Ölpest im Golf von Mexiko Schlamperei und zu laxe Kontrollen

Während BP sich vergeblich bemüht, das Ölleck im Golf von Mexiko zu stopfen, gerät die US-Rohstoffbehörde in den Fokus der Ermittlungen. Sie habe nicht geprüft, heißt es.

Eines der Lecks in 1500 Metern Tiefe - aus dem gebrochenen Rohr strömt das Öl ins Meer

Eines der Lecks in 1500 Metern Tiefe - aus dem gebrochenen Rohr strömt das Öl ins Meer

Auf dem Meer arbeiten die Techniker noch immer vergeblich daran, den Strom des Öls ins Meer zu stoppen. An Land versuchen die Ermittler derweil, die Schuldigen des Unglücks im Golf von Mexiko auszumachen. Dabei ist die für die Aufsicht der Ölförderung verantwortliche US-Rohstoffbehörde MMS unter Druck geraten. Kritiker der Behörde dürften sich bestätigt sehen: Ihr wurde in den vergangenen Jahren schon häufiger eine zu große Nähe gegenüber der Ölindustrie vorgeworfen und auch von Bestechlichkeit war die Rede. Bei Anhörungen im Kongress sowie in der Nähe von New Orleans hieß es nun, die MMS habe die Genehmigungen für BP ohne genaue Prüfungen erteilt. Sie habe nicht kontrolliert, ob das Sicherheitsventil an der Ölquelle überhaupt tauglich sei.

Dieser sogenannte Blowout Preventer sollte eigentlich das Bohrloch verschließen, wenn irgendetwas passiert und hätte beim Sinken der Plattform Deepwater Horizon reagieren und das Öl stoppen müssen. Der Chef von BP Amerika, Lamar McKay, bezeichnete das Ventil als wichtigste Sicherungsmaßnahme. Jedoch war es defekt – von Anfang an. Es habe unter anderem leere Batterien enthalten und die nutzlose Testversion eines wichtigen Bauelements, heißt es in einer Untersuchung des Kongresses. Darüber hinaus gab es Lecks in der Hydraulik, wie die Washington Post berichtete. BP schiebt die Schuld für das Versagen auf Transocean, den Schweizer Betreiber der Förderanlage von dem BP die Plattform gemietet hatte.

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Natur in Gefahr

Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.

Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.

Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.

Meerestiere

Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.

Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.

Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.

Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.

Vögel

Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.

Kommen die Vögel mit Öl in Verbindung und verkleben sich ihre Flügel, können die Tiere weder Wasser abweisen noch Luft aufnehmen. In der Folge können sie ihre Körpertemperatur nicht mehr regulieren und unterkühlen.

Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.

Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.

Pflanzen

Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.

Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.

Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.

Fischerei

Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.

Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.

In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.

Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.

Auch am Bohrloch selbst gab es am Tag des Unglücks offenbar Probleme: Dem demokratischen Abgeordneten Henry Waxman zufolge sagte ein hochrangiger BP-Vertreter vor Mitgliedern des Repräsentantenhauses, dass ein wichtiger Bohrloch-Drucktest am Morgen des 20. April "unbefriedigend" ausgefallen sei. Demnach wurde in verschiedenen Rohrabschnitten ungleichmäßiger Druck-Aufbau gemessen – ein möglicher Hinweis auf Gaszufluss ins Bohrloch, wie es am Mittwoch in Medienberichten hieß. Eine plötzliche Gaswelle gilt als Auslöser der Explosion, infolge dessen die Deepwater Horizon sank .

Derweil läuft im Golf von Mexiko der Kampf gegen die Ölpest weiter. BP erhofft sich am Wochenende entscheidende Fortschritte. Dem Miami Herald zufolge arbeiten die Techniker an zwei Szenarien: Zum einen steht noch einmal der Einsatz einer Stahlkuppel zur Debatte. Diese soll über das Bohrloch gestülpt werden, um das ausfließende Öl einzufangen und anschließend auf ein Schiff zu leiten. Im besten Fall könnten so bis zu 85 Prozent des Rohstoffs abgesaugt werden. Die Kuppel wurde bereits im Meer versenkt und soll demnächst einsatzbereit sein.

Ein erster Versuch mit einer größeren Kuppel war am vergangenen Wochenende allerdings gescheitert . Als Alternative ist daher angedacht, ein zweites Rohr in die defekte Leitung einzubringen und das Öl anschließend abzupumpen. Der Zeitung zufolge will sich der Konzern im Laufe des Abends für eine der beiden Option entscheiden. Daneben hatte BP-Manager Doug Suttles davon gesprochen, das defekte Sicherheitsventil mithilfe von Gummi- und Holzgeschossen zu verstopfen. Auch wird überlegt, ein zweites Ventil oberhalb des ersten anzubringen.

Viele der diskutierten Varianten zeigen jedoch vor allem, wie wenig vorbereitet der Konzern auf die Katastrophe war. Bohrungen in solchen Tiefen gelten als kompliziert und schwer beherrschbar. Noch viel schwieriger ist es, wenn Unvorhergesehenes passiert. So wurde die erste Absaugglocke von gefrorenem Hydrat außer Gefecht gesetzt -– einer Mischung aus Gas und Wasser, die in der dort unten herrschenden Tiefe zu Eis wurde und die Kuppel verstopfte. Offensichtlich hatte man diese Möglichkeit nicht genug beachtet. Beim zweiten Versuch soll nun Methanol in die Kuppel gepumpt werden, um ein Gefrieren zu verhindern.

Außerdem wird der Konzern inzwischen bei seinen Aktionen von einer Riege angesehener Wissenschaftler beraten, die die amerikanische Regierung gesandt hatte. "Die intellektuelle Lokomotive dieses Landes" sei im Einsatz, sagte US-Energieminister Steven Chu, selbst Nobelpreisträger in Physik, und meinte damit die Physiker, Ingenieure und Geologen, die in der BP-Zentrale in Houston die nächsten Schritte diskutieren.

Leser-Kommentare
  1. warum kann man das loch nicht per sprengung verschließen??

  2. Genug Öl haben sie jetzt selbst. Brauchen also das von dort nicht mehr.

  3. Erstaunlich, daß das Öl (abgesehen von einzelnen Klumpen) den Stand immer noch nicht erreicht hat. Ein Maßstab in der Karte wäre hilfreich, um einschätzen zu können, welche Entfernungen das Öl ungefähr zurücklegen muß, um an die Küste zu gelangen.

    Eine amerikanische Quelle erwähnte ablandige Winde, die das Öl bislang vorwiegend auf das offene Meer herausgetrieben haben. In der hier dargestellten Karte befindet sich die Masse des Öls zwischen der Position der gesunkenen Bohrinsel und dem Land, was bei ablandigen Winden kaum zu erwarten wäre.

    Gibt es Daten zur Geschwindigkeit, mit der das Öl gebunden und/oder durch Mikroorganismen abgebaut wird?

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    laut einem artikel hier, ist die "hilfe" von mikroorganismen bei der großen menge an öl, nicht mit eizukalkulieren.

    laut einem artikel hier, ist die "hilfe" von mikroorganismen bei der großen menge an öl, nicht mit eizukalkulieren.

  4. Und wieder zeigt sich die Inkompetenz der US-Regierung und deren Administration, wenn es drauf ankommt. Zunächst wird der Industrie blind vertraut. Man ist auf nichts vorbereitet. Dann gibt es einen offiziellen Ausschuss, der medial die Empörung inszeniert und den Leuten zeigen soll, wie intensiv die politische Kaste das Problem bekämpft. Wie zum Hohn wird die Branche, die Jahr für Jahr zig-Milliarden US-Dollar an Reingewinn einstreicht, aufgefordert, läppische 1,5 Milliarden in einen Rettungsfonds einzuzahlen.

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    > Wie zum Hohn wird die Branche, die Jahr für Jahr
    > zig-Milliarden US-Dollar an Reingewinn einstreicht,
    > aufgefordert, läppische 1,5 Milliarden in einen Rettungsfonds
    > einzuzahlen.

    Auch wenn ich Ihnen inhaltlich vollkommen zustimme, ist das wohl (leider) kein US-typisches Verhalten. Beispiel gefaellig?

    Wirtschaftsverlust in Deutschland durch die Finanzkrise: 237 Milliarden Euro
    Bankenrettungsschirm (Zahlungen Deutschlands an kriselnde Banken): 480 Milliarden Euro

    Und was behaupten Merkel & Co? Die Banken wuerden nun an den Schaeden der Krise mitbeteiligt und eine Bankenabgabe werde zukuenftige Krisen verhindern. Hoehe der Einzahlungen durch alle deutschen Banken in den Fonds: 1,2 Milliarden pro Jahr. Mal abgesehen von allen noch zu begleichenden Schulden waere dann in ein paar hundert Jahren tatsaechlich genuegend Geld in einem solchen Fonds, um der naechsten Krise zu begegnen.

    Zum weiteren Vergleich: Bonuszahlungen der Deutschen Bank alleine im letzten Jahr an ihre Londoner Investmentbanker: 450 Millionen Euro

    [Quelle der Zahlenangaben: Stern 17/2010]

    Fazit: Augenwischerei wird ueberall betrieben, wo Politiker meinen, die Bevoelkerung fuer dumm verkaufen zu koennen - nicht nur in den USA.

    > Wie zum Hohn wird die Branche, die Jahr für Jahr
    > zig-Milliarden US-Dollar an Reingewinn einstreicht,
    > aufgefordert, läppische 1,5 Milliarden in einen Rettungsfonds
    > einzuzahlen.

    Auch wenn ich Ihnen inhaltlich vollkommen zustimme, ist das wohl (leider) kein US-typisches Verhalten. Beispiel gefaellig?

    Wirtschaftsverlust in Deutschland durch die Finanzkrise: 237 Milliarden Euro
    Bankenrettungsschirm (Zahlungen Deutschlands an kriselnde Banken): 480 Milliarden Euro

    Und was behaupten Merkel & Co? Die Banken wuerden nun an den Schaeden der Krise mitbeteiligt und eine Bankenabgabe werde zukuenftige Krisen verhindern. Hoehe der Einzahlungen durch alle deutschen Banken in den Fonds: 1,2 Milliarden pro Jahr. Mal abgesehen von allen noch zu begleichenden Schulden waere dann in ein paar hundert Jahren tatsaechlich genuegend Geld in einem solchen Fonds, um der naechsten Krise zu begegnen.

    Zum weiteren Vergleich: Bonuszahlungen der Deutschen Bank alleine im letzten Jahr an ihre Londoner Investmentbanker: 450 Millionen Euro

    [Quelle der Zahlenangaben: Stern 17/2010]

    Fazit: Augenwischerei wird ueberall betrieben, wo Politiker meinen, die Bevoelkerung fuer dumm verkaufen zu koennen - nicht nur in den USA.

  5. > Wie zum Hohn wird die Branche, die Jahr für Jahr
    > zig-Milliarden US-Dollar an Reingewinn einstreicht,
    > aufgefordert, läppische 1,5 Milliarden in einen Rettungsfonds
    > einzuzahlen.

    Auch wenn ich Ihnen inhaltlich vollkommen zustimme, ist das wohl (leider) kein US-typisches Verhalten. Beispiel gefaellig?

    Wirtschaftsverlust in Deutschland durch die Finanzkrise: 237 Milliarden Euro
    Bankenrettungsschirm (Zahlungen Deutschlands an kriselnde Banken): 480 Milliarden Euro

    Und was behaupten Merkel & Co? Die Banken wuerden nun an den Schaeden der Krise mitbeteiligt und eine Bankenabgabe werde zukuenftige Krisen verhindern. Hoehe der Einzahlungen durch alle deutschen Banken in den Fonds: 1,2 Milliarden pro Jahr. Mal abgesehen von allen noch zu begleichenden Schulden waere dann in ein paar hundert Jahren tatsaechlich genuegend Geld in einem solchen Fonds, um der naechsten Krise zu begegnen.

    Zum weiteren Vergleich: Bonuszahlungen der Deutschen Bank alleine im letzten Jahr an ihre Londoner Investmentbanker: 450 Millionen Euro

    [Quelle der Zahlenangaben: Stern 17/2010]

    Fazit: Augenwischerei wird ueberall betrieben, wo Politiker meinen, die Bevoelkerung fuer dumm verkaufen zu koennen - nicht nur in den USA.

  6. Es ist eine Frage des Geldes. Man nimmt in Kauf, dass die Umweld leidet, anstatt Geld für eine gut Lösung auszugeben.
    Diskutier auf http://www.meinuniversum.... über das Thema!

  7. da brennt schon mal ein Hof nieder bei einer Feuerwehrübung oder ein Kernkraftwerk baut sich den SuperGAU nach einem Abschalttest und der Drucktest hält dem Druck nicht stand. Es bestand zu keiner Zeit Gefahr ...

  8. laut einem artikel hier, ist die "hilfe" von mikroorganismen bei der großen menge an öl, nicht mit eizukalkulieren.

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