Golf von MexikoÖkosystem im Öl

Seegraswiesen und Mangrovenwälder – die Ölpest bedroht Naturschutzgebiete von Alabama bis Florida. Naturschützer fürchten jetzt, dass sich das Öl am Meeresgrund ablagert. von 

Ölkatastrophe Umweltverschmutzung Mittelmeer Ölpest Bohrinsel USA Ölosystem

Inzwischen sind die ersten Seevögel in den Notfallstationen an den Küsten am Golf von Mexiko angekommen. Hier versuchen Tierschützer einen Basstölpel zu reinigen  |  © Mark Ralston/AFP/Getty Images

Für Naturschützer wie Martin Geiger vom World Wide Fund for Nature WWF in Frankfurt kommt die Ölkatastrophe in den USA zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Gerade Anfang Mai fliegen viele Vögel aus ihren Winterquartieren rund um den Golf von Mexiko genau über den Ölteppich auf einer " Mississippi Flyway " genannten Zugstrecke Richtung Zentralkanada.

"40 Prozent aller wandernden Wasser- und Küstenvögel in Nordamerika sind auf dieser Route unterwegs", erklärt der Naturschutzspezialist. Außerdem brüten gerade jetzt viele Vögel in den Küstenregionen in der weiteren Umgebung der explodierten Plattform Deepwater Horizon , ergänzt sein Kollege Franko Petri vom WWF in Wien: "Die Vögel verwechseln die Ölflächen auf dem Meer mit Rastplätzen und landen dort." Sterben die Elterntiere mit verklebtem Gefieder im Öl, verhungern bald auch die Jungvögel in den Nestern. Noch nicht geschlüpfte Küken verenden in den Eiern durch Unterkühlung.

Anzeige

Dieses Schicksal droht vielen Vögeln. Das wissen Forscher aus den Erfahrungen mit anderen Ölkatastrophen. Als im November 2002 vor der Küste Nordspaniens der Tanker Prestige verunglückte und rund 65.000 Tonnen Öl in den Atlantik flossen, verendete rund eine viertel Million verölter Vögel. Der Zoologe Jesús Domínguez von der Universität in Santiago de Compostela schätzt diese Zahl nach den 23.428 Vögeln, die bis zum Mai 2003 mit veröltem Gefieder vor oder an der spanischen und französischen Küste gefunden wurden. Allenfalls 600 dieser angelandeten Vögel überlebten.

Da die meisten Tiere bereits auf hoher See eingehen, liegt die tatsächliche Zahl der Opfer mindestens zehnmal höher als die Zahl der gefundenen Tiere . Im Golf von Mexiko dürften viele seltene Vögel wie Weißkopfseeadler, Braune Pelikane, Basstölpel und Seeschwalben betroffen sein, befürchtet Franko Petri vom WWF in Wien.

Leserkommentare
  1. was nützt das ach und weh. Wer fährt kein Sprit?
    Unsere Technik ist fehlbar.
    Also viel weniger Sprit verbrauchen, dann brauchen wir keine Tiefseebohrngen.

    Die Amerikaner sind keine Schlappschwänze. Der Schaden wird bald behoben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Hickey
    • 07. Mai 2010 8:08 Uhr

    Haben ein bestimmtes Sicherheitsventil nicht, das in Europa Pflicht ist. Mit diesem automatisch schließenden Ventil wäre es gar nicht erst soweit gekommen, da dieses eben geschlossen hätte.

    Europa > Amerika

  2. Ich würde es gerne sehen, wenn der BP Konzern für die Kosten, der Abwehr des Ölteppichs und für die Kosten voll aufkommen müsste und alle erwirtschafteten Gelder der nächsten Jahre statt in Ausschüttungen und Neuinvestitionen komplett für den Umweltschutz und die Reaktivierung der zerstörten Lebensräume ab geht.
    Das wäre mal ein klares Zeichen im Sinne des Umweltschutzes und würde somit auch seine Bedeutung klar untermauern.

    • GBHPG
    • 06. Mai 2010 23:06 Uhr

    Die Panickmache dieser "Experten" ist lachhaft. Ich meine nicht den Ölteppich der auf der Oberfläche schwimmt.
    Überall auf der Welt tritt in großen Mengen Erdöl aus dem Meeresboden aus, es ist also ein ganz natürlicher Vorgang und die Natur behandelt das auf ihre Art und Weise. So, warum soll jetzt dieses Öl gefährlicher sein als das natürlich austretende Öl.

    Gerd, Chicago

    • Hickey
    • 07. Mai 2010 8:08 Uhr

    Haben ein bestimmtes Sicherheitsventil nicht, das in Europa Pflicht ist. Mit diesem automatisch schließenden Ventil wäre es gar nicht erst soweit gekommen, da dieses eben geschlossen hätte.

    Europa > Amerika

    Antwort auf "Keine schlappschwänze"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Also in einem anderen Artikel hier stand, die haben das Ventil auch (http://www.zeit.de/wissen...). Nur hat es eben nur halb und nicht komplett geschlossen. Wer weiß ja auch schon wie sicher diese Ventile hier sind. Die können ja nur unter simulierten Bedingungen erprobt worden sein.

  3. Also in einem anderen Artikel hier stand, die haben das Ventil auch (http://www.zeit.de/wissen...). Nur hat es eben nur halb und nicht komplett geschlossen. Wer weiß ja auch schon wie sicher diese Ventile hier sind. Die können ja nur unter simulierten Bedingungen erprobt worden sein.

    Antwort auf "Amerikaner"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Golf | Mexiko | Vogel | Golf von Mexiko | USA | Alabama
Service