Ölpest Riesige Unterwasser-Ölschwaden entdeckt

Wissenschaftler haben Antwort auf die Frage gefunden, warum der Ölteppich an der Oberfläche des Golfs von Mexiko nicht viel dicker ist: Die Ölfahnen treiben in der Tiefe.

Nicht an der Oberfläche, sondern in der Tiefe treibt das Öl im Golf von Mexiko

Nicht an der Oberfläche, sondern in der Tiefe treibt das Öl im Golf von Mexiko

Gigantische Ölschwaden treiben in der Tiefe des Meeres. Darum ist der Ölteppich nach der Deepwater-Katastrophe an der Oberfläche nicht dicker. Die Ölschwaden sollen bis zu 16 Kilometer lang und sechs Kilometer breit sein und hätten eine Höhe von rund 100 Meter. "Im Vergleich zu dem, was wir an der Wasseroberfläche sehen, gibt es eine erschreckenden Menge an Öl in der Tiefe", sagte die Meeresforscherin Samantha Joye von der University of Georgia. Unterdessen setzt BP auf einen erneuten Versuch, das Öl aus 1500 Meter Tiefe abzupumpen. Mehrere Anläufe waren zuvor gescheitert .

Der Sauerstoffgehalt in der Nähe der Ölschwaden liege bereits rund 30 Prozent unter den Normalwerten, dies könnte sich zu einer echten Gefahr für Meerestiere auswachsen. "Dies ist alarmierend", sagte die Forscherin. Ursache könnte der Einsatz jener Chemikalien sein, die das Öl bereits unter Wasser zersetzen sollen. Dabei hatte der britische Ölkonzern BP erst kurz zuvor Erfolg mit dem Einsatz der Chemikalien gemeldet : Das Mittel zersetze das Öl, damit es natürlich im Meer abgebaut werden könne. Die US- Umweltbehörde hatte den Unterwasser-Einsatz der Mittel erst kürzlich zugelassen, trotz Bedenken von Umweltschützern.

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Fast vier Wochen nach dem Unfall der Bohrinsel Deepwater Horizon wollten Experten des BP-Konzerns nach eigenen Angaben einen neuen Anlauf unternehmen, ein Rohr in das defekte Steigrohr zu schieben und das auslaufende Öl abzusaugen. "Wir haben darüber noch keine Nachrichten", sagte ein Sprecher des Informationszentrums in Mobile (Alabama) am Sonntag.

Natur in Gefahr

Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.

Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.

Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.

Meerestiere

Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.

Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.

Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.

Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.

Vögel

Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.

Kommen die Vögel mit Öl in Verbindung und verkleben sich ihre Flügel, können die Tiere weder Wasser abweisen noch Luft aufnehmen. In der Folge können sie ihre Körpertemperatur nicht mehr regulieren und unterkühlen.

Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.

Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.

Pflanzen

Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.

Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.

Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.

Fischerei

Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.

Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.

In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.

Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.

Ein erster Versuch war zuvor gescheitert. Ein Metallrahmen an dem Rohr habe sich verzogen, das Vorhaben musste abgebrochen werden, sagte BP-Manager Doug Suttles. Auch alle anderen Ansätze, das Problem in den Griff zu bekommen, waren bisher ohne Erfolg . Immer wieder weisen die Experten darauf hin, das derartige Arbeiten niemals zuvor in einer solchen Tiefe unternommen wurden.

Auch Obama verliert allmählich die Geduld und greift in ungewöhnlich scharfer Form die gegenseitigen Schuldzuweisungen der Ölindustrie an. "Was jetzt wirklich zählt: Hier fließt Öl ins Meer. Und das müssen wir so schnell wie möglich stoppen", sagte Obama am Freitag. Er versprach, die Ölkonzerne künftig schärfer zu kontrollieren . Es habe viel zu lange ein "behagliches Verhältnis" zwischen staatlicher Aufsicht und Ölindustrie gegeben.

Insider in Washington meinen, Obama müsse nun Kritik aus den eigenen Reihen fürchten. Manche Demokraten lehnen Off-Shore-Bohrungen ab. Dies könne vor den Kongresswahlen im Herbst zu einem Risiko werden. Bisher hätten die Demokraten direkte Angriffe auf ihren Präsidenten vermieden, meinte die New York Times .

Allzu starke Kritik an den Ölkonzernen wiederum könnte andere Industriezweige verschrecken, die ihre Wahlspenden dann eher den Republikanern zukommen lassen. Die Wahlen im November sind entscheidend, es geht um die Parlamentsmehrheit des Präsidenten.

 
Leser-Kommentare
  1. bis auch hier der GAU einmal eintritt.

  2. Natürlich befindet sich ein Teil des Öls, das am Meeresboden austritt, unter Wasser. Es sollte mit etwas Recherche möglich sein, auszurechnen, wie schnell Öl bei der gegebenen Wassertemperatur und -dichte etwa aufsteigt und damit, wann es etwa die Oberfläche erreicht.

    Ist eigentlich schon Öl in nennenswerter Menge am Stand angekommen? Der 14. Mai (siehe Szenario Karte) ist ja nun vorbei.

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    • ddkddk
    • 16.05.2010 um 19:41 Uhr

    Berechnungen sind da etwas schwierig.

    Es handelt sich bei diesem Rohöl offenbar um eine ausgesprochen seltene sehr schwere Sorte. Das spezifische Gewicht, das offenbar in etwa dem des Wassers entspricht, wird durch den extrem hohen Teergehalt dieses Rohöls entscheidend beeinflusst.

    Aktuelle Meldungen zu Ölverschmutzungen und -verbreitung finden sich unter http://oilspill.skytruth.org
    Auch der Blog http://blog.skytruth.org/ ist lesenswert

    • ddkddk
    • 16.05.2010 um 19:41 Uhr

    Berechnungen sind da etwas schwierig.

    Es handelt sich bei diesem Rohöl offenbar um eine ausgesprochen seltene sehr schwere Sorte. Das spezifische Gewicht, das offenbar in etwa dem des Wassers entspricht, wird durch den extrem hohen Teergehalt dieses Rohöls entscheidend beeinflusst.

    Aktuelle Meldungen zu Ölverschmutzungen und -verbreitung finden sich unter http://oilspill.skytruth.org
    Auch der Blog http://blog.skytruth.org/ ist lesenswert

    • ddkddk
    • 16.05.2010 um 19:41 Uhr

    Berechnungen sind da etwas schwierig.

    Es handelt sich bei diesem Rohöl offenbar um eine ausgesprochen seltene sehr schwere Sorte. Das spezifische Gewicht, das offenbar in etwa dem des Wassers entspricht, wird durch den extrem hohen Teergehalt dieses Rohöls entscheidend beeinflusst.

  3. Die täglich sich zeigende Ohnmacht eines der mächtigsten Weltkonzerne und der größten Supermacht der Weltgeschichte sollte Anlass sein, eine Therapie des anthropozentrischen Allmachtswahns einzuleiten und vom Kernenergiepfad auf den Alternative-Energien-Pfad umzuschwenken: Dies wäre ein wahrer zukunftsfähiger CHANGE !

  4. Hier ist doch nur die Umwelt betroffen, das macht doch nichts. Hauptsache dem Kapital gehts gut und dafür werden Rettungspakete geschnürrt.

    Wen interessiert schon der Mensch bzw. die Natur?

    • jeises
    • 16.05.2010 um 20:46 Uhr

    Es scheint eine Aufgabe für Jahrhunderte zu sein, dies und die Konsequenz daraus zu verstehen...

  5. Wenn diese Leute WEGEN einem 500.000$ - Ventil sparen,
    obwohl DIE wissen, daß NUR dieses DIE Katastrophe
    beim PlattformUnfall verhindern kann, dann ist diesem
    Land USA WIRKLICH nicht mehr zu helfen...; Vetterles-
    wirtschaft, und Unfähgkeit wie in der alten UDSSR...;
    sicher haben auch UNSERE AKW-RestBetreiber solche Leichen
    im Keller...; leider kommen Sauereien immer erst an das
    Licht, wenn der GAU bereits eingetreten ist...;
    so wie beim Herrn Mixa mit der TEUREN Sonnenbrille...;
    alles geht den Bach runter, und die Heilige Kirche duckt
    sich weg, wegen ihrem UNFÄHIGEN Personal...; dabei war
    die noch NIE so gefragt...; tatsächlich fängt das Heil
    der Welt im Herzen an...; alles Probleme, die auf der
    Erde nomadisieren, die kommen von der GIER...

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    Das ist die einzig logischen Konsequenz die man als Autofahrer aus solchen Katastrophen ziehen sollte. Auto abschaffen, Bahncard 100 und hochwertiges Fahrrad kaufen. Der moderne Stadtmensch lebt Autofrei!

    Das ist die einzig logischen Konsequenz die man als Autofahrer aus solchen Katastrophen ziehen sollte. Auto abschaffen, Bahncard 100 und hochwertiges Fahrrad kaufen. Der moderne Stadtmensch lebt Autofrei!

  6. Das ist die einzig logischen Konsequenz die man als Autofahrer aus solchen Katastrophen ziehen sollte. Auto abschaffen, Bahncard 100 und hochwertiges Fahrrad kaufen. Der moderne Stadtmensch lebt Autofrei!

    Antwort auf "Kein BP tanken!!!"
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    • pOoveL
    • 17.05.2010 um 0:28 Uhr

    Die Autoindustrie muss den Umschwung auf ElektroAutos schneller antreiben und das wird nur passieren wenn die Bevölkerung dies bedingungslos fordert..

    wir müssen aus dieser globalen Abhängigkeit von Öl raus und endlich mal an die Zukunft denken.... Doch ich fürchte die Gier nach Geld wird dies schier unmöglich machen ..

    So sehr ich ihre Meinung auch teile, dass es wünschenswert ist das Auto abzuschaffen und wie Sie sagen nicht mehr zu tanken, so ist es in weiten Teilen Deutschlands, aufgrund fehlender Möglichkeiten den öffentlichen Nahverkehr zu benutzen, doch leider nicht möglich ohne Auto auszukommen. Und diese Situation scheint sich ja, wenn man den Finanzstand der Kommunen anschaut auch noch verschlimmern.
    Es ist nicht jeder ein "moderner Stadtmensch" - wie Sie es sagen.

    • pOoveL
    • 17.05.2010 um 0:28 Uhr

    Die Autoindustrie muss den Umschwung auf ElektroAutos schneller antreiben und das wird nur passieren wenn die Bevölkerung dies bedingungslos fordert..

    wir müssen aus dieser globalen Abhängigkeit von Öl raus und endlich mal an die Zukunft denken.... Doch ich fürchte die Gier nach Geld wird dies schier unmöglich machen ..

    So sehr ich ihre Meinung auch teile, dass es wünschenswert ist das Auto abzuschaffen und wie Sie sagen nicht mehr zu tanken, so ist es in weiten Teilen Deutschlands, aufgrund fehlender Möglichkeiten den öffentlichen Nahverkehr zu benutzen, doch leider nicht möglich ohne Auto auszukommen. Und diese Situation scheint sich ja, wenn man den Finanzstand der Kommunen anschaut auch noch verschlimmern.
    Es ist nicht jeder ein "moderner Stadtmensch" - wie Sie es sagen.

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