Inzwischen sind die ersten Seevögel in den Notfallstationen an den Küsten am Golf von Mexiko angekommen. Hier versuchen Tierschützer einen Basstölpel zu reinigen © Mark Ralston/AFP/Getty Images

Für Naturschützer wie Martin Geiger vom World Wide Fund for Nature WWF in Frankfurt kommt die Ölkatastrophe in den USA zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Gerade Anfang Mai fliegen viele Vögel aus ihren Winterquartieren rund um den Golf von Mexiko genau über den Ölteppich auf einer " Mississippi Flyway " genannten Zugstrecke Richtung Zentralkanada.

"40 Prozent aller wandernden Wasser- und Küstenvögel in Nordamerika sind auf dieser Route unterwegs", erklärt der Naturschutzspezialist. Außerdem brüten gerade jetzt viele Vögel in den Küstenregionen in der weiteren Umgebung der explodierten Plattform Deepwater Horizon , ergänzt sein Kollege Franko Petri vom WWF in Wien: "Die Vögel verwechseln die Ölflächen auf dem Meer mit Rastplätzen und landen dort." Sterben die Elterntiere mit verklebtem Gefieder im Öl, verhungern bald auch die Jungvögel in den Nestern. Noch nicht geschlüpfte Küken verenden in den Eiern durch Unterkühlung.

Dieses Schicksal droht vielen Vögeln. Das wissen Forscher aus den Erfahrungen mit anderen Ölkatastrophen. Als im November 2002 vor der Küste Nordspaniens der Tanker Prestige verunglückte und rund 65.000 Tonnen Öl in den Atlantik flossen, verendete rund eine viertel Million verölter Vögel. Der Zoologe Jesús Domínguez von der Universität in Santiago de Compostela schätzt diese Zahl nach den 23.428 Vögeln, die bis zum Mai 2003 mit veröltem Gefieder vor oder an der spanischen und französischen Küste gefunden wurden. Allenfalls 600 dieser angelandeten Vögel überlebten.

Da die meisten Tiere bereits auf hoher See eingehen, liegt die tatsächliche Zahl der Opfer mindestens zehnmal höher als die Zahl der gefundenen Tiere . Im Golf von Mexiko dürften viele seltene Vögel wie Weißkopfseeadler, Braune Pelikane, Basstölpel und Seeschwalben betroffen sein, befürchtet Franko Petri vom WWF in Wien.