Golf von Mexiko Der heimtückische Charakter des Öls
BP dementiert, doch Forscher liefern Belege: Unter Wasser wabert viel Öl im Golf von Mexiko – aufgelöst und unbemerkt. Ein Novum in der Ölbekämpfung.
© Win McNamee/Getty Images

Nahe der Stadt Venice im Golf von Mexiko nimmt ein Mitarbeiter der US-Umweltbehörde Wasserproben. Weiter draußen sammeln Wissenschaftler Beweise für riesige Ölschwaden unter der Meeresoberfläche
Der Meeresforscher David Hollander und sein Kollege Ernst Peebles entdeckten vergangene Woche augenscheinlich nichts – außer klarem Wasser. Doch hier, etwa 35 Kilometer nordöstlich von der Stelle entfernt, wo einst auf der Bohrinsel Deepwater Horizon tonnenweise Öl an die Oberfläche gepumpt wurde , schlug das Sonar an Bord des Forschungsschiffs Weatherbird II an. Die Schallwellen hatten etwas entdeckt. Doch nicht den Riesenölteppich, den die Wissenschaftler erwartet hatten. In rund 400 Metern Tiefe stießen sie auf scheinbar unberührtes Wasser. Erst die chemische Analyse zeigte, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmte.
"Das Wasser enthält stark erhöhte Konzentrationen an Kohlenwasserstoffen", sagt David Hollander. Für ihn lässt das nur einen Schluss zu: Für das bloße Auge unsichtbar schwimmt hier giftiges, in seine Bestandteile aufgelöstes Öl. Die Wissenschaftler spürten die in diesen Mengen schädlichen Ölrückstände mit Fluorometern auf. Die Instrumente senden in der Tiefe des Ozeans Licht unterschiedlicher Wellenlänge aus. Spuren von aufgelösten organischen Überresten reflektieren Teile davon und werden so sichtbar.
- Natur in Gefahr
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Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.
Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.
Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.
- Meerestiere
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Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.
Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.
Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.
Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.
- Vögel
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Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.
Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.
Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.
- Pflanzen
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Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.
Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.
Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.
- Fischerei
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Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.
Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.
In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.
Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.
"Ohne den Blick auf den chemischen Fingerabdruck wäre das Öl nicht auffindbar", sagt der Experte. Nach und nach scheint sich zu bewahrheiten, was Wissenschaftler bereits seit Tagen ahnen: Die Ölkatastrophe vor der Küste Louisianas setzt neue Maßstäbe. Das Öl verhält sich keineswegs so, wie es die Erfahrung aus anderen Bohrinsel- und Tankerunglücken vermuten lässt.
"Dies ist eine einzigartige Katastrophe. Wir haben es das erste Mal mit einer dreidimensionalen Ölpest zu tun", sagt Hollander. Normalerweise sammelt sich ins Meer austretendes Erdöl innerhalb kürzester Zeit an der Wasseroberfläche, wo es zu einem Teil verdampft. Bereits im Wasser kann das Öl fragmentieren und gelangt mitunter tröpfchenweise an die Oberfläche. Doch im Golf von Mexiko verharren große Ölmengen offenbar in der Wassersäule. Neben der schwarzen Masse, die auf dem Meer schwimmt, wabern unzählige Liter Öl in unterschiedlichen Wassertiefen umher – entweder schichten- und klümpchenweise oder, wie jetzt, komplett in seine Bestandteile aufgelöst.
© ZEIT-Grafik
Die Grafik zeigt den Grad der Verschmutzung an den Küsten im Golf von Mexiko
"Eine heimtückische Gefahr", sagt Hollander. Die über Hunderte von Kilometern auf dem Wasser schwimmenden Ölbarrieren halten, wenn überhaupt, nur das schwarze Gift an der Oberfläche auf. Ungehindert passieren die Unterwasserschwaden die Schutzwälle. Schon jetzt landet täglich tonnenweise Öl an der Küste, das das einzigartige Ökosystem im Mississippi-Delta verschmutzt.
Das Öl in den Tiefen des Meeres sieht niemand. Oder will es nicht sehen. Am Wochenende sagte der BP-Chef Tony Hayward noch, dass Analysen des Unternehmens keine Hinweise auf Öl unterhalb der Wasseroberfläche erbracht hätten. "Es gibt keine Ölschwaden." Jegliches Öl im Wasser sei auf dem Weg an die Oberfläche.
- Operation Top Kill
Sechs Wochen nach dem großen Knall im Golf von Mexiko ist der Optimismus auch beim Ölkonzern BP versiegt. Seine Operation Top Kill, das Stopfen des Lecks am Meeresboden mit Schlamm und Zement, ist am vergangenen Wochenende gescheitert. »Wir haben es versäumt, das Biest in die Knie zu zwingen«, gestand der Konzernmanager Bob Dudley im US-Fernsehen. Es sei unmöglich, das Loch kurzfristig zu schließen, räumt der Konzern inzwischen ein. Und falls sein neuester Plan misslingt, könnte alles noch schlimmer werden.
- Glocke über dem Leck
Mitte der Woche sollen Unterwasserroboter die zerstörte Ölleitung am Bohrloch glatt durchschneiden und entfernen. Dann will BP eine kleine Glocke über dem Leck anbringen. Sie soll bis zu 85 Prozent des austretenden Öls auffangen, das dann durch eine Leitung in ein Tankschiff strömen soll. Vier bis sieben Tage dürfte die Aktion dauern. Fachleute befürchten, infolge des glatten Rohrschnitts könnte noch mehr Öl austreten. Einen ähnlichen Auffangversuch hatte BP bereits vor etwa vier Wochen gestartet. Vergeblich, denn ausströmendes Erdgas und eisiges Wasser hatten Kristalle gebildet und den gezielten Ölabfluss durch die Glocke verhindert.
- Entlastungsbohrungen
Manche befürchten, dass erst Entlastungsbohrungen das Öl stoppen werden. Zwei neue Löcher sollen tief im Boden den Druck auf das Leck verringern, sodass es mit Zement verschlossen werden kann. BP hat im Mai mit den Tiefbohrungen begonnen. Bis zum Abschluss dürften noch zwei Monate vergehen.
Ein Trugschluss. Und nicht nur Hollander und sein Team wurden auf der Suche nach Ölschwaden fündig. In den vergangenen Wochen berichteten auch andere Forscher von Ölschwaden, die sich unbemerkt von Satellitenkameras und den Augen der Helfer im Wasser verteilen . Zuletzt entdeckte James Cowan und seine Crew von der Louisiana State University am vergangenen Freitag Öl in mehr als 100 Metern Tiefe. Diesmal gut 120 Kilometer nordwestlich des Öllecks stieß ein U-Boot auf Ölklumpen. "Es erinnerte fast an große Schneeflocken", sagte Cowan der Washington Post , "doch sie waren braun, schwarz und schmierig." Mehrere Kilometer weit schickten die Meeresforscher ihr Unterseeboot umher. Doch ein Ende des Schwarms aus Ölblasen fanden sie nicht.
Noch wissen die Wissenschaftler nicht genau, warum sich diese Ölpest so verhält, wie sie es tut. Bisherige Studien basieren auf Daten zu Öllecks in gerade einmal 800 Metern unterhalb der Wasseroberfläche. Es gibt niemanden, der Erfahrungen mit Öl hat, das wie im Golf von Mexiko in einer Tiefe von 1500 Metern austritt. Hier herrscht unvorstellbarer Druck, der auf das Öl einwirkt und seine Struktur ändern kann.
Der weitaus entscheidendere Unterschied zu anderen Katastrophen: "Niemals zuvor wurden Lösungsmittel in solch großen Mengen eingesetzt, wie bei dieser Ölpest, noch dazu in solcher Tiefe und unter diesen Druckverhältnissen", sagt der Ozeanograf Hollander. Wie viel der Konzern BP von der Chemikalie Corexit 9500 versprüht hat, um das Öl aufzulösen , ist unbekannt. Hollander geht von mindestens 1 Million Liter des auch als Dispergator bekannten Gemischs unterhalb der Wasseroberfläche aus. "Ich denke, der Einsatz war ein großer Fehler."
Offenbar hat die Chemikalie, die Umweltschützer für eine unkalkulierbare Gefahr für das Ökosystem halten , die Ölkatastrophe weit schlimmer werden lassen. Das Öl hat seine physikalischen Eigenschaften verändert und ist nun unberechenbar geworden. Die Hoffnung, es würde sich in kleine Flocken und Partikel zerstreuen, die von Mikroben im Wasser bereits verdaut werden, hat sich offenbar nicht bewahrheitet.
Mit den Massen an gelöstem Öl befürchten Forscher das Schlimmste: "Das Worst-Case-Szenario wäre der Zusammenbruch ganzer mariner Nahrungsketten", sagt Hollander. Nicht nur die milliardenschwere Fischindustrie stehe damit auf dem Spiel, sondern "eine ganze Region verliert durch diese Katastrophe ihre unschätzbare kulturelle Identität."
Obwohl sie offiziell noch angezweifelt werden, wächst die Beweislast für die Existenz der Ölschwaden. Natürlich, wie BP-Chef Hayward glaubt, ist an der beispiellosen Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko längst nichts mehr.
- Datum 02.06.2010 - 06:26 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wo bleibt die Bundeswehr?
ist mal so was von unpassend.
ist mal so was von unpassend.
#1, das ist ausgesprochen dämlich (um höflich zu bleiben !!)
Die Amerikaner werden (leider) aus dem Geschehen nichts lernen,sie haben vermutlich noch einen Reserve-Golf in der Tasche. Die Tiere und die Menschen an der Golfküste werden die Zeche zahlen und BP wird Haare lassen, die Rendite wird mager (Oh Gott,oh Gott....!!!!)
Weihnachten redet da kein Mensch mehr drüber, außer Johannes "Be" Kerner, tränenreich, in seinem TV-Jahresrücklick.
Sehr traurig, das Ganze.
Die "Krone der Schöpfung" halt.
"Die Amerikaner werden (leider) aus dem Geschehen nichts lernen,sie haben vermutlich noch einen Reserve-Golf in der Tasche."
Um bei dämlichen Kommentaren zu bleiben:
Klar haben die Amerikaner einen Reserve-Golf - deshalb sind ja schon vor langer Zeit in den Irak einmarschiert! ;-)
"Die Amerikaner werden (leider) aus dem Geschehen nichts lernen,sie haben vermutlich noch einen Reserve-Golf in der Tasche."
Um bei dämlichen Kommentaren zu bleiben:
Klar haben die Amerikaner einen Reserve-Golf - deshalb sind ja schon vor langer Zeit in den Irak einmarschiert! ;-)
"Der heimtückische Charakter des Öls"
Das sollte wohl eher heissen: "Der heimtückische Charakter des Konzerns BP".
Öl ist nicht heimtückisch und es wäre auch unter dem Meeresboden verblieben, wenn nicht ein paar Diletanten daran rumgebohrt hätten.
Warum die tonnenweise Corexit in die See pumpten, dessen Mixtur sie erstaunlicherweise auch noch geheimhalten dürfen, ist doch eigentlich von Anfang an klar gewesen:
1. BP gehört die Firma, die das Gift herstellt
2. Man will die Katastrophe im wahrsten Sinne des Wortes so lange unter der Decke halten, bis das öffentliche Interesse in den USA nachgelassen hat.
An diesem Emulgator ist absolut nichts "geheimnisvoll". Die gleiche Mixtur können Sie in jedem Baumarkt in der Autoabteilung als Kaltreiniger kaufen.
Die drei Komponenten sind : Tensid (Alkylsulfat oder -sulfonat), ein polares Lösungsmittel (Propylenglykol, da es im Gegensatz zu Athylenglykol keine giftigen Metaboliten beim Abbau bildet), und ein unpolares Lösungsmittel (aus Sicherheitsgründen nicht allzu niedrigsiedende Kohlenwasserstoffe, also C6H14, C7H16 usw.).
Im Gegensatz zu einem Spülmittel oder einer Flüssigseife braucht man das unpolare Lösungsmittel, da man ja den Golf nicht in ein grosses Spülbecken verwandeln möchte, sondern nur das Rohöl angehen will. Dabei wird das unpolare Lösungsmittel durch das Rohöl ersetzt. Ebenso das Propylenglykol durch Wasser. Solange noch mehr Wasser als Öl im Golf ist erhält man feinverteilte Öltröpfchen, bei denen wie bei einem Seeigel die Tensidmoleküle als Stacheln von der Oberfläche abstehen. Bei Wasser in Öl wäre es umgekehrt.
In der Tat hat noch niemand so einen Grossversuch mit tausenden Tonnen Emulgator in einem ganzen Meer unternommen. Zumindest hat man jetzt die erste dreidimensionale Ölkatastrophe der Menschheit.
Über soviel Fortschritt kann man doch nicht meckern, oder?
An diesem Emulgator ist absolut nichts "geheimnisvoll". Die gleiche Mixtur können Sie in jedem Baumarkt in der Autoabteilung als Kaltreiniger kaufen.
Die drei Komponenten sind : Tensid (Alkylsulfat oder -sulfonat), ein polares Lösungsmittel (Propylenglykol, da es im Gegensatz zu Athylenglykol keine giftigen Metaboliten beim Abbau bildet), und ein unpolares Lösungsmittel (aus Sicherheitsgründen nicht allzu niedrigsiedende Kohlenwasserstoffe, also C6H14, C7H16 usw.).
Im Gegensatz zu einem Spülmittel oder einer Flüssigseife braucht man das unpolare Lösungsmittel, da man ja den Golf nicht in ein grosses Spülbecken verwandeln möchte, sondern nur das Rohöl angehen will. Dabei wird das unpolare Lösungsmittel durch das Rohöl ersetzt. Ebenso das Propylenglykol durch Wasser. Solange noch mehr Wasser als Öl im Golf ist erhält man feinverteilte Öltröpfchen, bei denen wie bei einem Seeigel die Tensidmoleküle als Stacheln von der Oberfläche abstehen. Bei Wasser in Öl wäre es umgekehrt.
In der Tat hat noch niemand so einen Grossversuch mit tausenden Tonnen Emulgator in einem ganzen Meer unternommen. Zumindest hat man jetzt die erste dreidimensionale Ölkatastrophe der Menschheit.
Über soviel Fortschritt kann man doch nicht meckern, oder?
Eins verstehe ich nicht ganz: Man setzt eine Chemikalie ein um das Öl in möglichst kleine Flocken zu zerstreuen, so dass Bakterien es besser abbauen können. Jetzt findet man zum Teil zersetzte Ölreste im Wasser und beschwert sich darüber? War das nicht das Ziel der Aktion, bzw. lässt dieses Ergebniss der zersetzten Kohlenwasserstoffe nicht auch auf eine vollständige Zersetzung hoffen...?
Gut, viel Öl wurde durch die Chemicalie aufgelöst.... aber es ist nicht weg und niemand weiss, wie die Umwelt auf soviel aufgelöstes Öl reagieren wird.
BP wird daran vielleicht zugrunde gehen... für die Umwelt und die Menschen die unter den Folgen leiden müssen, jedoch nur ein schwacher Trost.
Wir brauchen Öl, keine Frage. Jedoch muss die Risikoabschätzung und die zu treffenden Maßnahmen für die Gefahrenabwehr deutlich gesteigert werden.
Lieber Arne Kienzle,
Zersetzung bedeutet, dass am Ende noch große Mengen an Kohlenwasserstoffen übrig bleiben. Zwar können etwa Mikroben am Meeresgrund Teile davon zersetzen, doch sind die Konzentrationen mittlerweile so hoch, dass andere Organismen Schaden nehmen können. Zudem ist vollkommen unklar, welche Überreste der Chemikalie Corexit im Golf von Mexiko verbleiben, die irreperable Schäden für das marine Ökosystem bedeuten könnten.
Der Einsatz solcher Dispergatoren ist nur zu einem gewissen Grad vertretbar, sagen Experten. Den hat BP offenbar dramatisch überzogen.
Zudem ist das aufgelöste Öl ja nur ein Teil des Dilemmas. So gibt es ja ganze Ölschwaden, die nur teilweise gelöst im Meer verbleiben.
Es sind also drei toxische Stoffe, die neben dem Öl an der Oberfläche dort unter Wasser herumwabern: Nicht zersetztes Öl, Unmengen einer Chemikalie, von der man nicht weiß, ob Teile von ihr nicht auch in die Nahrungskette im Meer gelangen und aufgelöstes Öl in Form von Kohlenwasserstoffen, die gefährlich für marine Lebewesen werden.
BP hat sich den Versuch, das Öl von der Küste fernzuhalten nicht nur viel zu teuer erkauft, sondern ist damit noch gescheitert. Jetzt hat man ein vergiftetes marines Ökosystem und eine verseuchte Küstenregion.
Die Meerestoxikologin Riki Ott fasst dies in einem Interview sehr gut zusammen:
http://www.zeit.de/wissen...
Gruß aus der Redaktion
um welche Kohlenwasserstoffe es sich handelt?
um welche Kohlenwasserstoffe es sich handelt?
Ein Dokument von BP an Admiral Mary Landry zeigt auf, mit welchen Methoden der Konzern das Verbot zur Verwendung von Corexit umgeht. http://www.epa.gov/bpspil...
Auf Seite 4 (Fußnote) wird auf andere Umgebungsbedingungen im Golf von Mexico verwiesen und damit legitimiert BP die Verwendung. Interessanterweise regt sich kein Wiederstand bei den US Behörden.
Wahrscheinlich verlassen sie sich ja auf die Aussagen von BP-Chef Tony Hayward: "The oil is on the surface. Oil has a specific gravity that's about half that of water. It wants to get to the surface because of the difference in specific gravity." - Also, Öl das man nicht an der Meeresoberfläche sieht, gibt es nicht.
Das muss man erst einmal verarbeiten.
Das mit dem Dispersionsmittel war wohl eine reichlich blöde Idee, das hilft nur bei kleinen Mengen Öl im Wasser. Gescheiter wäre es doch, zu suchen, wo Ölschwaden sind, und davon möglichst viel auf Schiffe zu pumpen und an Land in Silos zu bringen. Dort könnte man es später raffinieren und verwerten. Man muß doch nicht gleich völlig vor dem Aufnehmen kapitulieren, nur weil mans nicht perfekt hinbekommen kann. Und den Pflanzen, Fischen und Vögeln täts wohl helfen, wenn das Öl schon _ein bißchen_ weniger würde.
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