An den Küsten von Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida bereiten sich die Menschen auf eine gewaltige Umweltkatastrophe vor. Schon jetzt bedroht der Ölteppich im Golf von Mexiko die Tier- und Pflanzenwelt im Meer; Delfine, Robben, Meeresschildkröten und Seevögel sind in Gefahr – genau wie die Zukunft der Fischer, die vor ihren Küsten vielleicht jahrzehntelang nicht mehr werden fischen können.

Wie schlimm es wird, hängt jetzt davon ab, wohin der Wind den Ölteppich treibt, der inzwischen auf die Größe Schleswig-Holsteins angewachsen ist. Und davon, wann es dem Unternehmen BP endlich gelingen wird, die drei Lecks in 1500 Meter Tiefe zu stopfen , aus denen Tag für Tag knapp 800.000 weitere Liter Erdöl ins Meer sprudeln. Das Unternehmen rechnet damit, dass es bis zu drei Monate dauern könnte, die Lecks zu verschließen.

Bis dahin will der Konzern versuchen, das Öl bereits am Meeresgrund aufzufangen und kontrolliert abzupumpen. Mit giftigen Lösungsmitteln wird zudem versucht, den schmierigen Teppich aufzubrechen . Mit der Installation einer dazu notwendigen Kuppel kann aber frühestens in einer Woche begonnen werden. Vor wenigen Tagen erreichte die Plattform Development Driller III die Unglücksstelle, von der aus eine der Entlastungsbohrungen durchgeführt werden soll, um den Druck an der Ölaustrittsstelle zu verringern. Nur so wäre es später möglich, das Bohrloch mit Zement zu verschließen.

Umweltschützer, Mitarbeiter von Krisenstäben und Politiker beschäftigen sich jetzt mit den Folgen der Explosion auf der Bohrinsel Deepwater Horizon , die am 20. April elf Arbeiter in den Tod riss. In jener Nacht trat Gas aus dem Bohrloch aus, das sich entzündete. Dabei wurden die Rohre unter Wasser (Riser genannt) ebenfalls zerstört. Aus dem Bohrloch im Meeresgrund, rund 70 Kilometer vor der Küste, ragen jetzt noch Reste dieser Riser aus flexiblem Hightech-Material. An mindestens drei Stellen tritt Öl aus.