Ölpest vor US-Küsten Amerika verdrängt wahres Ausmaß der Ölpest
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Weiße Holzkreuze für Thunfisch, Möwe, Delphin – und das Grillen am Strand

Wie man das Land schützt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Der Krisenstab des Präsidenten folgt nur zögerlich der Forderung nach künstlichen Schutzinseln aus Sand. Aber dann platzt in Jindals Ausführungen an diesem Tag die Nachricht hinein, fünf solcher Projekte seien genehmigt. Er ist mitten in einer Strafpredigt gegen "unsere Regierung, die nichts tut und neue Ausreden erfindet". Nun dankt er Obama, dass er "endlich auf uns hört". Meeresbiologe Vanheerden hält den Plan für Aktionismus. Sinnvoller sei es, die natürlichen "Barrier Islands" langfristig wiederherzustellen. Alles Aufgeschüttete werde der nächste Sturm wegschwemmen.

Kein Lokalpolitiker möchte die Energiepolitik ändern, die Ölabhängigkeit verringern. Billy Nungesser, Chef des Bezirks Plaquemines, zu dem Venice gehört, sagt: "Bloß keine voreiligen Schlüsse ziehen!" Die Stimme des korpulenten Mannes ist heiser von den vielen Interviews. "Fischerei und Ölfirmen leben gut zusammen", krächzt er. Jede Familie bezieht Einkommen aus beiden Bereichen.

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Aber jetzt stehen in den Vorgärten handgemalte Schilder. "BP + Obama nehmen uns die Arbeit." Patrick Shay, Besitzer eines Seafood-Restaurants, hat einen Friedhof am Straßenrand errichtet: 18 Reihen weißer Holzkreuze mit Aufschriften wie Schwarzflossenthunfisch, Möwe, Delphin, Grillen am Strand, Sandburgen, Sommerfreuden, Schnorcheln.

Am 1. Juni hat die Hurrikansaison begonnen. Meteorologen sagen ungewohnt viele Wirbelstürme voraus. Noch liegen einige Kilometer zwischen dem großen Ölteppich und der Küste. Wenn ein Hurrikan das braune Gift in die Marschen drückt, die als Nährboden der Krabben dienen und das Hinterland vor Sturm und Erosion schützen – es wäre wohl das Todesurteil für das Ökosystem. Und für das, was den Menschen im Delta am wertvollsten ist: ihre Lebensart.

 
Leser-Kommentare
  1. Solange Wall Street und der Kongress nicht unter der zaehen Masse versinken, wird sich auch nichts aendern.
    Ende der Siebziger hatte jede Familie am Strand in der Bucht von Neapel eine Flasche mit Benzin dabei. Wenn man mit Oelschmier an den Fuessen aus dem verdreckten Meer kam, wusch man sich mit in Benzin getauchtem WC-Papier ab, das man danach in die Landschaft schmiss...

  2. Eine Reportage, welche guten Einblick gibt in die Verhältnisse vor Ort dort am Golf von Mexiko. Allerdings hat sich in allen Medienberichten eine Diktion eingeschlichen, die man vielleicht als Erwartungshaltung kennzeichnen könne, nunmehr irgendein emotionales Entsetzen oder so zu zeigen. Geboten wäre Sachlichkeit und die Entwicklung oder Beibehaltung guter Sitten, z.B. einer solchen, dass bei der Wahl zwischen einer teuren aber sicheren technischen Maßnahme diese auch dann gewählt wird, wenn es eine billige unsichere gibt. Die Menschen befinden sich auf dem Wege des technischen Fortschrittes und der Entwicklung - wer dies nicht so sieht, möge ein Konzept von Rückentwicklung vorstellen, welches auch belastbar ist. Wer ständig Mitleid mit der betroffenen Tierwelt erzeugen will, der sollte dieses auch in vielen anderen Tierschutzbereichen anmelden. So sollte als Lehre aus dieser Katastrophe vielleicht die Kenntnis gezogen werden, dass an Sicherheit nicht gespart werden darf und BP-Gelder am besten für die Forschung eingesetzt wären.

  3. Den Mann sollte man nicht einfach so erwähnen, als würde er noch an der LSU arbeiten. Meines Wissens war er arbeitslos, also ein ehemaliger Prof an LSU. Er war einer der größten Mahner vor Orkane, hat 2004 ein Modell für einen direkten Treffer auf New Orleans erstellt, in dem quasi Katrina vorhergesagt wurde, und bekam dann 2009 die Kündigung.

    http://www.nola.com/hurri...

    • jeises
    • 06.06.2010 um 10:54 Uhr

    Ist eigentlich schon jemand dahinter gekommen, daß das Meer nicht nur eine Oberfläche und eine Küste hat?

    Die Verseuchung findet IM Ozean statt-doch wird nur über das debattiert, was man sehen kann. Welche Auswirkungen diese Ölmenge auf die Meere hat, werden erst unsere Kinder erfahren.
    Wann ist den solch eine Quelle leer gelaufen???

  4. Denn sonst würden sie ja unweigerlich zugeben, dass ihre angeblich einzig richtige Lebensweise in Wirklichkeit die zerstörerischste auf diesem Globus ist.
    Ich hoffe, dass wenigsten ein Teil der Deutschen, die der US-Amerikaner ergebenste Nachahmer sind, begreifen, auf was für einem katastrophalen Irrweg sie hinterhertrotteln.

    • bediko
    • 06.06.2010 um 12:03 Uhr

    Als Naturwissenschaftler glaube ich nicht an Strafe, Gerechtigkeit und das Obwalten überirdischer Mächte. Aber es passte wunderbar! Der Super-Schweineigel wird exemplarisch bestraft so dass man ihn schon bedauern möchte. - Vielleicht wird man im Abstand dieses Ereignis erkennen können als Zeitpunkt des Anfangs der Umbesinnung? Schön wäre es!

  5. Wer sich im 21. Jahrhundert immer noch darauf konzentriert veraltete Formen der Energieerzeugung am Leben zu erhalten, nur damit die Führer mancher Konzerne reich, mächtig und einflussreich sein können, der hat es nicht besser verdient. Jedem das Schicksal auf das er hin arbeitet.

    Ein Problem könnte auch sein, dass Konzerne wie BP nicht nur einen viel zu großen Einfluss in der Politik spielen, sondern auch dass sie Lügenmarketing betreiben dürfen. Es gibt weltweit kaum Gesetze die irreführende Werbung mit Strafen ahnden die einen Konzern an den Rand des Bankrotts bringen - obwohl das längst überfällig ist. Die Schäden durch Lügenkampagnen werden in einer Welt in der zunehmend komplexere Zusammenhänge vermittelt werden müssen immer verheerender. Wer heutzutage noch behauptet Öl, Kohle oder Atomkraft wären sauber, beherrschbar oder unverzichtbar sollte eigentlich aller Ämter enthoben und wegen Landesverrats angeklagt werden.

    Hier noch ein Hinweis auf einen Film der zeigt wie die Situation global wirklich ist und worauf wir zusteuern wenn die Verantwortlichen (Politiker, AG-Manager,..) nicht endlich ihren Verstand einsetzen, sondern immer nur hinter dem Rücken die Hand aufhalten:
    http://planetgreen.discov...

  6. Einerseits: "Der Versuch, sich dort, wo die Folgen am schlimmsten sein müssten, einen eigenen Eindruck vom Ausmaß der Ölpest zu verschaffen, gleicht der Suche nach einem Phantom." - Andererseits: "Hinweise auf das nahende Unheil sind vielerorts zu sehen." - Was denn nun? Wenn die Auswirkungen so unklar sind, warum sollten die Amerikaner sich dann hysterisieren lassen? "Die Ölpest wird immer bedrohlicher" - aber zu einer tatsächlichen Bedrohung reicht es am Ende wohl doch nicht ganz. Schade für die Medien (einschliesslich Christoph von Marschall), die wenigstens eine Katastrophe in Aussicht stellen wollen, wenn faktisch sich keine so wirklich einstellen will? Was "verdrängen" die Amerikaner eigentlich, wenn kaum Öl an die Strände gelangt? Obama ist doch dabei, BP in Haftung zu nehmen. Läuft doch alles super.

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