Ölpest vor Louisiana Erreicht der Ölteppich noch den Atlantik?
US-Medien zeichnen ein Alptraum-Szenario: Der Golfstrom könnte das Öl im Golf von Mexiko bis in den Atlantik tragen – mit katastrophalen Folgen. Wie ernst ist die Gefahr?
Während sich die Bewohner an der Küste des Golfs von Mexiko auf eine der wohl größten Umweltkatastrophen der Geschichte einstellen, herrscht in manchen Medien die schiere Panik. Das neue Schreckensszenario: Der Ölteppich könnte vom Golfstrom erfasst und bis in den Atlantik getragen werden. Der Nachrichtensender FOX zeigt ein Video mit der Strömungsvorhersage für die nächsten Tage. Glaubt man dem Nachrichtensprecher könnte ein starker Wind von Nord-Nord-Ost das Öl in eine Verwirbelung treiben, die es geradewegs in den Golfstrom führt. Dann wäre zunächst Florida betroffen und im weiteren Verlauf auch die Ostküste der USA.
Doch wie wahrscheinlich ist diese Prognose? Die Größe des Ölteppichs, der unaufhaltsam auf die Südküste der USA zuschwappt, hat sich im Laufe des Wochenendes verdreifacht. Rund 10.000 Quadratkilometer misst das verseuchte Areal mittlerweile, ungünstige Winde haben das Öl außerdem noch schneller als erwartet landeinwärts getrieben. Der schmierige Teppich liegt kurz vor dem Bundesstaat Louisiana. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten des fruchtbaren Mississippi-Deltas sind bedroht.
Die Vorhersage, die nun durch die Medien geistert bezieht sich auf eine Verwirbelung im Golf von Mexiko, die warmes Oberflächenwasser zuerst nordwärts trägt und dann südwestlich in die Floridastraße. Diese sogenannte Loop Current mündet damit langfristig in den Golfstrom. Die Unglücksstelle, wo am 20. April die Ölplattform Deepwater Horizon explodierte, liegt nordwestlich von der Schlaufe. Zwei Tage nach der verheerenden Katastrophe sank die Bohrinsel und seitdem sprudelt Erdöl aus einem Leck in rund 1500 Metern Tiefe.
"Momentan verhält sich die Strömung eher so, dass der Ölteppich nach Nordosten getrieben wird", sagt Werner Ekau vom Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen . "Deswegen glaube ich nicht daran, dass das Öl in den Golfstrom gerät. Dazu hätte die Ölquelle viel weiter südlich liegen müssen. Wahrscheinlicher ist, dass es die Westküste von Florida erreicht und dort verweilt."
- Natur in Gefahr
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Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.
Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.
Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.
- Meerestiere
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Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.
Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.
Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.
Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.
- Vögel
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Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.
Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.
Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.
- Pflanzen
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Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.
Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.
Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.
- Fischerei
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Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.
Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.
In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.
Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.
Auch Carsten Eden vom Zentrum für Marine und Atmosphärische Wissenschaften der Universität Hamburg hält eine Ausbreitung in den Golfstrom für unwahrscheinlich. "Dazu müsste der Wind sehr lange von Norden her wehen, mehrere Wochen lang. Der Ölteppich würde dabei nicht zusammenbleiben, sondern stark verdünnen", erklärt Eden. "Ich gehe davon aus, dass die Ausdehnung auf den Golf von Mexiko beschränkt bleibt."
Nur wenn die Ölquelle noch einige Jahre weitersprudeln würde, dann könnte man Spuren des Öls womöglich auch im Nordatlantik messen. "Das hängt nun davon ab, wie schnell das Loch gestopft wird." Die verschiedenen Möglichkeiten werden von Spezialisten gerade untersucht. Die sicherste Variante wären wohl Entlastungsbohrungen nahe den Öllecks in der Tiefsee . Dies würde zunächst den Druck mit dem das Öl ins Meer gelangt, senken. Anschließend könnte man die Löcher mit Zement schließen. Diese Prozedur kann aber bis zu drei Monate dauern.
Umweltexperten in den USA gehen davon aus, dass derzeit bis zu 800.000 Liter Öl am Tag aus den Lecks in rund 1500 Metern Tiefe sprudeln. "Das ist natürlich eine Menge," sagt Ekau, "aber selbst wenn es ein Jahr so weiter gehen würde, wäre das ungefähr die Ladung eines großen Tankers. Das ist mitunter noch verkraftbar, weil kleinere Ölpartikel relativ gut abgebaut werden können".
Eine Gefahr sieht Ekau dann aber doch: Sollte der Wind noch drehen, könnte das verseuchte Wasser nach Süden getragen werden und die Südspitze Floridas erreichen. "Das wäre verheerend, weil sich dort empfindliche Mangrovenwälder und Korallenriffe befinden."
- Datum 04.05.2010 - 08:30 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Und um 10.000 Quadratmeter (100 mal 100 Meter) Ölteppich wird nun so ein Wirbel gemacht? 800.000 Liter Öl pro Tag sollten doch eine größere Fläche bedecken.
Das sollte vermutlich 10.000 Quadrat_kilo_meter heissen...
Das sollte vermutlich 10.000 Quadrat_kilo_meter heissen...
Das sollte vermutlich 10.000 Quadrat_kilo_meter heissen...
Der Fehler mit den Größenangaben des Ölteppichs ist korrigiert. Herzlichen Dank für den Hinweis.
mit der man die Europäer dazu bringen könnte, sich an den Folgekosten zu beteiligen.
Aber selbstverstaendlich sollten sich die Europaeer an den Kosten beteiligen! Es sind schliesslich zwei europaeische Firmen die das Ganze verursacht haben.
Warum liest man nie in der deutschen Presse dass es die schweizer Firma Transocean ist, der die Bohrinsel gehoert, und dass sie sie im Auftrag der britischen Firma BP betrieben hat?
Koennen sie sich vorstellen, mit welchem Aufschrei die so umweltbewussten Deutschen reagieren wuerden wenn zwei amerikanische Firmen einen riesigen Oelteppich im Mittelmeer verursacht haetten?
Aber selbstverstaendlich sollten sich die Europaeer an den Kosten beteiligen! Es sind schliesslich zwei europaeische Firmen die das Ganze verursacht haben.
Warum liest man nie in der deutschen Presse dass es die schweizer Firma Transocean ist, der die Bohrinsel gehoert, und dass sie sie im Auftrag der britischen Firma BP betrieben hat?
Koennen sie sich vorstellen, mit welchem Aufschrei die so umweltbewussten Deutschen reagieren wuerden wenn zwei amerikanische Firmen einen riesigen Oelteppich im Mittelmeer verursacht haetten?
da ist bei einigen mal wieder die Fantasie durchgegangen,wenn sie annehmen ,daß der Golfstrom den Oilteppich in den Nordatlantik trägt.Er wird sich in der warmen Meeresströmung von über 20 Grad Cel. relativ schnell auflösen,wobei der überwiegende Anteil zu Boden sackt.Das ist natürlich kein Trost für die Südstaaten am G.v.Mexico,die werden mit jeder länger anhaltenden Windrichtung das Fürchten lernen,denn solange die Oil-Leckagen am Grund nicht abgedichtet sind werden immer mehr Küsten verunreinigt.
Aber selbstverstaendlich sollten sich die Europaeer an den Kosten beteiligen! Es sind schliesslich zwei europaeische Firmen die das Ganze verursacht haben.
Warum liest man nie in der deutschen Presse dass es die schweizer Firma Transocean ist, der die Bohrinsel gehoert, und dass sie sie im Auftrag der britischen Firma BP betrieben hat?
Koennen sie sich vorstellen, mit welchem Aufschrei die so umweltbewussten Deutschen reagieren wuerden wenn zwei amerikanische Firmen einen riesigen Oelteppich im Mittelmeer verursacht haetten?
Gewiss ist British Petroleum eine englische Firma mit Sitz in London, aber sie haben sich bereit erklärt, die Kosten zu bezahlen. Vorerst hat der Ölteppich im Golf von Mexiko nicht nicht einmal die Küste der USA erreicht. Es ist also Panikmache, jetzt schon vom Golfstrom zu reden. Im übrigen berührt der Golfstrom kaum die US-Ostküste, sondern überquert bei Bermuda den Atlantik in Richtung Spanien.
Gewiss ist British Petroleum eine englische Firma mit Sitz in London, aber sie haben sich bereit erklärt, die Kosten zu bezahlen. Vorerst hat der Ölteppich im Golf von Mexiko nicht nicht einmal die Küste der USA erreicht. Es ist also Panikmache, jetzt schon vom Golfstrom zu reden. Im übrigen berührt der Golfstrom kaum die US-Ostküste, sondern überquert bei Bermuda den Atlantik in Richtung Spanien.
Gewiss ist British Petroleum eine englische Firma mit Sitz in London, aber sie haben sich bereit erklärt, die Kosten zu bezahlen. Vorerst hat der Ölteppich im Golf von Mexiko nicht nicht einmal die Küste der USA erreicht. Es ist also Panikmache, jetzt schon vom Golfstrom zu reden. Im übrigen berührt der Golfstrom kaum die US-Ostküste, sondern überquert bei Bermuda den Atlantik in Richtung Spanien.
>>Umweltexperten in den USA gehen davon aus, dass derzeit bis zu 800.000 Liter Öl am Tag aus den Lecks in rund 1500 Metern Tiefe sprudeln. "Das ist natürlich eine Menge," sagt Ekau, "aber selbst wenn es ein Jahr so weiter gehen würde, wäre das ungefähr die Ladung eines großen Tankers.<<
Auch wenn Panikmache und Falschmeldungen vermieden werden sollten, gilt dies umgekehrt auch für Verniedlichungen: Der Tanker Exxon Valdez, der an der Küste Alaskas 1989 havarierte, konnte seinerzeit etwas über 200.000 t transportieren, hatte weniger geladen und davon knapp 39.000 t "verloren", um eine der bis dahin größten Ölkatastrophen auszulösen. Mit ein bisschen Mathematik wird schnell ersichtlich, dass die Aussage, mit der Herr Ekau zitiert wird, unsinnig ist, da das Leck der Deepwater Horizon täglich (!) bereits drei bis vier komplette Tankerladungen in den Golf von Mexiko befördert. Etwas mehr Sorgfalt bei den Äußerungen der Experten wäre angebracht.
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