Ölausbreitung Forscher sehen Florida in Gefahr
Wird das Öl bald die Küsten Floridas erreichen und in den Golfstrom gelangen? Für das zunächst unwahrscheinliche Szenario, wollen französische Forscher nun Belege haben.

Dieses Satellitenbild der US-Weltraumbehörde Nasa vom 17. Mai zeigt den Ölteppich an der Wasseroberfläche im Golf von Mexiko. Teile des Öls könnten durch eine Strömung bis nach Florida und darüber hinaus in den Golfstrom gelangen
Vier Wochen
nach der Explosion der Bohrinsel
Deepwater Horizon
hat das Ökosystem im Golf von Mexiko
bereits erheblichen Schaden erlitten
. Nun soll sich die Sorge, dass die Ölpest auch an den Küsten Floridas schwere Umweltschäden anrichten könnte, bestätigt haben. Denn Satellitenbilder sollen zeigen, dass Teile des Öls den Loop Current erreicht haben.
Diese warme Meeresströmung verbindet die Karibik mit Florida und mündet langfristig im Golfstrom. Auf seinem Weg durchquert das Wasser auch den Golf von Mexiko und somit das vom Öl belastete Gebiet. Sind die Florida Keys mit ihren Mangroven bedroht?
Die Unglücksstelle, an der weiterhin große Mengen Öl in einer Tiefe von rund 1500 Metern ins Meer gelangen, liegt nordwestlich der Strömung. Aufgrund der Windrichtung und der sonst üblichen Strömungsmuster in der Region, hielten F
orscher eine Ausbreitung in den Golfstrom für unwahrscheinlich
. Doch die Meeresströmung verändert im Lauf der Zeit ihre Position leicht.
- Natur in Gefahr
-
Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.
Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.
Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.
- Meerestiere
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Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.
Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.
Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.
Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.
- Vögel
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Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.
Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.
Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.
- Pflanzen
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Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.
Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.
Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.
- Fischerei
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Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.
Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.
In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.
Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.
Zurzeit dreht sich am oberen Ende des Loop Current ein Wirbel, Eddie genannt, gegen den Uhrzeigersinn. Gelangt Öl in diese Verwirbelung, wird es im Golf von Mexiko gehalten, ein Rest allerdings könnte in den Hauptstrom gelangen und Kurs auf die Floridastraße nehmen, teilte die US-Behörde für Ozeanografie (NOAA) bereits am Dienstag mit. Das Öl könnte dann binnen acht bis zehn Tagen Florida erreichen. Die dortigen Strände seien wahrscheinlich aber nur dann gefährdet, wenn ein starker Wind landeinwärts das Öl direkt an die Küste treibe.
Wie Jane Lubchenco von der NOAA sagt, lassen Satellitenbilder vermuten, dass zwar der Großteil des Ölteppichs Dutzende Meilen vom Loop Current entfernt ist . Ausläufer leichten Öls jedoch wurden bereits nah an die Meeresströmung geschwemmt. Ob es tatsächlich hinein getrieben worden ist, sollen Untersuchungen im Laufe des Tages zeigen. Das Fischfangverbot wurde jedoch vorsorglich auf ein größeres Gebiet ausgeweitet.
Laut Bertrand Chapron vom Meeresforschungsinstitut Ifremer im französischen Brest ist dies bereits geschehen. Die Wissenschaftler des Instituts nutzen Radaraufnahmen des Esa-Satelliten Envisat , um den Ölteppich zu beobachten. Die Bilder zeigen Chapron zufolge eindeutig, dass zumindest das Öl an der Wasseroberfläche den Loop Current erreicht hat . "Bei einer Geschwindigkeit von fünf Kilometern pro Stunde dauert es zirka eine Woche bis das Öl Florida erreicht", sagt der Forscher.
Um wie viel Öl es sich handelt, lässt sich jedoch nicht sagen. "Wir können mit unseren Aufnahmen allein die Oberfläche sehen. Um die Menge festzustellen, braucht es dreidimensionale Untersuchungen", sagt Chapron. Dass Öl in den Hauptstrom des Loop Current geraten ist, sei sicherlich keine guten Nachricht. Doch sei die Meeresströmung extrem turbulent und intensiv: "Sie könnte helfen, das Öl zu fragmentieren und so die Gefahr für das Ökosystem minimieren."
Bereits am Montag wurden mindestens 20 Teerklumpen an einen Strand auf der Insel Key West angeschwemmt. Laut NOAA jedoch, ist noch nicht bewiesen, dass es sich dabei um Öl handelt. Chemische Analysen sollen das nun klären.
- Datum 19.05.2010 - 10:39 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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