Umweltpolitik Energiewende von unten
Trotz der Ölpest ist vom amerikanischen Kongress nicht mehr Klimaschutz zu erwarten. Doch der Wandel hat längst begonnen – fernab der Hauptstadt.
© Justin Sullivan/Getty Images

Der Wandel in Amerika: Während auf der politischen Bühne in langwierigen Prozessen um Umwelt-, Klimaschutz und grüne Energie gestritten wird, bewegt sich an den Graswurzeln bereits so manches
Seit dreieinhalb Wochen starrt die halbe Welt auf die USA in Erwartung einer Katastrophe, die das Land zum Umdenken zwingt. Mehrere hunderttausend Liter Rohöl schießen täglich aus einem Bohrloch am Boden des Golfs von Mexiko in 1500 Meter Tiefe. Die Explosion der Förderplattform "Deepwater Horizon" hat es hinterlassen. Wie viel Öl genau, das weiß niemand. Und ebenso wenig, wann und wo die bedrohliche Materie anlanden wird. In Louisiana, in Mississippi, in Alabama oder in Florida? Vielleicht auch nie – jedenfalls nicht als existenzvernichtendes Megaereignis, das Zehntausende Seevögel und Meeresbewohner das Leben kostet, Tierkadaver an die Küsten spült, viele Kilometer Strände verseucht und unzähligen Menschen, die vom Meer und Tourismus leben, auf Jahre hinaus die Einkommensquellen raubt.
Solche Bilder schienen unausweichlich, als das Ausmaß des Unglücks bekannt wurde und BP’s Rettungsversuche einer nach dem anderen scheiterten. Die Medien orientierten sich an den Folgen großer Tankerunglücke wie das der "Exxon Valdez" 1989 in Alaska oder der "Amoco Cadiz" 1978 vor der Bretagne.
- Ölkatastrophen: "Exxon Valdez" 1989
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Um das empfindliche Ökosystem an der Südküste des US-Bundesstaates Alaska für Jahre nachhaltig zu schädigen, reichten im März 1989 knapp 40.000 Tonnen Rohöl aus dem verunglückten Tanker Exxon Valdez.
Im Prince-William-Sund kam es damals zur bislang größten Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA.2400 Kilometer Küste wurden verunreinigt. Hunderttausende Seevögel starben, auch Otter, Robben und Grauwale verendeten.
Trotz aufwendiger Reinigungsarbeiten hat sich das Gebiet nur oberflächlich erholt. Die niedrigen Temperaturen verzögern den biologischen Abbau des Öls. Vor allem in den Uferzonen lagern noch immer Reste der "schwarzen Pest".
Viele Tierarten leiden bis heute unter der Katastrophe.
- "Amoco Cadiz" 1978
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Zur folgenschwersten Ölkatastrophe in Europa kam es im März 1978, als der Supertanker Amoco Cadiz an der französischen Atlantikküstenördlich von Brest auf Grund lief.
Im Sturm zerbrach der Koloss, und mehr als 223.000 Tonnen leichtes Rohöl verpesteten Strände und Felsen der Bretagne auf einer Länge von 360 Kilometern. Wochenlang schaufelten Tausende Freiwillige und Soldaten das Öl in Plastiktüten und schrubbten verschmierte Felsen.
In einem Ölteppich von der Größe des Saarlands starben Vögel, Fische und Muscheln. Die Austernbänke wurden für Jahre zerstört, der Tourismus zunächst schwer beeinträchtigt. Günstige Strömungen, hohe Wellen und die vielen Freiwilligen verhinderten ein Desaster.
Schon 1979 lockte die Bretagne wieder Urlauber an saubere Strände, doch nach Schätzungen von Experten lagen ein Jahr nach dem Unglück noch immer 40.000 Tonnen Öl auf dem Meeresgrund.
- "Pallas" 1998
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Als der Holzfrachter Pallas im Herbst 1998 an der Nordseeküste vor Amrum strandete, starben 16.000 Seevögel.
Verantwortlich waren 100 Tonnen Schweröl, die aus dem Schiff geflossen waren.
Wenn Millionen US-Bürger solche Szenen in den Fernsehnachrichten sehen, so die Erwartung, dann werde das die Bereitschaft zur Wende vom Öl zu erneuerbaren Energien beschleunigen. 2010 ein wichtiges Wahljahr. Da müssen die Volksvertreter verstärkt Rücksicht auf Stimmungen nehmen und Tatkraft beweisen.
Doch diese Logik orientiert sich zu sehr an deutschen Gesetzmäßigkeiten. In der Bundesrepublik wurde die Energiewende "von oben" durchgesetzt. Die Politik steuert das Konsumverhalten der Bürger durch höhere Steuern. Sie verordnet einen Ökoaufschlag. Die klassische Industrie murrt über Wettbewerbsnachteile durch die Energiekosten, versucht zu bremsen und richtet sich schließlich widerwillig mit der neuen Lage ein. Parallel werden hohe Subventionen zum Anschub erneuerbarer Energien ausgereicht. Die Bürger sehen es mit gemischten Gefühlen. Wer ist schon glücklich, wenn er drei bis vier Mal so viel wie ein Amerikaner für einen Liter Benzin zahlen muss und doppelt so viel für die Kilowattstunde Strom? Zum Trost dürfen sich die Deutschen moralisch überlegen fühlen.
Amerika reagiert anders. Und dieser Fall liegt anders. Eine Ölpest nach einem Offshore-Unglück rund 70 Kilometer vor der Küste, das lernt die staunende Welt gerade, verläuft offenbar nicht nach den Regeln einer Tanker-Havarie in unmittelbarer Landnähe. Niemand kann sich zwar vorstellen, dass so ein schwerwiegendes Ereignis folgenlos bleibt. Bisher ist die angekündigte Katastrophe aber noch nicht sichtbar geworden. Und der Zeitaufschub begünstigt das Beharrungsvermögen der US-Politik.
- Natur in Gefahr
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Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.
Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.
Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.
- Meerestiere
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Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.
Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.
Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.
Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.
- Vögel
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Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.
Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.
Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.
- Pflanzen
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Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.
Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.
Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.
- Fischerei
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Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.
Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.
In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.
Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.
Auf paradoxe Weise beschleunigt die Ölpest nicht etwa die Verabschiedung eines neues Energiegesetzes im Kongress. Sondern sie verzögert sie. Vor dem Unglück bestanden gute Aussichten, dass die Parlamentarier noch in diesem Jahr ein Gesetz zur Energiesicherung verabschieden würden. Es ist eine reduzierte Fassung des ursprünglich geplanten Klimaschutzgesetz werden, für das Präsident Obama 2009 keine Mehrheit im Senat gefunden hatte. Die neue Version ist ein überparteilicher Entwurf, gemeinsam erarbeitet vom Demokraten John F. Kerry, dem Republikaner Lindsey Graham und dem Parteilosen Joe Lieberman. Ihre Kooperation erzwingt Kompromisse, verringert aber das Risiko einer Blockade im Senat.
Doch nun fordern die Gegner der Neu-Orientierung, man müsse zunächst die genauen Ursachen des Unglücks untersuchen, bevor man über den neuen Entwurf beraten könne. Das Gesetz lege schließlich auch die Zukunft der Offshore-Ölförderung fest.
So zeigt die Ölpest erneut einen Grundunterschied zwischen den USA und Deutschland. In Amerika wird die Energiewende nicht "von oben" kommen. Die politische Klasse in Washington und speziell der Kongress wirken vielmehr als hinderliche Beharrungskräfte.
Dabei ist die Energiewende längst im Gange. Wer sichtbare Belege sucht, darf freilich nicht auf Washington starren. Der Wandel vollzieht sich "von unten", fernab der Hauptstadt. Treibende Kräfte sind einzelne Bundesstaaten, die Wirtschaft und vielerorts die Bürger.
Zum Beispiel Massachusetts: Dort wurde gerade der erste Offshore-Windpark der USA eröffnet. Manche Anwohner protestierten anfangs, die Riesen mit den sich drehenden Armen verschandelten die berühmte Küste rund um Cape Cod. Nun jedoch fördert der Ölunfall im Golf von Mexiko die Akzeptanz. Immer mehr Amerikaner sagen, der ästhetische Einwand gegen die Windräder sei das geringere Übel.
Zum Beispiel Denver, Colorado. 2004 war Colorado der erste Bundesstaat, der per Volksabstimmung einen Mindestanteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung vorschrieb, zunächst 10 Prozent ab 2015. 2007 erhöhte das Regionalparlament die Quote auf 30 Prozent ab 2020. Xcel, der Hauptstromanbieter, war 2004 noch dagegen, inzwischen unterstützt Xcel das Umdenken und investiert, wie Sprecher Tom Henley in einem Vorzeigehaus erläutert, in ein "smart grid": ein interaktives Stromnetz, das in naher Zukunft Geräte automatisch zu der Tages- oder Nachtzeit einschalten kann, wenn der Strom am billigsten ist. Heute machen 30 der 50 Bundesstaaten Vorgaben für den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix.
Der Gouverneur von Colorado, Bill Ritter, und der Bürgermeister von Denver, John Hickenlooper, möchten die Region zum Zentrum für Windenergie machen – genauer: wieder machen. Sie war schon mal der Nabel der Windenergie- und der Solarzellenforschung. 1978 ließ Präsident Jimmy Carter hier NREL gründen, das National Renewable Energy Laboratory. Auch damals hatten Öl-Schlagzeilen eine öffentliche Verunsicherung ausgelöst – der Ölpreisschock der 1970er Jahre.
Majestätisch erheben sich westlich der Stadt die bis zu 4400 Meter hohen Gipfel der Rocky Mountains in den Himmel. Sie sind der Grund, warum NREL hierher kam. Und warum große Windenergiekonzerne aus Europa wie Siemens und Vestas Forschungslabors und Fertigungsstätten in der Gegend ansiedeln. Denvers Vororte Golden und Boulder liegen im "Windtunnel", der sich von Kanada entlang der Bergkette über die Dakotas, Minnesota und Colorado bis Texas im Süden zieht. Der Jetstream macht die Region zum idealen Standort, um das Design der Rotorenblätter und die Technik weiterzuentwickeln und unter extremen Bedingungen zu testen. Der Düseneffekt des El Dorado Canyon, der sich wie eine Zahnlücke zwischen den Gipfeln ausnimmt, erzeugt Windgeschwindigkeiten von über 160 km/h.
Denver liegt zugleich südlich genug, um auch für die Solarindustrie attraktiv zu sein. Abound Solar produziert hier seit 2009 eine neue Generation besonders dünner Solarzellen; die deutsche Firma Wirsol Solar hat sich als Zulieferer angesiedelt.
Siemens-Manager Jan Kjaersgaard und Vestas-Kollege Kevin Cory nennen drei Gründe für die Großinvestition: das "Naturlabor" mit sehr unterschiedlichen Wetterlagen im Verlauf des Jahres; die Forschungskooperation mit NREL; und den ständig wachsenden Markt für Windräder in den USA.
2004 ist Siemens in das Geschäft mit dem Wind eingestiegen, in Dänemark, das die Führungsposition in Europa hatte. Seither sind die Verkäufe jedes Jahr um 60 Prozent gewachsen. Derzeit hat Siemens unerledigte Bestellungen im Wert von sieben Milliarden Euro in den Auftragsbüchern stehen. Ein Ende des Booms sei nicht abzusehen, sagt Kjaersgaard. Er erwartet, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtmix weltweit von drei Prozent 2008 auf 17 Prozent 2030 steigt – und unter den Erneuerbaren der Anteil der Windenergie von 38 auf 52 Prozent.
Siemens gilt als weltweiter Marktführer für so genannte Offshore-Windräder vor der Küste. Um die Leistung zu erhöhen, werden die Rotorenblätter immer länger – und so wird es zugleich immer wichtiger, das Gewicht und die technische Komplexität zu reduzieren, um den Aufwand für die Fundamente in Grenzen zu halten. 2009 wurde SWT-3.0-DD entwickelt. 101 Meter Rotorendurchmesser, drei Megawatt Leistung. Die Maschine kommt ohne Getriebe für die Kraftübertragung aus, was die Anzahl der Komponenten auf die Hälfte reduziert. 2010 wird bereits der Nachfolger SWT-3.6-120 erprobt: 120 Meter, 3,6 Megawatt Leistung.
Die Zögerlichkeit des US-Kongresses in Sachen Energiegesetz betrachtet der Siemens-Manager mit Unbehagen. Für den Moment helfe das "Stimulus"-Paket, das die Regierung Obama im Februar 2009 als Konjunkturspritze gegen die Wirtschaftskrise beschlossen habe. Ein kleiner Teil der rund 800 Milliarden Dollar ist zur Förderung sauberer Energien bestimmt. Aber der Stimulus läuft 2011 aus. "Für die Zeit danach brauchen wir ein klares politisches Signal, dass erneuerbare Energien dauerhaft gewünscht sind." Europa mache langfristigere Vorgaben und habe so "den langfristigen Markt für Windkraft etabliert und Jobs gewonnen". Die USA müssen da nachholen. Ihre wechselhafte Förderpolitik gilt als Ursache, dass Amerika die Führungsposition in der Windenergie, die es in den 80er Jahren innehatte, im neuen Jahrtausend an Dänemark und Deutschland verlor. "Für solche Investitionen braucht die Industrie eine langfristige Politik. Die gab es in Europa, nicht in den USA."
Das heißt freilich nicht, dass die Jobs in Europa bleiben, weil es die Welt mit Export-Windrädern beliefert kann. In jüngsten Jahren verlagern Siemens, Vestas und ihre Konkurrenten Teile der Produktion in die strategischen Märkte der Zukunft, voran China und die USA. Das spart Transportkosten beim Aufbau der Anlagen und schützt vor Währungsrisiken. 2008 haben die USA Deutschland bei der Stromerzeugung aus Windkraft überholt und sich weltweit auf Platz 1 gesetzt.
Es fällt auf, wie sehr sich Tonlage und Begründung beim Gespräch über erneuerbare Energien in Denver und anderswo in den USA von Deutschland unterscheiden. Ob Politik- und Wirtschaftsvertreter oder Bürger: Die Sorge um Klima und Umwelt wird selten genannt. Stets dagegen das Ziel, als Vorreiter in einer Zukunftsindustrie Arbeitsplätze anzusiedeln.
"Wir sind keine Grünen", betont Chris Shapard von der Colorado Cleantech Industry Association, "sondern eine Industrielobby für saubere Energie." Tom Clark von der Wirtschaftsförderung im Großraum Denver schwärmt von einer "New Energy Economy", die den Einbruch durch die Wirtschaftskrise wett mache und binnen weniger Jahre 17.000 neue Jobs schaffe. 2006 hatte Siemens 60 Mitarbeiter in den USA, 2009 waren es 835. 2010 wird wohl die Zahl 1500 überschritten. Vestas hat 2000 Angestellte in Amerika, etwa ein Zehntel der weltweit Beschäftigten. 2011 werden es 4000 sein.
Daneben geht es um Gewinnaussichten. Der Vergleich legt nahe, dass Amerika für seine Energiewende weniger staatliche Subventionen ausreicht als Deutschland und dass auch die Verbraucher weniger zur Kasse gebeten werden. Etwas über zehn US-Cents zahlen die Bürger in Colorado für eine Kilowattstunde aus erneuerbarer Energie – und dennoch machen Siemens, Vestas und Xcel gute Geschäfte. In Deutschland zahlt der Endverbraucher im Schnitt über 20 Euro-Cent pro Kilowattstunde; der staatlich garantierte Einspeisepreis für private Erzeuger von Solarstrom kann über 40 Euro-Cent betragen.
Präsident Obama ist mit dem erklärten Ziel angetreten, die USA zur Führungsmacht bei erneuerbaren Energien zu machen. Beim einen Teil seiner Strategie, nationale gesetzliche Vorgaben durch den Kongress, hat er bisher wenig Erfolg. Bobi Garrett und Casey Porto, zwei weibliche Führungskräfte bei NREL, nennen es "die Peitsche". Dagegen zeige "das Zuckerbrot" Wirkung, die vermehrten staatlichen Forschungsgelder und die Förderung der Investitionen in erneuerbare Energien.
Den Auftrag, Häuser und Autos zu entwickeln, die weniger Energie verbrauchen, hatten sie schon unter Bush, sagen sie. Obama mache mehr Druck, damit sich Forschungsergebnisse möglichst rasch im Wirtschaftsalltag niederschlagen. Sie haben keine grundsätzliche Präferenz, ob der Ansatz "von oben" oder "von unten" besser sei. Was in der Praxis hilft, ist willkommen. Hauptsache, die Energiewende gelingt.
(Erschienen im Tagesspiegel)
- Datum 16.05.2010 - 14:08 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Die Argumentation, in Amerika fände der Wandel von unten statt, während er in Deutschland nur von oben verordnet sei, kann ich nicht ganz nachvollziehen.
Das in Deutschland inzwischen in allen Parteien verankerte Mindestmaß ökologischer Vernunft ist nicht zuletzt auch zahlreichen Bürgerinitiativen zu verdanken, die sich über Jahrzehnte für diesen Wandel eingesetzt haben, bevor sich in der Politik irgendetwas getan hat. Des weiteren möchte ich bezweifeln, ob sich der American way of life neuerdings weniger energiedurstig gestaltet, es also einen fundamentalen Wechsel von unten gibt.
In beiden Ländern gibt es allerdings sicherlich Elemente des Wandels von unten wie von oben, sowie eine interessante Wechselwirkung zwischen diesen Einflüssen. Interessanter wäre es, zu berichten, in welcher Weise einflussreiche Lobbys verhindern, dass ein schnellerer ökologischer Wandel politisch umgesetzt wird - und zwar auf beiden Seiten des Atlantiks.
Es leben 4% der Weltbevölkerung in den USA,die USA verfügen über mittlerweile nur noch über 2% der Erdölreserven ,verbrauchen aber 25%
des zur zeit geförderten Erdöls.Die USA müssen die Vorreiter Rolle in
Richtung erneuerbare Energien übernehmen.In fast allen nicht OPEC Ländern ist die Förderung von Erdöl rückläufig.
An dieser Stelle sei auf die Dokumentation"The OIL Crash"hingewiesen.
http://www.oilcrashmovie.... Geologen Netzwerk,hier der deutsche Zweig
ASPO Deutschland
http://www.energiekrise.de/
von der Energieerzeugung. Legt sich ein Erdhaus zu. Als Energieversorgung, Fotovoltaik und Windgenerator. Speichert die Energie. Heizen und Warmwasser mit Wärmepumpe. Durch die steigenden Lebenshaltungskosten lohnen sich die mehr kosten! Vielleicht noch ein Garten auf dem Treibhäuser stehen. Er ist dann auf die meisten Krisen vorbereitet!
... macht die Region zum idealen Standort, um das Design der Rotorenblätter und die Technik weiterzuentwickeln und unter extremen Bedingungen zu testen."
Wohl kaum. Dazu muesste man selbst in der "mile high city" erst mal ein mehrere Kilometer hohes Windrad bauen.
Ein verantwortungsvoller, intelligenter und logisch denkender Mensch kann aus solchen Katastrophen eigentlich nur eine einzige Konsequenz ziehen: auf das Auto zu verzichten. Aber die Sucht nach Benzin und die Bequemlichkeit ist bei fast allen Menschen einfach größer. Wie beim Rauchen. Oder beim Alkohol. Kein Unterschied. Ich frage mich wann endlich das Nichtautofahrerschutzgesetz kommt und Autofahrer für die Schäden die sie täglich anrichten zur Verantwortung gezogen werden?
Ich glaube jeder naturwissenschaftlich gebildete, moderne Mensch weiß,dass die CO2-Hysterie die größte Ente der Neuzeit ist! Damit wird den gigantischen Fehlinvestitionen in sogenannte "Erneuerbare Energien" die Grundlage entzogen! Diese Fehlinvestitionen führen, insbesondere in Deutschland, zu einem spektakulären Absinken der Arbeitsproduktivität. Dies Mittel fehlen bei Zukunftsinvestitionen für Bildung und die alternde Gesellschaft!
Das Wind- und Solarkonzerne bei Kürzung der Subventionen jammern, macht die Sache nur noch schlimmer. Denn es zeigt, dass auch hier durch künstliche politische Anreize, Geld in die Falschen Produkte investiert wurde!
Zum Wirkungsgrad dieser Fehlinvestitionen nur so viel! Dänemark produziert theoretisch 20% seines Stromes mittels Windkraft, konnte aber bisher noch kein einziges konventionelles Kraftwerk abschalten! Das heißt für jede KWh Windenergie muß eine KWh konventionelle Energie vorgehalten werden. Unsere Energiewirtschaft hat also nichts mehr mit Realwirtschaft zu tun! Reine Ideologie bestimmt hier, wie einst in der DDR, die Energiepolitik! Angetrieben von einem Juristen der seine umweltromantischen Vorstellungen im Umweltministerium auslebt und von unserer Klimakanzlerin, die sich gern als Weltenretterin feiern lässt! Das alles auf Kosten unserer Zukunft!
Wenn Sie glauben, dass die CO2-Theorie falsch ist, so müssen Sie als klassischer Naturwissenschaftler ein Experiment zur Wiederlegung der Theorie vorschlagen und eine modifizierte bzw. neue die Wirklichkeit abbildende Hypothese postulieren. Wenn diese von einer renomierten Fachzeitschrift anerkannt ist, sagen Sie mir bitte bescheid.
"Ich glaube jeder naturwissenschaftlich gebildete, moderne Mensch weiß,dass die CO2-Hysterie die größte Ente der Neuzeit ist!"
Das kann ich als promovierter Physiker so nicht bestätigen. Wo haben _Sie_ ihre naturwissenschaftliche Bildung her?
Wenn Sie glauben, dass die CO2-Theorie falsch ist, so müssen Sie als klassischer Naturwissenschaftler ein Experiment zur Wiederlegung der Theorie vorschlagen und eine modifizierte bzw. neue die Wirklichkeit abbildende Hypothese postulieren. Wenn diese von einer renomierten Fachzeitschrift anerkannt ist, sagen Sie mir bitte bescheid.
"Ich glaube jeder naturwissenschaftlich gebildete, moderne Mensch weiß,dass die CO2-Hysterie die größte Ente der Neuzeit ist!"
Das kann ich als promovierter Physiker so nicht bestätigen. Wo haben _Sie_ ihre naturwissenschaftliche Bildung her?
Wenn Sie glauben, dass die CO2-Theorie falsch ist, so müssen Sie als klassischer Naturwissenschaftler ein Experiment zur Wiederlegung der Theorie vorschlagen und eine modifizierte bzw. neue die Wirklichkeit abbildende Hypothese postulieren. Wenn diese von einer renomierten Fachzeitschrift anerkannt ist, sagen Sie mir bitte bescheid.
"Ich glaube jeder naturwissenschaftlich gebildete, moderne Mensch weiß,dass die CO2-Hysterie die größte Ente der Neuzeit ist!"
Das kann ich als promovierter Physiker so nicht bestätigen. Wo haben _Sie_ ihre naturwissenschaftliche Bildung her?
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