Golf von Mexiko Küstenwache meldet Stopp des Ölstroms

Das Bohrloch im Golf von Mexiko scheint vorerst gestopft. Doch zuvor war weit mehr Öl aus dem Leck ins Meer geströmt als bisher bekannt.

Wie der Chef der US-Küstenwache, Thad Allen, am Donnerstag mitteilte, strömen kein Gas und kein Öl mehr aus den Lecks am Meeresgrund, die die Bohrplattform Deepwater Horizon nach ihrer Explosion Ende April im Golf von Mexiko hinterlassen hatte. Der obere Teil des Bohrlochs sei "stabilisiert", sagte er.

Der Ölkonzern BP hatte seit Wochen vergeblich versucht, die Lecks in 1500 Metern Tiefe mit unterschiedlichen Techniken zu schließen. Auf den Videobildern vom Meeresboden sehe es nun aber so aus, als ob nur noch Bohrschlamm und kein Öl mehr aus dem beschädigten Bohrloch ausströme, sagte Einsatzleiter Doug Suttles im US-Bundesstaat Louisiana.

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Natur in Gefahr

Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.

Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.

Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.

Meerestiere

Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.

Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.

Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.

Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.

Vögel

Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.

Kommen die Vögel mit Öl in Verbindung und verkleben sich ihre Flügel, können die Tiere weder Wasser abweisen noch Luft aufnehmen. In der Folge können sie ihre Körpertemperatur nicht mehr regulieren und unterkühlen.

Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.

Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.

Pflanzen

Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.

Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.

Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.

Fischerei

Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.

Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.

In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.

Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.

Nach Berechnungen der Regierung ist deutlich mehr Öl ins Meer geflossen als bislang vermutet. Die Direktorin des Nationalen Geologischen Instituts der USA, Marcia McNutt, gab als Berechnungsergebnis einer Expertenkommission eine Spanne von 12.000 bis 25.000 Barrel pro Tag für die austretende Ölmenge bekannt.

Das wären fünf Mal so viel wie bislang von BP geschätzt. BP hatte von 5000 Barrel gesprochen. Im März 1989 war der Tanker Exxon Valdez vor Alaska verunglückt. Dabei flossen insgesamt etwa 260.000 Barrel Öl ins Meer und erzeugte die bislang schlimmste Ölpest.

BP hatte am Mittwoch damit begonnen, im Golf von Mexiko unter hohem Druck große Schlammmassen in das Bohrloch zu pumpen, um die seit Wochen ausströmenden Ölmassen zu stoppen. Eines der größten Risiken war, dass sich die Lecks durch den Beschuss mit Schlamm noch vergrößern könnten. Nun hatte die sogenannte "Top Kill"-Methode offenbar Erfolg. Die Ingenieure des Konzerns drückten mit Pumpen pro Minute tausende Liter Schlamm durch das Sicherheitsventil ("Blowout Preventer"), das auf dem Bohrloch sitzt und es so dem ausströmenden Öl entgegenpumpt. Im Anschluss wollten sie die Quelle mit Zement versiegeln.

Ob der Erfolg von Dauer ist, wird sich allerdings erst in den nächsten Wochen zeigen. Da bisher kein vergleichbares Manöver zum Schließen eines Bohrlochs am Meeresgrund durchgeführt wurde, können Experten nicht vorhersagen, ob der Zementverschluss auch dauerhaft halten wird.

Selbst wenn es dem Konzern endlich gelungen sein sollte, den Ölfluss ins Meer zu stoppen, bleibt die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko gewaltig. Die riesigen Ölschwaden, die weiterhin die Küsten verschmutzen, werden das Leben im Meer und an Land für Jahrzehnte schädigen. Davon gehen Wissenschaftler aus. Außerdem hat BP giftige Chemikalien eingesetzt, um das im Wasser treibende Öl zu zersetzen. Diese Dispergatoren gelten als gesundheitsschädlich und gefährden die Tier- und Pflanzenwelt der Ozeane.

Der Einsatz gegen die Ölpest kostete BP nach offiziellen Angaben bislang 750 Millionen US-Dollar (615 Millionen Euro). Die US-Regierung habe bisher 100 Millionen Dollar (82 Millionen Euro) ausgeben müssen, die sie allerdings von dem Ölkonzern zurückerhalte. Neben dem Schaden für die Umwelt gefährdet die Ölkatastrophe auch die Existenz der Fischer an den betroffenen Küsten. Sie müssen sich auf einen jahrelangen Rechtsstreit um Entschädigungen gefasst machen .

 
Leser-Kommentare
  1. ... dass noch keine Kommentare zu lesen waren, warum BP das noch experimentellere Verfahren der "Glockenlösung" "Top Kill" vorgezogen hat. Dabei ist offensichtlich, dass die nun gefundene Lösung die künftige (lukrative) Nutzung des Bohrlochs erschwert bzw. verunmöglicht, wohingegen die Glockenlösung das Abpumpen aufrechterhalten hätte.

    Ich halte es für skandalös, dass das Unternehmen offensichtlich nicht nach Effizienz der Maßnahme entschieden hat, sondern danach, ob auch künftig noch Kapital aus der Quelle geschlagen werden kann.

    Kritischer Journalismus, wo bist du?

    Immerhin: Endlich ist das Loch gestopft.

  2. ... wenn sich das bestätigt.

    Bei zukünftigen Unfällen dieser Art sollte man dazu jedoch, sind wir großzügig, nach spätestens 48 Stunden in der Lage sein.

    Der Skandal dieser Geschichte ist nicht die explodierende Ölplattform. So traurig das ist, aber so was kommt nun mal vor, wie Autounfälle, wie Herzinfarkte, wie eine Schweinegrippe- Epidemie.

    Der Skandal ist die anschließende wochenlange Handlungsunfähigkeit.

    Hoffen wir, dass sich das zukünftig ändert.

    Unabhängig davon sollte mal aufgearbeitet werden, wie Medien hier mit Fakten umgehen.

    Wenn z.B. zeit.de schreibt: "größte Ölkatastrophe in der Geschichte der Menschheit", dann erscheint das doch etwas übertrieben.

    Das erinnert dann doch sehr an das angekündigte Ende der Menschheit per Schweinegrippe, die sich ja auch eher als "Mediengrippe" entpuppte.

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    • Buh
    • 27.05.2010 um 17:35 Uhr

    "Der Skandal dieser Geschichte ist nicht die explodierende Ölplattform. So traurig das ist, aber so was kommt nun mal vor, wie Autounfälle, wie Herzinfarkte, wie eine Schweinegrippe- Epidemie. "

    Wenn soetwas normal ist, dann ist das ein Risiko welches nicht einzugehen ist! Millionen Tiere sterben, viele mesnchenv erlieren ihren Job und wofür? Weil Politik und Gesellscahft es nicht hinbekommt, regenerative Energiequellen zu fördern? Was für ein Trauriges Kapitel ...

    • Buh
    • 27.05.2010 um 17:35 Uhr

    "Der Skandal dieser Geschichte ist nicht die explodierende Ölplattform. So traurig das ist, aber so was kommt nun mal vor, wie Autounfälle, wie Herzinfarkte, wie eine Schweinegrippe- Epidemie. "

    Wenn soetwas normal ist, dann ist das ein Risiko welches nicht einzugehen ist! Millionen Tiere sterben, viele mesnchenv erlieren ihren Job und wofür? Weil Politik und Gesellscahft es nicht hinbekommt, regenerative Energiequellen zu fördern? Was für ein Trauriges Kapitel ...

  3. Artikel erschienen 27.5.2010 - 15:57 Uhr

    #1 Kommentar * 27.05.2010 um 16:26 Uhr
    * klonkifanko

    Weil bis man als BP-Kritikermit dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause kommt und die Sonnenkollektoren genug gesammelt haben das Modem und Pc laufen, dauert es eben eine weile.

  4. Redaktion

    Liebe Leser, die Meldung wurde noch einmal aktualisiert.

    Weitere kritische Stimmen zum Krisenmanagement während der Ölpest, den Umweltfolgen und den Reaktionen der Politik finden sie auf der Themenseite:

    http://www.zeit.de/themen...

    Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

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    Herzliche Grüße zurück, und danke für den Hinweis!

    Herzliche Grüße zurück, und danke für den Hinweis!

    • Buh
    • 27.05.2010 um 17:35 Uhr

    "Der Skandal dieser Geschichte ist nicht die explodierende Ölplattform. So traurig das ist, aber so was kommt nun mal vor, wie Autounfälle, wie Herzinfarkte, wie eine Schweinegrippe- Epidemie. "

    Wenn soetwas normal ist, dann ist das ein Risiko welches nicht einzugehen ist! Millionen Tiere sterben, viele mesnchenv erlieren ihren Job und wofür? Weil Politik und Gesellscahft es nicht hinbekommt, regenerative Energiequellen zu fördern? Was für ein Trauriges Kapitel ...

    Antwort auf "Wäre ja schön ..."
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    • alkyl
    • 27.05.2010 um 17:52 Uhr

    Kernschmelze kommt auch schon mal vor. Nein, ganz im Ernst, das kann man nicht einfach so hinnehmen!

    • alkyl
    • 27.05.2010 um 17:52 Uhr

    Kernschmelze kommt auch schon mal vor. Nein, ganz im Ernst, das kann man nicht einfach so hinnehmen!

  5. Herzliche Grüße zurück, und danke für den Hinweis!

    • alkyl
    • 27.05.2010 um 17:52 Uhr

    Kernschmelze kommt auch schon mal vor. Nein, ganz im Ernst, das kann man nicht einfach so hinnehmen!

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