. "Beim Wiederabsinken des aufgewirbelten Sediments würden sensible Lebensformen, wie Fischlaich und Tiefwasserkorallen, massiv geschädigt", befürchtet die Meeresbiologin Iris Menn von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. "Der angerichtete Schaden im größten Lebensraum der Erde, der Tiefsee, wäre unabsehbar."
Und eines darf man bei all dem nicht vergessen: Gerade einmal ein Prozent der Tiefsee wurde jemals von Meeresforschern unter die Lupe genommen. Unzählige unbekannte Spezies vermuten Forscher dort. Anders gesagt: Der Mensch weiß weniger über die Tiefen der Meere auf der Erde als über den Mond. Und so könnten in der Tiefsee eines Tages Spezies durch den Rohstoffabbau ausgerottet werden, ohne dass jemals ein Mensch sie zu Gesicht bekommen hätte.
- Datum 15.04.2010 - 06:40 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wenn heute von "Nachhaltigkeit" gesprochen wird (bzw. deren Gegenteil), dann hat hat man wohl zuerst die Kohlenstoff-Rohstoffe im Auge. Und die Ausbeutung "erschöpflicher Quellen" ist zumindest ein bischen moralisch anrüchig. Beim Kohlenstoff gibt es dann den genialen Ausweg, das sind die "nachwachsenden Rohstoffe". (inwieweit industrieller Ackerbau "nachhaltig" sein kann, das steht dann auch noch auf einem anderen Blatt).
Wie ist es denn nun bei den mineralischen Rohstoffen?
Da ist es mit dem "nachwachsen" etwas schlecht bestellt - allen Recyclingbemühungen zum Trotz. Es wird ein Input benötigt, und wer das bezweifelt, der belege die ersten zwei Semester in physikalische Chemie.
Die Aneignung von Mineralien durch die Zivilisation geht notwendigerweise mit einer Veränderung der Erdoberfläche einher. Man nennt das "Bergbau", und das war noch nie anders solange es diesen gibt.
Im Artikel ist von "bergen", und "Schätze" die Rede. Warum so drumrumreden? Mehr bergbauliches Vokabular: Erkundung, Ausbeutung, Vorratslöschung.
Ung das Ökosystem? Wie gesagt, vor der Bauxitgrube in Amazonien (z.B.) hat der Regenwald auch weichen müssen.
Wenn der Mensch solche Standorte dann verläßt, kehrt die Natur auch zurück. Sicher anders als vorher.
Aber Brüche kennt die Naturgeschichte auch ohne Zutun des Menschen.
Egl wie, der "ökologische Fußabdruck" könnte jedem metallenen Gegenstand in unserer menschlichen Umwelt zugeordnet werden.
Wenigstens in einem Punkt ist das Wissen der Menschheit bei der Tiefsee dem Mond vorraus:
Es gibt definitiv dort unten Wasser ;)
und scherst dich nicht darum, wem das alles dann gehören würde.
Nicht, dass mich oder einen Forscher an Bord diese Frage plagen würde, aber wie sind uns sicher einig, dass noch vor jeglichen ökologischen Folgen genau das diskutiert werden wird.
Der große Eiskontinent dieses Planeten bekam nach der Erkenntnis, dass dort noch mit vertretbarem Aufwand Öl gewonnen werden kann, auch einen ungemein heftigen Zuwachs an "Forschungsstationen", welche - wie zufällig - auch immer gleich den Gebietsanspruch manifestieren.
Nichtsdestotrotz wird dieser ja mit Nachdruck verhandelt, denn auch eine Weltgemeinschaft (es gibt ja angeblich nur wenige Schurkenstaaten) teilt den Kuchen ungern gleichteilig auf, sondern wählt nur zu oft andere Maßstäbe.
Ich lese gern hier Neues aus dem Bereich Wissenschaft und Umwelt, wobei ich mir nur zu oft denke, dass es bei Wirtschaft auch nicht falsch stünde.
Schelm ich ...
...wie denen im zentralen Pazifik wird durch die Internationale Meeresbodenbehörde geregelt. Einer Expedition mit mehr als Forschungszielen gehen umfangreiche vertragliche Regelungen voraus, mit denen "der Kuchen aufgeteilt" wird - und zwar ausdrücklich zum Nutzen der Weltgemeinschaft. Solche Fragen beschäftigen durchaus auch die "Forscher an Bord"!
Es ist korrekt, dass Meeresbergbau auch gut in der Wirtschaft-Rubrik stehen könnte. Die dahin gehenden Erkundungen werden ja überwiegend von der fachlichen Infrastruktur des Wirtschaftsministeriums betrieben. Allerdings werden die Mangangknollen eben noch nicht abgebaut, denn das wäre aktuell nicht wirtschaflich.
Da außerdem noch einige grundlegende Aspekte der Anreicherung wenig bekannt sind, und gerade erst erforscht werden, steht dieser Artikel unter "Wissen" doch ganz gut...
...wie denen im zentralen Pazifik wird durch die Internationale Meeresbodenbehörde geregelt. Einer Expedition mit mehr als Forschungszielen gehen umfangreiche vertragliche Regelungen voraus, mit denen "der Kuchen aufgeteilt" wird - und zwar ausdrücklich zum Nutzen der Weltgemeinschaft. Solche Fragen beschäftigen durchaus auch die "Forscher an Bord"!
Es ist korrekt, dass Meeresbergbau auch gut in der Wirtschaft-Rubrik stehen könnte. Die dahin gehenden Erkundungen werden ja überwiegend von der fachlichen Infrastruktur des Wirtschaftsministeriums betrieben. Allerdings werden die Mangangknollen eben noch nicht abgebaut, denn das wäre aktuell nicht wirtschaflich.
Da außerdem noch einige grundlegende Aspekte der Anreicherung wenig bekannt sind, und gerade erst erforscht werden, steht dieser Artikel unter "Wissen" doch ganz gut...
...wie denen im zentralen Pazifik wird durch die Internationale Meeresbodenbehörde geregelt. Einer Expedition mit mehr als Forschungszielen gehen umfangreiche vertragliche Regelungen voraus, mit denen "der Kuchen aufgeteilt" wird - und zwar ausdrücklich zum Nutzen der Weltgemeinschaft. Solche Fragen beschäftigen durchaus auch die "Forscher an Bord"!
Es ist korrekt, dass Meeresbergbau auch gut in der Wirtschaft-Rubrik stehen könnte. Die dahin gehenden Erkundungen werden ja überwiegend von der fachlichen Infrastruktur des Wirtschaftsministeriums betrieben. Allerdings werden die Mangangknollen eben noch nicht abgebaut, denn das wäre aktuell nicht wirtschaflich.
Da außerdem noch einige grundlegende Aspekte der Anreicherung wenig bekannt sind, und gerade erst erforscht werden, steht dieser Artikel unter "Wissen" doch ganz gut...
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