Golf von Mexiko Forscher werfen BP Verharmlosung vor
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BP will keine Hilfe von außen

"Es liegt in der Verantwortung der Regierung, zuverlässige Daten zu bekommen", sagte der Ozeanograf Ian R. MacDonald von der Florida State University der Zeitung. “Wenn das ihre technischen Möglichkeiten übersteigt, ist die ganze Welt bereit, ihr unter die Arme zu greifen." MacDonald, der selbst auch Ölverschmutzungen untersucht, verweist zudem auf seine eigenen Berechnungen, die er mithilfe von Satellitenbildern erstellt hat. Fotos aus den vergangenen drei Wochen seit der Explosion der Deepwater Horizon würden verdeutlichen, dass das Leck "gut und gerne vier oder fünf Mal" so groß sein könnte wie von der US-Regierung angegeben.

Natur in Gefahr

Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.

Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.

Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.

Meerestiere

Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.

Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.

Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.

Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.

Vögel

Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.

Kommen die Vögel mit Öl in Verbindung und verkleben sich ihre Flügel, können die Tiere weder Wasser abweisen noch Luft aufnehmen. In der Folge können sie ihre Körpertemperatur nicht mehr regulieren und unterkühlen.

Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.

Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.

Pflanzen

Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.

Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.

Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.

Fischerei

Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.

Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.

In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.

Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.

Die Wissenschaftler und auch Umweltaktivisten bezweifeln, dass der britische Ölkonzern BP mit offenen Karten spielt. Das Unternehmen habe bewusst auf den Einsatz wissenschaftlicher Methoden verzichtet, mit denen man ein präziseres Messergebnis erzielen könnte. So gebe es etwa Geräte, die ähnlich wie die Ultraschalluntersuchung in der Medizin, die Fließrate einer Flüssigkeit auch auf dem Ozeangrund berechnen könnten.

Die zwei Forscher Richard Camilli und Andy Bowen vom Woods Hole Ozeanographie-Institut in Massachusetts haben solche Untersuchungen bereits durchgeführt. Ihre Hilfe sei aber von BP abgelehnt worden. Zudem habe man ihnen gesagt, sie sollten nicht an die Golfküste kommen. In einer E-Mail ließ BP wissen, dass "die geschätzte Fließrate weder die Ausrichtung noch das Ausmaß" der Reaktion des Konzerns auf die Ölkatastrophe beeinflussen werde. Umweltschützer mahnen allerdings, dass eine genaue Angabe sehr wohl von Bedeutung sei.

Die Menge des austretenden Öls sei wichtig auch im künftigen Kampf gegen Umweltkatastrophen dieser Art. Bei der nächsten Ölpest werde ansonsten stets mit einer systematischen Unterschätzung gegen die schwarze Pest vorgegangen. Dieser Vorwurf scheint nicht unberechtigt, schließlich hat BP in den Tagen kurz nach der Explosion der Bohrinsel vor Louisianas Küste noch beschwichtigt. Anfangs hieß es, dass kein Öl austrete, dann war von gerade einmal 1000 Barrel die Rede.

 
Leser-Kommentare
  1. Erst gestern habe ich mich gefragt, wie man auf die tagelang veröffentlichenden Mengenangaben von 5.000 Barrel / 800.000 l. gekommen ist.
    Seit nunmehr über 2 Wochen wird ein Lebensraum verschmutzt und eine Lösung für diese Katastrophe ist immer noch nicht in Sicht.
    Der Golf von Mexiko, ein Randmeer des Atlaniks, mit seinem Asphaltvulkanismus besitzt ein einzigartiges Ökosystem rund um die Asphaltquellen. Da kann man nur noch hoffen, dass die Natur mit ihrer unübertroffenen Genialität dem menschlichen Unvermögen jetzt schnell zu Hilfe kommt.
    i.rosnau

  2. Bei einer täglichen Schadenssumme von 17,5 Millionen Dollar (von BP beziffert) und einem Jahresumsatz von 2,6 Milliarden (2009) was will man von so einem Konzern erwarten?
    Liest man dazu Insider Informationen, die Dank Huffington Post an die Öffentlichkeit gelangen,
    http://www.huffingtonpost...
    dann steigt in mir langsam die Wut hoch.

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    Der Jahresumsatz 2009 von BP lag bei 239 Mrd.$.
    [Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/BP_(Konzern)]

    Der Jahresumsatz 2009 von BP lag bei 239 Mrd.$.
    [Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/BP_(Konzern)]

  3. What the matter Mr. President Obama? ..

  4. Seriöse Berichterstattung wäre bei der Bezeichnug "Öl" anstatt "schwarze Pest" geblieben.

    Mit remote sensing Methoden müsste es möglich sein, die Größe des Ölteppichs, seine Ausbreitung und Geschwindigkeit zumindest an der Oberfläche ziemlich exakt zu bestimmen. Ein Spekrometer in einem Flugzeug oder einem Satellit dürfte ausreichen, um die Daten zu erfassen. Die Auswertung der Datenmasse könnte einige Tage in Anspruch nehmen. Aber dann wüssten wir, woran wir sind, ohne BP in 1500m Tiefe alleine wurschteln lassen zu müssen.

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    BP und Co. wissen schon lange woran wir sind, da bin ich mir sicher. Wir werden das tatsächliche Ausmaß dieses Unglücks sicherlich nie erfahren. Wir werden sehen können und unsere Kinder werden es in der Zukunft spüren.

    BP und Co. wissen schon lange woran wir sind, da bin ich mir sicher. Wir werden das tatsächliche Ausmaß dieses Unglücks sicherlich nie erfahren. Wir werden sehen können und unsere Kinder werden es in der Zukunft spüren.

  5. Wer da unten nach Öl bohrt, ohne zu wissen, wie man ein Leck schließt, der gehört in's Zuchthaus!
    Was ist das nur für eine scheiß Welt geworden.
    Alles was geht, wird auch gemacht.
    Gentechnik ist das selbe Beispiel.
    Und die Menschen werden immer nur belogen.
    Für diese Katastrophe müsste BP enteignet werden.
    Die komplette Geschäftsleitung gehört eingesperrt.
    Was für eine verantwortungslose Murkserei!
    Auch die staatlichen Kontrollinstanzen sind einen Dreck wert!
    Alles dreht sich nur um Geld. Die Natur und die Menschgen interessieren diese Verbrecher keinen Deut.
    Wir Menschen sind einfach zu dumm für diese Welt.
    Atomwaffen, Gentechnik, Kriege, Mißbrauch Lügen und Dummheiten am laufenden Band!

    • inquam
    • 14.05.2010 um 20:24 Uhr

    @waelder
    absolout d´accord. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Ein Verbesserungsvorschlag dennoch:
    Das Manamgent von BP (und alle anderen Verantwortlichen) gehört nicht ins Zuchthaus sondern lebenslang zu Ölklauben im Katastrophengebiet verdonnert.
    Ich bin sprachlos, welche Dimensionen an Verwüstung offenbar persönlichkeitsgestörte Drahtzieher da hinterlassen. Alleine die narzisstischen Auftritte dieser aalglatten BP-PRessesprecher sind unerträglich.

  6. BP und Co. wissen schon lange woran wir sind, da bin ich mir sicher. Wir werden das tatsächliche Ausmaß dieses Unglücks sicherlich nie erfahren. Wir werden sehen können und unsere Kinder werden es in der Zukunft spüren.

  7. Was hindert eigentlich die Techniker daran, eine Sprengladung zu benutzen, um das Bohrloch endgültig zu verschließen? Eine Stahlplatte von der Seite gegen das Rohr geschossen, dürfte dem Öl wohl engültig den Ausgang versperren.
    Bin ich naiv?

    Oder wäre dann das teure Bohrloch dahin...???

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