Bohrinsel-Unglück Ölpest bedroht auch Alabama und Mississippi
Der Ölteppich im Golf von Mexiko treibt unaufhaltsam weiter. BP hat die Verantwortung für die Umweltkatastrophe übernommen. Obama reist am Sonntag in die Region.
Angesichts der Ölpest im Golf von Mexiko bereiten sich die US-Regierung und mehrere Bundesstaaten im Süden der USA auf eine der schwersten Umweltkatastrophen in der Geschichte des Landes vor. Nach Berechnungen der Meeresbehörden könnte der Ölteppich über das Wochenende die Küsten Mississippis und Alabamas erreichen, am Montag dann auch die Küste West-Floridas. Nach den Bundesstaaten Louisiana und Florida riefen auch Alabama und Mississippi den Notstand aus.
In den USA wächst die Befürchtung, dass eine noch verheerendere Ölpest droht als nach dem Unglück des Tankers Exxon Valdez im Jahr 1989 vor der Küste Alaskas. Seit in der vergangenen Woche eine von dem britische Ölkonzern BP betriebene Ölplattform im Golf von Mexiko sank, fließen täglich mehr als 800.000 Liter Öl ins Meer.
- Ölkatastrophen: "Exxon Valdez" 1989
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Um das empfindliche Ökosystem an der Südküste des US-Bundesstaates Alaska für Jahre nachhaltig zu schädigen, reichten im März 1989 knapp 40.000 Tonnen Rohöl aus dem verunglückten Tanker Exxon Valdez.
Im Prince-William-Sund kam es damals zur bislang größten Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA.2400 Kilometer Küste wurden verunreinigt. Hunderttausende Seevögel starben, auch Otter, Robben und Grauwale verendeten.
Trotz aufwendiger Reinigungsarbeiten hat sich das Gebiet nur oberflächlich erholt. Die niedrigen Temperaturen verzögern den biologischen Abbau des Öls. Vor allem in den Uferzonen lagern noch immer Reste der "schwarzen Pest".
Viele Tierarten leiden bis heute unter der Katastrophe.
- "Amoco Cadiz" 1978
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Zur folgenschwersten Ölkatastrophe in Europa kam es im März 1978, als der Supertanker Amoco Cadiz an der französischen Atlantikküstenördlich von Brest auf Grund lief.
Im Sturm zerbrach der Koloss, und mehr als 223.000 Tonnen leichtes Rohöl verpesteten Strände und Felsen der Bretagne auf einer Länge von 360 Kilometern. Wochenlang schaufelten Tausende Freiwillige und Soldaten das Öl in Plastiktüten und schrubbten verschmierte Felsen.
In einem Ölteppich von der Größe des Saarlands starben Vögel, Fische und Muscheln. Die Austernbänke wurden für Jahre zerstört, der Tourismus zunächst schwer beeinträchtigt. Günstige Strömungen, hohe Wellen und die vielen Freiwilligen verhinderten ein Desaster.
Schon 1979 lockte die Bretagne wieder Urlauber an saubere Strände, doch nach Schätzungen von Experten lagen ein Jahr nach dem Unglück noch immer 40.000 Tonnen Öl auf dem Meeresgrund.
- "Pallas" 1998
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Als der Holzfrachter Pallas im Herbst 1998 an der Nordseeküste vor Amrum strandete, starben 16.000 Seevögel.
Verantwortlich waren 100 Tonnen Schweröl, die aus dem Schiff geflossen waren.
Der Ölteppich ist eine "ernsthafte Bedrohung für unsere Umwelt und unsere Wirtschaft", sagte der Gouverneur von Alabama, Bob Riley. In Mississippi wies Gouverneur Haley Barbour die Nationalgarde an, die örtlichen Einsatzkräfte im Kampf gegen die Ölpest zu unterstützen. Das Pentagon genehmigte den Einsatz der Nationalgarde in Louisiana. Gouverneur Bobby Jindal hatte zuvor die Entsendung von 6000 Reservisten angefordert. Jindal teilte zudem mit, dass auch der Einsatz von Häftlingen des Bundesstaates im Kampf gegen gegen die Ölpest erwogen werde. Er bezweifelte öffentlich, dass die Maßnahmen des Ölkonzerns BP im Kampf gegen die Ölpest ausreichten.
Am Freitag hatte der Ölkonzern erklärt, man wolle die "volle Verantwortung" für die Folgen der Katastrophe übernehmen. BP-Chef Doug Suttles bezifferte die Kosten für den Konzern auf täglich sechs bis sieben Millionen Dollar. Je näher das Öl an die Küste komme, desto teurer werde der Einsatz, sagte er.
Louisianas Fischerei-Industrie könnte der Öl-Teppich einem Analysten zufolge 2,5 Milliarden Dollar kosten. Der Schaden für die Tourismusindustrie könnte sich auf drei Milliarden Dollar summieren, schätzte Neil McMahon von der Investmentgesellschaft Bernstein.
Die US-Regierung verstärkte unterdessen den Druck auf das Unternehmen. BP müsse "härter, schneller, schlauer" arbeiten, sagte US-Innenminister Ken Salazar. Man werde nicht ruhen, bis die sprudelnde Ölquelle geschlossen und "jeder Tropfen Öl" beseitigt sei.
US-Präsident Barack Obama wird am Sonntag in die betroffene Region reisen. Obama wolle vor Ort die Lage einschätzen und die bislang angeordneten Maßnahmen der Regierung überprüfen, sagte ein Vertreter des Weißen Hauses am Samstag in Washington. Zuvor hatte der Präsident erklärt, rund 1900 Einsatzkräfte seien mit 300 Booten und Flugzeugen im Einsatz gegen die Ölpest. Wegen der Katastrophe legte die US-Regierung zudem die umstrittenen Tiefseebohrungen auf Eis.
Auf der von BP betriebenen Bohrinsel hatte sich am 20. April eine Explosion ereignet, zwei Tage später versank die Plattform im Meer. Elf Arbeiter starben bei dem Unfall. BP hat zehn Untersee-Roboter im Einsatz, die bislang erfolglos versuchen, die Lecks in 1500 Metern Tiefe zu schließen. Gleichzeitig bauen Ingenieure eine riesige Kuppel, um das ausströmende Öl unter der Wasseroberfläche einzufangen und von dort abzupumpen – doch deren Fertigstellung dauert mindestens zwei Wochen. Im Süden der USA ist ein einzigartiges Ökosystem in Gefahr. Am Freitag erreichten die ersten Ausläufer des Ölteppichs die Küste Louisianas.
- Datum 01.05.2010 - 18:26 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
- Kommentare 21
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Diese Mega-Öl-Katastrophen passieren in einem Abstand von fast genaul 10 Jahren. Noch interessanter wird es, wenn man sich die politischen Situationen zu den Jahren ansieht.
...und wer daran beteiligt ist: Halliburton war gerade bei Zementierarbeiten - ob die schon beendet waren ist noch unklar. Eine fast identische Katastrophe wurde bei Halliburtons Arbeiten im letzten August in der Timor See vor Australien verursacht. Grund: noch ungeklärt.
Es sieht alles nach einer Spätfolge der umweltpolitischen Deregulierungs-Aktivitäten der Bush/Cheney Administration aus. Da kann dann aber auch noch Einiges mehr kommen...
In den US-Medien wird bereits laut von "Obamas Katrina" fabuliert.
Hier ist es allerdings noch "Halliburtons Katrina": http://crooksandliars.com...
...und wer daran beteiligt ist: Halliburton war gerade bei Zementierarbeiten - ob die schon beendet waren ist noch unklar. Eine fast identische Katastrophe wurde bei Halliburtons Arbeiten im letzten August in der Timor See vor Australien verursacht. Grund: noch ungeklärt.
Es sieht alles nach einer Spätfolge der umweltpolitischen Deregulierungs-Aktivitäten der Bush/Cheney Administration aus. Da kann dann aber auch noch Einiges mehr kommen...
In den US-Medien wird bereits laut von "Obamas Katrina" fabuliert.
Hier ist es allerdings noch "Halliburtons Katrina": http://crooksandliars.com...
Andererseits trifft es diesmal die USA selbst;- ein Staat der sich bislang in vielfältiger Weise einem nachhaltigen Umweltschutz verweigert hat und außerhalb der USA neigte sich jeder nachhaltigen Kontrolle zu entziehen!
Man mag nun trefflich darüber philosphieren, wie gering (rechnerisch) das Risiko war, dass genau dieses passieren könnte! Aber es ist passiert und es macht nun auch die Ohnmacht deutlich mit der man nun der Situation begegnet!
Ich hoffe es dient zur Mahnung aller, die immer noch glauben, dass Technik unfehlbar beherrschbar ist!
Bleibt zu hoffen, dass die Staatengemeinschaft daraus auch ihre Konsequenzen zieht!- Obwohl, ich habe da meine Zweifel...
Die Katastrophen der letzten Zeit sowohl auf dem Finanzsektor als auch hier beweisen das.
Der Nettogewinn von BP betrug im ersten Quartal mehr als 6 Milliarden Euro. Trotzdem war dem Konzern der Einbau von Akustikschaltern am Meeresgrund, mit denen die Katastrophe hätte verhindert werden können zu teuer, weil sie ja schließlich 400.000 Euro je Stück kosten.
Die laxe liberale Wirtschaftsordnung der USA schreibt diese Sicherheitsmaßnahme, im Gegensatz zu anderen Staaten, nicht vor.
Nun muss dieser Staat die Folgen tragen. Aber auch wir sind betroffen. Wir haben ja schließlich nur eine Welt.
Schon lange frage ich mich, was noch alles passieren muss, um die Menschheit zur Vernunft zu bringen und nicht immer nur finanzielle Interessen in den Vordergrund zu stellen? Ich sehe mit Unbehagen, dass eine gewisse Schicht (bei der es nur um das große Geld geht) immer mehr Reichtümer anhäuft, das Wohlergehen der breiten Bevölkerung oft total außer Acht gelassen wird. Wir sprechen uns auf der einen Seite für immer mehr Nachkommenschaft (weil die Gesellschaft ja Kinder braucht) aus, nur frage ich mich, was wir diesen Kindern im Prozess des Heranwachsens zumuten. Weniger Autogestank wäre besser für die Gesundheit und daher mein Appell: "Mehr aufs Rad!"
...was stimmt an diesen Satz nicht?! Genau! Warum muss er BP erst dazu bringen? Sollte es nicht selbstverständlich sein das BP alle Kosten die durch dieses Desaster entstehen bezahlen muss? Hallo? Warum soll irgendjemand anderes dafür zahlen? Also wenn ich dieses Jahr noch mal lese das BP einen Nettogewinn macht dann muss ich k***** weil angesichts der Kosten für Tourismus, Fischerei etc etc der Gewinn von BP für Jahre hinweg an die die nun nur noch vor Ölschlamm stehen zahlen muss!
Mich erstaunt die Unfähigkeit in der Schadensbegrenzung.
Unglücke werden immer passieren, aber was war hier so unerwartbar, dass man darauf nicht hätte vorbereitet sein müssen?
Angesichts solcher Traumtänzerei könnte man fast Zweifel haben, ob diese Nation jemals Menschen auf den Mond gebracht hat.
Sag ich mal von meinem Fernsehsessel aus.
.. um jedes verendete Tier, sei es Seevogel, Fisch oder Wal, tut es mir schrecklich leid. Mit einer gewissen Genugtuung kann man aber zur Kenntnis nehmen, dass es nun die Nation trifft, die bislang am gierigsten und skrupellosesten die Rohstoffe unseres Planeten verschlungen hat, ohne auch nur einen einzigen Gedanken an die ökologischen Konsequenzen zu verschwenden, wie auch das Beispiel Kyoto-Protokoll gezeigt hat. Keine Nation dieses Planeten verkörpert dieses unreflektierte "Nach mir die Sintflut"-Credo so sehr, wie die USA, wo ein Liter Benzin billiger ist, als ein Liter Wasser, wo es in vielen Städten keine Bürgersteige gibt und man selbst für die kürzesten Strecken das Auto benutzt, wo Verschwendungssucht zum Guten Ton gehört.
Ich hoffe, um der von der Ölpest bedrohten Tiere und Pflanzen willen, dass sich die Konsequenzen eindämmen lassen, wohlwissend, dass die Amerikaner aus diesem Desaster mal wieder nicht lernen werden. Schaffen sie es, die Katastrophe einzudämmen, hat wieder einmal der technokratische Geist gesiegt, mit welchem man zu glauben pflegt, jeder Natur- und Umweltkatastrophe Herr werden zu können und nachhaltige Vorsogemaßnahmen in Zukunft weiterhin außer Acht lassen zu können. Schaffen sie es nicht, sind die Konsequenzen für die regionalen Ökosysteme fatal. Ein Dilemma.
Eigentlich möchte ich gern einen Kommentar schreiben und zum Ausdruck bringen, wie sehr mich diese Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko erschüttert.
Aber alles ist schon einmal gesagt worden. Nicht vielleicht zu dieser Katastrophe, aber zu vorherigen. Wir wissen doch schon alles. Mantramäßig tauchen die gleichen Fragen und Antworten auf. Ich höre sie mir an und sie wirken auf mich wie eine immer wiederkehrende Filmschleife. Dann lerne ich, dass auch diese Katastrophe irgendwie aus den Nachrichten verschwindet und mein kleines Leben immer noch so ist wie vorher. Das heißt - nicht ganz . Ich bemerke kaum, dass die Maischollen immer kleiner werden, weil sie viel zu überfischt sind, und ich kaum noch Lerchen höre, wenn ich in den Feldern unterwegs bin. Aber das schmerzt ja nicht wirklich. Es irritiert vielleicht ein wenig und macht mir ein momentan schlechtes Gewissen. Irgendwie vertraue ich auf die Natur, dass sie sich doch als stärker erweist.
Aber das Verhalten von uns Menschen kann ich nicht verstehen. Wir sind betroffen, wenn wir von Katastrophen hören,spenden Geld, wollen retten, machen uns aber über diejenigen lustig, die uns daran erinnern keine Massentierhaltung zu unterstützen, nicht überall hinzufliegen oder so einfache Dinge zu beachten, wie das Anleinen von Hunden in Naturschutz- und Brutgebieten.
Keine Ahnung. Vielleicht wollen wir uns einfach nie etwas sagen lassen. Oder wir sind einfach nur dumm?
wohl auch zu behäbig, zu bequem, zu träge und viel zu uninformiert.
Die Mitarbeit bei attac, lobbycontrol, bei Robin Wood oder gar bei Greenpeace wäre wohl die Konsequenz, um die o.g. Feststellungen, die ich als Möglichkeiten formuliert habe, zu widerlegen.
Also: Vamos a la playa de la vida, hombre.
No pasaran, nunca mas.
Es ist nicht viel, was wir tun können. Aber wenn jeder von uns in der Woche mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt und/oder eine Fahrgemeinschaft organisiert, dann können wir den zusammen mit der Mitgliedschaft bei den/einer der o.g. Widerstandsgruppen SEHR VIEL TUN. Und erreichen!
wohl auch zu behäbig, zu bequem, zu träge und viel zu uninformiert.
Die Mitarbeit bei attac, lobbycontrol, bei Robin Wood oder gar bei Greenpeace wäre wohl die Konsequenz, um die o.g. Feststellungen, die ich als Möglichkeiten formuliert habe, zu widerlegen.
Also: Vamos a la playa de la vida, hombre.
No pasaran, nunca mas.
Es ist nicht viel, was wir tun können. Aber wenn jeder von uns in der Woche mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt und/oder eine Fahrgemeinschaft organisiert, dann können wir den zusammen mit der Mitgliedschaft bei den/einer der o.g. Widerstandsgruppen SEHR VIEL TUN. Und erreichen!
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