Polen Hochwasser flutet Stadtteile in Breslau
Die Lage in den überschwemmten Regionen in Polen ist weiter kritisch. In Breslau und anderen Gebieten sollen sich Bewohner nun auf die Evakuierung vorbereiten.
© Piotr Piotrowski/dpa

In Polens haben Regenfälle zu Überschwemmungen geführt
Die Weichsel-Flutwelle hat auf dem Weg nach Norden große Schäden angerichtet. Am Sonntagvormittag durchbrach der Fluss bei Plock, 100 Kilometer nordwestlich von Warschau, einen Deich, sagte ein Sprecher des Krisenstabes mit. Die Ortschaft Swiniary wurde überflutet, 160 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Gefährdet ist ein Gebiet, in dem 2500 Menschen leben. Die Behörden schickten zusätzliche Rettungskräfte sowie einen Polizeihubschrauber in die Region. In der Umgebung von Plock gelten sieben Gemeinden als gefährdet.
Die Flutwelle der Weichsel soll am Nachmittag Wloclawek erreichen. Dort befindet sich ein wichtiger Staudamm. Die Einrichtung sei aber sicher, sagte Innenminister Jerzy Miller. Gerüchte, der Staudamm sei gefährdet, entbehrten jeder Grundlage, versicherte er.
Auch in Breslau standen am Sonntagmorgen große Teile der Siedlung Kozanow im Nordwesten der Stadt unter Wasser. Die Wohnblocks und Einfamilienhäuser seien bis zur Höhe von zwei Metern überflutet, berichtete der Fernsehsender TVN24. Die Oder und ihr Zufluss Sleza hatten am Samstag einen Deich an zwei Stellen durchbrochen und trotz einer schnellen Hilfsaktion das Gebiet überflutet. Durch die Hauptstadt von Niederschlesien strömte seit dem Morgen der Hochwasserscheitel der Oder.
In Warschau ging der Weichsel-Pegel in den vergangenen Stunden um 20 Zentimeter zurück und betrug am Morgen 7,57 Meter. Weil der Scheitel der Flutwelle besonders lang ist und erst am Dienstag Warschau verlassen soll, befürchten die Stadtbehörden ein Durchsickern des Wassers durch schwammig gewordene Deiche. Bürgermeisterin Hanna Gronkiewicz-Waltz ordnete daher für Montag die an, Schulen und Kindergärten in besonders bedrohten Stadtteilen zu schließen.
Die Stadtverwaltung rief die Bewohner der betroffenen Viertel auf, sich auf eine Evakuierung vorzubereiten. Mehr als 100.000 Einwohner Warschaus könnten davon betroffen sein. In der Nacht zum Sonntag wurden 120.000 zusätzliche Sandsäcke in die Stadt gebracht. Die Feuerwehr kontrolliert rund um die Uhr den Zustand der Deiche. Bisher kamen zehn Menschen durch das Hochwasser in Polen ums Leben.
- Datum 23.05.2010 - 12:55 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
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Der Deichbau sowie vor allem die Deichinstandhaltung sind natürlich enorm wichtig, zweifelsohne, und beides wurde - auch nach der letzten großen Flut von 1997 - aufs sträflichste vernachlässigt. Fertige Bauprojekte verstaubten vielerorts "aus Geldmangel" in den Schubladen, andere wurden erst gar nicht in Auftrag gegeben. Aber das Hauptproblem in Polen sind absurde Gesetze, die jahrzehntelang Hochwasserpolder als entbehrlichen Firlefanz betrachteten, sowie Seilschaften aus Lokalpolitik und korrupten Gemeindebediensteten, die immer und immer wieder für neue Baugenehmigungen auf dem Gebiet ehemaliger Polder sorgten. All das war natürlich erst dadurch möglich, weil erneut - wie eh und je - keiner für die Versäumnisse und die jahrelange Schlamperei verantwortlich sein wird: es werden wohl kaum Köpfe rollen, Verantwortung wird man kaum zuweisen können, und wenn doch, so hackt am Ende eine Krähe der anderen kein Auge aus. Die Hochwassergefahr wurde oft geschäftstüchtig verdrängt, vielfach geflissentlich übersehen oder wider besseres Wissen bewußt ignoriert - die Grundstücksverkäufer haben sich gesundgestoßen, die Bediensteten sahnten ab, und die Käufer waren über niedrige Grundstückspreise kaum unglücklich. "Irgendwie wird’s schon gehen", sagen sich die Polen ja immer - und entsprechend dieser Maxime wurde wohl auch gehandelt.
Jetzt müssen alle die Zeche zahlen. Darunter auch viele einfache Menschen, die leider - gänzlich unverschuldet - ihr ganzes Hab und Gut verloren haben...
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