Golf von Mexiko Ölpest breitet sich unter Wasser aus
Wissenschaftler haben unter der Oberfläche des Golfs von Mexiko einen gewaltigen Ölschwaden entdeckt. Er ist 120 Kilometer vom Ort entfernt, an dem die Bohrinsel "Deepwater Horizon" sank.
© Getty Images/Win McNamee

Wissenschaftler haben einen neuen gewaltigen Schwaden aus Öl entdeckt
Die Ölpest im Golf von Mexiko breitet sich weiter aus. 120 Kilometer von der havarierten Ölplattform "Deepwater Horizon" entfernt stießen Forscher auf einen unter der Wasseroberfläche treibenden, kilometerlangen Ölschwaden. James Cowan von der Louisiana State University sagte der Washington Post, die Öltröpfchen darin seien "so groß wie dicke, nasse Schneeflocken". Erst am Donnerstag hatten Forscher der University of South Florida berichtet, östlich des Öllecks einen kilometerlangen Schwaden tief unter Wasser entdeckt zu haben.
Der Kampf gegen die größte Ölpest der US-Geschichten läuft derweil weiter. Der Ölkonzern BP sei mit seinem Versuch, sprudelnde Quelle im Golf von Mexiko mit Schlamm zu verschließen, "grundsätzlich im Plan", es werde aber wahrscheinlich erst am Sonntag Klarheit herrschen, sagte BP-Manager Doug Suttles. Der Konzern arbeite mit "Technologien, die vorher nie eingesetzt wurden", sagte BP-Chef Tony Hayward.
US-Präsident Barack Obama sagte, man habe es angesichts der Umweltschäden mit einem "Langzeit-Projekt" zu tun haben, auch wenn der Ölfluss einmal gestoppt sei. Obama ordnete deshalb eine Verdreifachung der Einsatzkräfte entlang der betroffenen Küsten an. Zuvor hatte er mit einem Hubschrauber das Mississippi-Delta überflogen. "Am Ende trage ich die Verantwortung für die Lösung dieser Krise", sagte er.
- Natur in Gefahr
-
Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.
Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.
Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.
- Meerestiere
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Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.
Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.
Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.
Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.
- Vögel
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Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.
Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.
Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.
- Pflanzen
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Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.
Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.
Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.
- Fischerei
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Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.
Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.
In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.
Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.
Bislang sind insgesamt 20.000 Helfer im Kampf gegen die Ölpest im Einsatz. Nach langer Verzögerung begannen einige von ihnen am Samstag mit den Reinigungsarbeiten im ökologisch sensiblen Marschland von Louisiana, wo vor eineinhalb Wochen Öl angeschwemmt wurde.
Obama sprach auf Grand Isle, einer besonders schwer betroffenen Insel vor Louisiana. Die dortige Tourismuswirtschaft beklagt wegen geschlossener Strände massive Einnahmeausfälle, die gerade an diesem langen Wochenende zum Tragen kämen. Am Montag ist in den USA der Feiertag Memorial Day , für die Amerikaner der Auftakt des Sommers. Mehr als 35 Millionen Menschen planen einen Kurzurlaub. Für die Strände auch an der Golfküste ein wichtige Einnahmequelle.
- Datum 29.05.2010 - 17:44 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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Umdenken - unwahrscheinlich!
häufig dauert es Jahrzehnte, bis die Schäden überwunden sind. Im offenen Meer scheinen diese Prozesse sehr viel schneller abzulaufen, so dass meist schon nach wenigen Jahren keine Spuren von Ölkatastrophen mehr festzustellen sind.
Die Verantwortlichen für Katastrophen dieser Art müssten viel härter bestraft werden, vor allem wenn Fahrlässigkeit nachgewiesen werden kann. Lebenslänglich sollte für so etwas locker im Rahmen liegen, dann würde der eine oder andere wohl mehr aufpassen. Geldstrafen oder zwangsverordnete Aufräumarbeiten führen doch zu nichts und lösen das grundsätzliche Problem nicht. BP - Kosten ca. 1,2 Milliarden Dollar und 6 Monate Image-Schaden - Gewinn immer noch 10 Milliarden Dollar. Weiter so!
Es kann nicht angehen, dass letztlich meist aus Kostengründen ca. alle 6 Monate weltweit ein Tanker oder eine Plattform verunglückt, oder zumindest beinahe verunglückt. Wohlgemerkt die Verantwortlichen sollten mit hohen Gefängnisstrafen belangt werden - das ist wahrscheinlich im seltensten Fall die Crew, die ist durch Sparmaßnahmen höchstens schlecht ausgebildet.
Greetz
Till
Dann hat man entweder viel Glück und das Öl ist schneller weg oder man hat besonders viel Pech und das Öl zerstört noch mehr.
Wenn jetzt diskutiert wird, dass die Ölschwaden südlich von Florida in den Atlantik gelangen können, so vergisst man hinzuzufügen, dass sie hier den enorm schnell fließenden Golfstrom in Richtung Europa erreichen würden.
warum auch nicht? So spart man sich die Transportkosten und treibt Filtertechnologien voran. Ich gehe davon aus, dass Standgut dem Finder gehört, das neue Bernstein im Jahre 2050.
Interessant ist, dass die Technologien, die jetzt für Deepwater, 1500 m, eingesetzt werden, schon erfolglos waren bei einem vergleichbaren Unfall: Ixtoc I, 50 m Tiefe, 1971!, bei dem ebenso der Blow-out preventer versagte: Abdichtung mit Beton und Schlamm: erfolglos, TopHat: fehlgeschlagen, erst Entlastungsbohrungen zeigten nach 9 Monaten Erfolg in 1971! Danach wurde man nicht schlauer, vorsichtiger oder krisensicherer, aber wagemutiger und reicher.
Der "erfolgreiche" Sarkophag von Tschernobyl wartet auch seit 24 Jahren auf eine lizensierte Kopie anderswo...
Hoffentlich lernen wir hier recht schnell dazu!
warum auch nicht? So spart man sich die Transportkosten und treibt Filtertechnologien voran. Ich gehe davon aus, dass Standgut dem Finder gehört, das neue Bernstein im Jahre 2050.
Interessant ist, dass die Technologien, die jetzt für Deepwater, 1500 m, eingesetzt werden, schon erfolglos waren bei einem vergleichbaren Unfall: Ixtoc I, 50 m Tiefe, 1971!, bei dem ebenso der Blow-out preventer versagte: Abdichtung mit Beton und Schlamm: erfolglos, TopHat: fehlgeschlagen, erst Entlastungsbohrungen zeigten nach 9 Monaten Erfolg in 1971! Danach wurde man nicht schlauer, vorsichtiger oder krisensicherer, aber wagemutiger und reicher.
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Hoffentlich lernen wir hier recht schnell dazu!
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