Erdölförderung Wie groß ist die Gefahr einer Ölpest in der Nordsee?
Pannen auf der norwegischen Bohrinsel "Gullfaks C" erschüttern das Vertrauen in die Ölförderung. Sicherheitsbedenken werden ignoriert, Mängel in Kauf genommen.
© Øyvind Hagen / Statoil

Die norwegische Ölplattform "Gullfaks C"
Mit ihren vier Stelzenbeinen aus Stahl und Beton steht die norwegische Bohrinsel Gullfaks C in der Nordsee, die an dieser Stelle rund 200 Meter tief ist. Zuletzt förderte die gewaltige, gut 170 Kilometer vom Festland entfernte Anlage bis zu 180.000 Barrel Öl aus einem Reservoir tief unter dem Meeresgrund. Doch seit dem 19. Mai stehen die Bohrer still. Nach einem plötzlichen Druckverlust im Bohrloch aktivierte die Crew den sogenannten Blowout-Preventer. Als tags darauf eines der Sicherheitsventile versagte und Gas austrat, wurden 89 Arbeiter vorsorglich von der Plattform geholt.
Die verbliebene Besatzung hat seither abertausende Tonnen Schlamm und Zement in die Tiefe gepumpt, um die Zapfstelle unter Gullfaks C zu versiegeln. Das sei am vergangenen Montag schließlich gelungen, sagt Gisle Johanson. Der Sprecher des Betreibers Statoil betont, dass man stets Herr der Lage gewesen sei. "Die Systeme haben funktioniert. Wir haben alles richtig gemacht."

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Doch das dritte Gasleck im Bohrloch in nur sechs Monaten hat das Vertrauen in den staatlichen Energieriesen, der allein in der Nordsee 29 Förderanlagen betreibt, schwer erschüttert. "Nur mit viel Glück sind wir Norweger bislang von einer verheerenden Ölpest verschont geblieben", sagt Frederic Hauge, Gründer der einflussreichen Umweltorganisation Bellona. "Wie die meisten Spieler der Branche ist auch Statoil extrem auf die Kosten und auf straffe Zeitpläne fixiert. Arbeiter werden unter Druck gesetzt, Beanstandungen der Aufsichtsbehörden werden ignoriert, Leckagen nimmt man in Kauf." Eine Havarie wie auf der Deepwater Horizon im Golf von Mexiko sei auch auf norwegischen Installationen jederzeit möglich, warnt der Umweltschützer. Mit seinem geplanten Vorstoß in die Tiefsee gehe der hoch profitable Staatskonzern unkalkulierbare Risiken ein.
Zwar gelten in Norwegen weit strengere Grenzwerte und Auflagen als in den meisten anderen Förderländern. Von Havarien blieb man dennoch nicht verschont: Im April 1977 führte Materialermüdung an einem Sicherheitsventil der Bohrplattform Bravo zum gefürchteten Blowout. Dabei dringen große Mengen an Gas, Öl und Schlamm unkontrollierbar in das Bohrloch ein. Durch das Steigrohr strömt das brennbare Gemisch an die Oberfläche. Bis man die Zapfstelle unter Bravo abdichten konnte, liefen 9000 Tonnen Öl ins Meer.
Im November 2004 wurde in aller Hast die Förderplattform Snorre A geräumt. Diesmal traten gewaltige Mengen Erdgas aus einem von 44 Bohrlöchern aus. Zum Glück entzündete sich das vom Meeresgrund aufsteigende Gas nicht. Snorre A war der bislang gefährlichste Zwischenfall in der Nordsee, bestätigt Ole-Johan Faret, Sprecher der zuständigen Aufsichtsbehörde Petroleumstilsynet. "Die Crew hatte die Kontrolle über das Bohrloch verloren." In ihrem Untersuchungsbericht rügt Petroleumstilsynet eine Reihe von eklatanten Verstößen gegen Sicherheitsvorschriften: das Bohrprojekt war schlecht geplant, Szenarien für den Unglücksfall gab es nicht, Sicherheitsventile wurden ausgetauscht, das verantwortliche Führungspersonal glänzte durch Abwesenheit.
An jeder fünften der rund 2000 Zapfstellen auf dem Kontinentalsockel stellte die Behörde Mängel durch Materialermüdung und problematische Druckverhältnisse fest. Gleichwohl rühmt Faret das hohe Sicherheitsbewusstsein der Norweger. "Industrie, Behörden und Gewerkschaften arbeiten eng zusammen."
- Datum 05.06.2010 - 14:16 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Die Betreiber werden eingestehen müssen, dass die Unterschiede in der Konstruktion der Borinseln nicht so groß sein kann, dass ein mit dem Golf von Mexiko vergleichbarer Unfall in den Gewässern um Europa nicht jederzeit zu einer unkontrollierbaren Katastrophe werden kann.
Das rücksichtslose Spiel mit derart existentiellen Gefahren kann jedem, der sich von einem momentan schwindelerregenden Reichtum und einer ständig wachsenden Abhängigkeit nicht von den inzwischen sichtbaren Risiken ablenken lässt, nur klate Schauer über den Rücken laufen lassen.
Die europäische Gemeinschsaft ereifert sich über das Regeln eines nicht mehr regulierbaren Finanzsystems während unter der Meeresoberfläche unzählige Bomben ticken.
Wer kann garantieren, dass sich ein vergleichbarer Unfall ausschließt?
Wer will uns glauben machen, dass eine radiokaktive Verstrahlung für Jahrhunderte ein vernachlässigbares Risiko sein soll.
Wer Menschen für dumm verkaufen will, sollte sich vorsehen. Wer mit existentiellen Rechten würfelt, kann sich mehr einhandeln als nur zu verlieren.
.. kann es durchaus geben. Je nach Typ der Bohrinsel oder des Bohschiffes (...), sowie des Untergrundes. Ich denke 1:1 vergleichen lässt sich die Architektur nicht, auch wenn sie jeweils das gleiche erreicht. Fakt ist aber und da gebe ich ihnen recht, die Gefahr, dass wir hier ebenfalls einer Katastrophe aufsitzen, scheint gewaltig.
Menschen für Dumm verkaufen, dass schaffen Politiker und Wirtschaftsgrößen doch jeden Tag..
… wie Russisches Roulette
Ein in unserer Gesellschaft "gesunder" Mensch hat in der Regel eine verzerrte Sicht in Richtung positiv, d.h. man glaubt meist: alles wird gut - Unheil trifft immer nur die anderen, aber mich nicht. Außerdem kann ich dann schon entsprechend eingreifen
Fakt ist: Menschen überschätzen sich und unterschätzen die Realität.
Warum also nicht weiter Geld mit Öl verdienen, wenn's uns schon nicht trifft? Es trifft immer die anderen. Und wenn, kriegen wir das schon unter Kontrolle.
Der Mensch versteht nicht, dass der andere, den es getroffen hat, genau so gedacht hat.
Der andere ist man immer selbst.
Was sind das nur alles für Menschen die so etwas verantworten wollen.
Ich stelle mir immer schlecht ausgebildete Nicht-Techniker und Nicht-Wissenschaftler vor, die irgendwelche super aufgemachten PowerPoint Folien präsentieren - natürlich auf diese eingeübte, manipulative Art und Weise präsentieren, wie man es bei den gängigen Managementkursen zu Rhethorik und Körpersprache usw. usf.
Zahlen im Kopf von Zielvorgaben, Gewinnerwartungen und selbstverständlich bis obenhin gefüttert mit Wirtschaftswissen, Begriffe, wie Liquidität, Kreditwürdigkeit, Gewinn, Gewinnoptimierung, Cash-Flow, Geld, Geld, Geld und nochmals Geld. Nach mir die Sintflut.
Worte wie Risiko, Umwelt und Naturbewusstsein, Nachhaltigkeit und moralische Bedenken scheinen gar nicht vorhanden.
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