Den Zugang zu den Ölschiffen und Plattformen an der Unglücksstelle gewährt allein der Besitzer, sagt BP: also Transocean oder BP © Patrick Kelley/U.S. Coast Guard via Getty Images

Seit einem Monat strömt im Golf von Mexiko eine enorme, bislang jedoch noch immer unbekannte Menge Öl ins Meer. Niemand scheint das stoppen zu können. Zeit für die entscheidende Frage: Who to blame ? Die Antwort darauf dürfte unbefriedigend sein. Sie lautet: Das System ist Schuld.

In Deutschland – zugegeben, das ist für einen Vergleich mit den USA ein schlechtes Beispiel, aber es kann trotzdem das Problem verdeutlichen –, in Deutschland würde im Fall einer Katastrophe folgendes Szenario ablaufen: Das betroffene Bundesland bildet einen Krisenstab und koordiniert fortan alle Beteiligten, ob sie zu Greenpeace, zur Bundeswehr oder zur Industrie gehören. Betrifft das Problem mehrere Bundesländer oder ist es zu groß, um es allein zu bewältigen, passiert das gleiche auf Bundesebene. Im Zweifel kann gar die Bundeskanzlerin persönlich "die Führung übernehmen" und das auch bei "zivilisatorisch bedingten Schadenslagen". Geht es wie in den USA um eine Ölpest auf See, gibt es gar eine eigens zuständige Stelle, das Havariekommando in Cuxhaven .

Mit anderen Worten: In jedem Fall übernehmen Regierungsstellen nicht nur die Organisation der Hilfe, sie stellen auch einen großen Teil der Mittel zur Bekämpfung des Problems, kümmern sich um die Kommunikation nach außen – und sind diejenigen, die sagen, was wie zu geschehen hat.

In den USA ist das nicht so. Auch dort wurde zwar sofort nach Bekanntwerden der Explosion auf der Deepwater Horizon ein sogenanntes Command Center gebildet . An Tag zwei, am 21. April, wurde außerdem der stellvertretende Innenminister David Hayes als eine Art Verbindungsoffizier zur US-Regierung in Washington dorthin geschickt und es wurden alle möglichen Institutionen einbezogen.

Aber es gibt einen Unterschied. Die Aufgabe dieser 'Kommandostelle' ist offensichtlich nicht das 'kommandieren'. Der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, brachte es auf eine kurze Formel : " Well , again, they’re responsible; we have oversight ." Mit anderen Worten, die amerikanischen Regierungsstellen haben lediglich eine Art Aufsicht. Zuständig aber für den Umgang mit der Krise ist der Ölkonzern BP.

Nach deutschem Verständnis ist das absurd. Derjenige, der sich als unfähig erwies und die Sauerei verbockt hat, soll bestimmen, wie sie wieder beseitigt werden kann? Es gibt hierzulande einen bildlichen Ausdruck für solches Vorgehen: den Bock zum Gärtner machen. Hier handelt bei Katastrophen der Staat, es ist sein Job, die Sicherheit und Gesundheit der Bürger zu garantieren, genau dafür bekommt er Steuern. Ihm wird darin auch vertraut, viel eher zumindest als der Wirtschaft, deren vorrangiges Interesse der Gewinn ist – oder in solchem Fall die Begrenzung des Verlustes.

Amerikaner haben ein anderes Verhältnis zu ihrem Staat und zu ihrer Wirtschaft. Immerhin lassen sie inzwischen auch ihre Kriege und den anschließenden Wiederaufbau von privaten Konzernen erledigen . Und so ist das Joint Information Center – der vereinte Infostab sozusagen – beispielsweise in einem Trainingszentrum untergebracht, das dem Ölkonzern Shell gehört. Von den insgesamt 65 Mitarbeitern dort sind zehn von BP , der Rest vom Bohrplattformbetreiber Transocean und Regierungsbehörden wie der Küstenwache.