Golf von Mexiko : "Ixtoc I" – was uns die Ölpest von 1979 lehrt

Vor 30 Jahren verseuchte eine noch größere Ölkatastrophe den Golf von Mexiko. Die Natur erholte sich rasch. Ist das ein Grund zur Hoffnung?
Ixtoc I sprudelte 297 Tage. Das Gas verbrannte vor Ort

Der folgende Beitrag des Bloggers und Wissenschaftsjournalisten Lars Fischer ist in ähnlicher Form in dessen fischblog erschienen. Fischer hat die Umweltfolgen des Ixtcoc-I-Unglücks von 1979 recherchiert und zieht Parallelen zur Ölpest nach der Havarie der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko Ende April. Dies ist seine Einschätzung.

Rückblende ins Jahr 1979: Seit Dezember des Vorjahres bohrt die staatliche mexikanische Ölgesellschaft Pemex vor der Stadt Campeche in Yucatan in etwa 50 Metern Wassertiefe nach Öl. Diese Ixtoc I genannte Bohrung hatte bis zum 2. Juni eine Tiefe von 3600 Metern erreicht, als plötzlich der Bohrschlamm im umliegenden Gestein verschwindet. Die Arbeiter zogen den Bohrstrang aus dem Loch, um den möglichen Hohlraum mit Zement zu füllen. 

Es kommt zur Katastrophe – zuerst schießt Bohrschlamm, dann Öl und Gas den Arbeitern entgegen. Nach einer gewaltigen Explosion sinkt die Bohrinsel. 297 Tage lang strömt Öl aus dem Loch am Meeresgrund, insgesamt geschätzte 3,3 Millionen Barrel. Das ist etwa vier mal so viel wie bis jetzt aus dem Leck unter der havarierten Plattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko geflossen ist, wenn man die moderaten Schätzungen der US-Regierung zugrunde legt.

Deepwater Horizon ist also nicht das erste monatelang sprudelnde Unterwasser-Loch – und auch, was die ausgelaufene Menge angeht, nicht beispiellos. Noch nicht. Das mag angesichts des Ausmaßes der Ölpest verblüffen. Das historische Beispiel Ixtoc I lässt zudem auf Parallelen zur heutigen Situation schließen.

Das 1979 am Meeresgrund austretende Öl formte an der Wasseroberfläche einen ein bis vier Zentimeter dicken Teppich. Etwa 10.000 Tonnen oder fünf Prozent der Gesamtmenge konnten die Rettungskräfte deswegen direkt abschöpfen. Das Ixtoc-Öl war, wie das der Deepwater Horizon, verhältnismäßig leicht, mit einem großen Anteil flüchtiger Substanzen, die in den Tagen nach dem Erreichen der Oberfläche langsam verdunsteten.

Etwa die Hälfte des 1979 ausgelaufenen Öls, schätzen Wissenschaftler, hat sich so im Laufe der Zeit in die Luft abgesetzt oder wurde chemisch und biologisch abgebaut. Es hätte sogar noch mehr sein können, allerdings verhinderte das Öl-Wasser-Gemisch eine weitere Verdampfung. Durch die Verwitterung des Öls an der Luft verschwinden vor allem die giftigsten Bestandteile aus dem Öl, sodass die zurückbleibende Masse im Laufe der Zeit harmloser wird.

Was das an der Oberfläche schwimmende Öl der Deepwater-Horizon-Quelle betrifft, wird ein Großteil der Gesamtmenge auf dem offenen Meer verwittern. Es wird zu Boden sinken, ohne jemals auf Land gestoßen zu sein. Etwa ein Viertel des aus der Ixtoc-Quelle ausgelaufenen Öls erreichte nie die Küste. Es wurde von den Wellen in kleine Tropfen und Fetzen zerschlagen, an die sich organische Partikel anlagerten und es noch schwerer machten. Die kleinsten Partikel wurden von Plankton und anderem Meeresleben gefressen und wieder ausgeschieden. Das Öl sank dann irgendwann auf den Meeresgrund.

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13 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Natur erholt sich?

Wenn das Öl, das sich im Wasser befindet, dort abgebaut werden soll, muss es von den Organismen abgebaut werden, die dort vorhanden sind. Zwar wird in einem ZEIT-Artikel auf die Möglichkeit eines anaeroben Abbaus hingewiesen, aber erstens bleibt die Frage, wie hoch der Anteil der anaerob abbauenden Organismen ist. Zweitens wird in weniger tiefen Schichten aerob abgebaut werden. In letzterem Fall kommt es aber zu einem Verbrauch an Sauerstoff (egal, ob für die ursprünglichen Kohlenwasserstoffe oder für Metaboliten), so dass das Problem eines induzierten Sauerstoffmangels viel entscheidender werden kann als die akute oder Langzeittoxizität der Ölinhaltsstoffe. Für Öl wird übrigens eine Toxizitätsgrenze von 11 ppm angegeben, für Corexit um 2-3 ppm.

Mir ist nicht bekannt, wie die bisweilen sauerstoffarme (Tiefsee-)Region im Golf von Mexiko belüftet wird. Denkbar wäre, dass es lokal zu einem vertikalen Abschluss und einer horizontalen Barriere kommt, da das Öl im und nicht auf dem Wasser treibt. Dann hat man Todeszonen.

Wenn außerdem Öl anlandet, ist zu erwarten, dass leicht- bis mittelflüchtige Komponenten ebenfalls in Richtung Küste gelangen - das bedeutet, dass es trotz mechanischer Immobilisierung von Ölschlamm trotzdem zu einer Vergiftung in Küstennähe kommen kann.

Zitat:"...geschätzte 3,3 Millionen Barrel"- in 297 Tagen! "Das ist etwa vier mal so viel wie bis jetzt aus dem Leck..." Das Öl fließt aber immer noch.

Widerspruch in sich?

"Das Ixtoc-Öl war, wie das der Deepwater Horizon, verhältnismäßig leicht"

"Das gilt auch für die anderen Bestandteile des Öls, die dort unten in den von den Wissenschaftlern entdeckten gigantischen Ölwolken herumschwimmen"

???

Wenn es in der Wassersäule herumgammelt, anstelle oben zu treiben, muss die Dichte der von Wasser gleichen. Und das ist für Öl ziemlich viel.

Öl kann sogar auf natürliche Weise austreten

Unterseeforscher entdeckten schon vor einiger Zeit, dass ein mehrere hundert Kilometer großer Teil des Meeresbodens im Golf von Mexiko durch eine über 100 Meter dicke Teer-Asphaltschicht buchstäblich asphaltiert ist. Man geht davon aus, dass hier in prähistorischer Zeit ein Austritt von Öl durch ein Erdbeben ausgelöst wurde.