Thad Allen, Einsatzchef der US-Regierung im Kampf gegen die Ölpest, dämpfte die Freude über eine Mitteilung, der Ölkonzern BP fange mittlerweile fast 1600 Tonnen Öl pro Tag ab , bevor es ins Meer gelangen kann. "Wir machen Fortschritte, aber niemand sollte zufrieden sein, solange da noch Öl im Wasser ist."

Die gröbsten Umweltschäden zu beseitigen werde bis "weit in den Herbst" dauern, sagte der Admiral der Küstenwache. Und das auch nur, wenn es dem BP-Konzern tatsächlich bis August gelinge, die außer Kontrolle geratene Ölquelle komplett zu verschließen.

Das Öl als "heimtückischer Feind" für die Strände, das Marschland und die Tierwelt sei "ein sehr, sehr, sehr großes Problem", sagte er. Allen sprach von einem "heimtückischen Krieg": Nach seinen Worten "attackiert" das Öl "Schritt für Schritt" vier Bundesstaaten.

BP hatte jüngst einen trichterartigen Deckel auf das defekte Rohr in 1500 Meter Tiefe gestülpt. Seitdem lässt sich das Öl teilweise auf ein Schiff pumpen. Täglich mehr als 1500 Tonnen fange man bereits auf, sagte BP-Chef Tony Hayward. Offiziell bestätigt ist das nicht. Schätzungen, wie viel Öl tatsächlich aus dem Leck rund 70 Kilometer vor der Küste Louisianas kommt, liegen zwischen 1600 und 3400 Tonnen täglich.

Auch US-Präsident Barack Obama warnte vor großen Hoffnungen auf ein schnelles Ende der größten Ölkatastrophe in der Geschichte des Landes. Die Folgen würden lange nachwirken. "Wir sind auf das Schlimmste vorbereitet", sagte er in seiner wöchentlichen Radio- und Internetansprache. "Uns stehen noch massive Aufräumarbeiten bevor."

Das Öl verteilt sich laut Allen fleckenartig in einem Radius von mehr als 300 Kilometern auf dem Wasser, wodurch die Eindämmung deutlich erschwert werde. "Es sind buchstäblich Hunderte und Tausende kleiner Teppiche", sagte er.

Die Ölpest überzog zunehmend auch die Küsten in vier Bundesstaaten. Viele Tiere leiden, weil das Öl ihren Lebensraum zerstört . Mehr als 20.000 Helfer sind im Einsatz, darunter mehr als 17.000 Soldaten der Nationalgarde. Hunderte Arbeitslose seien für die Reinigung der Küsten eingestellt, 4500 sollen es werden, teilte der Einsatzstab mit. Kanada stellte dem Nachbarland drei Kilometer Ölsperren zur Verfügung.

Um den Ölfluss weitgehend zu stoppen, wollen BP-Techniker den Auffangbehälter nun komplett verschließen. Zuletzt standen noch alle vier Ventile an der Vorrichtung offen. Würde man diese schließen, trete zwar weniger Öl ins Meer aus, sagte Allen. Allerdings steige der Druck in dem Behälter dann so stark, dass er abreißen könnte.

Wegen dieses Risikos will sich BP nicht allein auf die derzeit angewandte Methode verlassen. Der Konzern bereite ein weiteres System vor, sagte Hayward. Bis Ende des Monats soll ein neuer Deckel auf der sprudelnden Quelle sitzen, der schwerer sei und das Leck besser abdichte. Im Gegensatz zum jetzigen System soll das neue auch hurrikansicher sein.

Wirklich zum Stillstand gebracht werden kann der Ölfluss aber laut BP erst im August, wenn zwei Entlastungsbohrungen zum Grund der Quelle vier Kilometer unter dem Meeresboden abgeschlossen sind. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten.