Angesichts der Ölpest im Golf von Mexiko bereiten sich die US-Regierung und mehrere Bundesstaaten im Süden der USA auf eine der schwersten Umweltkatastrophen in der Geschichte des Landes vor. Nach Berechnungen der Meeresbehörden könnte der Ölteppich über das Wochenende die Küsten Mississippis und Alabamas erreichen, am Montag dann auch die Küste West-Floridas. Nach den Bundesstaaten Louisiana und Florida riefen auch Alabama und Mississippi den Notstand aus.

In den USA wächst die Befürchtung, dass eine noch verheerendere Ölpest droht als nach dem Unglück des Tankers Exxon Valdez im Jahr 1989 vor der Küste Alaskas. Seit in der vergangenen Woche eine von dem britische Ölkonzern BP betriebene Ölplattform im Golf von Mexiko sank, fließen täglich mehr als 800.000 Liter Öl ins Meer.

Der Ölteppich ist eine "ernsthafte Bedrohung für unsere Umwelt und unsere Wirtschaft", sagte der Gouverneur von Alabama, Bob Riley. In Mississippi wies Gouverneur Haley Barbour die Nationalgarde an, die örtlichen Einsatzkräfte im Kampf gegen die Ölpest zu unterstützen. Das Pentagon genehmigte den Einsatz der Nationalgarde in Louisiana. Gouverneur Bobby Jindal hatte zuvor die Entsendung von 6000 Reservisten angefordert. Jindal teilte zudem mit, dass auch der Einsatz von Häftlingen des Bundesstaates im Kampf gegen gegen die Ölpest erwogen werde. Er bezweifelte öffentlich, dass die Maßnahmen des Ölkonzerns BP im Kampf gegen die Ölpest ausreichten.

Am Freitag hatte der Ölkonzern erklärt, man wolle die "volle Verantwortung" für die Folgen der Katastrophe übernehmen. BP-Chef Doug Suttles bezifferte die Kosten für den Konzern auf täglich sechs bis sieben Millionen Dollar. Je näher das Öl an die Küste komme, desto teurer werde der Einsatz, sagte er.

Louisianas Fischerei-Industrie könnte der Öl-Teppich einem Analysten zufolge 2,5 Milliarden Dollar kosten. Der Schaden für die Tourismusindustrie könnte sich auf drei Milliarden Dollar summieren, schätzte Neil McMahon von der Investmentgesellschaft Bernstein.

Die US-Regierung verstärkte unterdessen den Druck auf das Unternehmen. BP müsse "härter, schneller, schlauer" arbeiten, sagte US-Innenminister Ken Salazar. Man werde nicht ruhen, bis die sprudelnde Ölquelle geschlossen und "jeder Tropfen Öl" beseitigt sei.

US-Präsident Barack Obama wird am Sonntag in die betroffene Region reisen. Obama wolle vor Ort die Lage einschätzen und die bislang angeordneten Maßnahmen der Regierung überprüfen, sagte ein Vertreter des Weißen Hauses am Samstag in Washington. Zuvor hatte der Präsident erklärt, rund 1900 Einsatzkräfte seien mit 300 Booten und Flugzeugen im Einsatz gegen die Ölpest. Wegen der Katastrophe legte die US-Regierung zudem die umstrittenen Tiefseebohrungen auf Eis.

Auf der von BP betriebenen Bohrinsel hatte sich am 20. April eine Explosion ereignet, zwei Tage später versank die Plattform im Meer. Elf Arbeiter starben bei dem Unfall. BP hat zehn Untersee-Roboter im Einsatz, die bislang erfolglos versuchen, die Lecks in 1500 Metern Tiefe zu schließen. Gleichzeitig bauen Ingenieure eine riesige Kuppel, um das ausströmende Öl unter der Wasseroberfläche einzufangen und von dort abzupumpen – doch deren Fertigstellung dauert mindestens zwei Wochen. Im Süden der USA ist ein einzigartiges Ökosystem in Gefahr. Am Freitag erreichten die ersten Ausläufer des Ölteppichs die Küste Louisianas.