Ornithologie Geier polstern ihr Nest mit Wolle
In den Unterlagen zweier verstorbener Hobby-Ornithologen versteckte sich eine interessante Beobachtung: Bulgarische Schmutzgeier weben Schafswolle in ihre Nester ein.
Für einen Aasfresser besitzt der Schmutzgeier ein bemerkenswert weißes Gefieder. Doch das ist nicht das einzig auffällige, das der auch in Südeuropa beheimatete Vogel an den Tag legt: Afrikanische Artgenossen benutzen beispielsweise Steine, um damit die Schale von Straußeneiern zu knacken. Wie Josef Schmutz von der kanadischen Saskatchewan-Universität in Saskatoon nun belegt, ist das aber nicht die einzige Form des Werkzeuggebrauchs die Neophron percnopterus an den Tag legt: Zumindest bulgarische Schmutzgeier sammeln mit Holzstückchen Schafwolle auf, um sie in ihre Nester einzuweben.
Entdeckt hatten dieses Verhalten die beiden bulgarischen Amateurornithologen Nikolai Stefanov und Yva Stoyanova im Vratsagebirge im Nordwesten ihres Landes: Sie beobachteten, wie Schmutzgeier in der Nähe von Gattern warteten, bis Hirten ihre Schafe geschoren hatten. Sobald die Tiere und ihre Hüter den Bereich verlassen hatten, flogen sie heran, um am Boden mit Hilfe von kleinen Zweigen die Wollfäden aufzusammeln. Insgesamt fünf Vögel setzten die Stöckchen wie Rechen ein, mit denen sie die Haare der Säuger aus der Vegetation kämmten.
In einem Fall beobachteten die beiden Bulgaren sogar, wie ein Schmutzgeier durch ein offenes Fenster in eine Scheune glitt, in der zuvor ebenfalls Schafschur stattgefunden hatte. Wenig später tauchte der Vogel wieder auf, platzierte sein Wollbündel auf dem Dach und ging erneut auf Haarfang, bis er genügend zusammen hatte. Dann entsorgte er sein Hilfsmittel und flog mit einem veritablen Wollbündel von dannen. Am Ende polstern die Geier mit dem weichen Material ihre Nester aus Zweigen aus, die sie auf Klippen und in Felsspalten errichten.
Dieses einzigartige Verhalten berichteten Stefanov und Stoyanova dem Journal of Raptor Research, sie starben jedoch bei einem Autounfall, bevor der Artikel erfolgreich durch die Gremien geschleust worden war. Josef Schmutz entdeckte den Schrieb jetzt wieder und überarbeitete ihn mit dem Schmutzgeierexperten José Donázar von der Biologischen Station Doñana in Sevilla. Die sei schließlich der erste dokumentierte Fall, dass Vögel Zweige derart als Werkzeug einsetzen, sagte Donázar. Arten wie die Geradeschnabelkrähe von der Insel Neukaledonien oder der Spechtfink von Galapagos nutzen sie ausschließlich zur Nahrungssuche.
- Datum 30.06.2010 - 15:41 Uhr
- Quelle spektrumdirekt.de
- Kommentare 3
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Nicht nur Geier polstern ihr Nest mit Wolle, viele Vögel tun das.
Man kannte auch schon mehrere Vogelarten, die alles andere als dumm sind. Selbst Hühner sind nicht so blöd wie es das Sprichwort will. Neu in der Geschichte sind die wohlwollend-klaren Beobachter. Es wäre gut,wenn immer mehr Menschen es lernten, ihre Werkzeuge, insbesondere ihren beobachtenden Verstand zum Wohle allen Lebens zu gebrauchen. Vielleicht kann eines Tages auch publik gemacht werden, was es mit Falken und Tauben wirklich auf sich hat.
Ich wünsche weiter viel Erfolg!
dieser zwei Ornithologen ist nicht die Wollepolsterung, sondern der Werkzeuggebrauch zum Wollesammeln. Und solches Verhalten zu entdecken, ist immer recht spektakulär, da die Fähigkeit zur Abstraktion und zum einsichtigen Verhalten bei Nicht-Primaten relativ wenig untersucht ist.
dieser zwei Ornithologen ist nicht die Wollepolsterung, sondern der Werkzeuggebrauch zum Wollesammeln. Und solches Verhalten zu entdecken, ist immer recht spektakulär, da die Fähigkeit zur Abstraktion und zum einsichtigen Verhalten bei Nicht-Primaten relativ wenig untersucht ist.
dieser zwei Ornithologen ist nicht die Wollepolsterung, sondern der Werkzeuggebrauch zum Wollesammeln. Und solches Verhalten zu entdecken, ist immer recht spektakulär, da die Fähigkeit zur Abstraktion und zum einsichtigen Verhalten bei Nicht-Primaten relativ wenig untersucht ist.
... wenig untersucht, das ist der Punkt. Ich wollte die Erstbeobachtung nicht herabsetzen. Ganz im Gegenteil. Aber ich würde fast sagen, dass wir bei sehr vielen Tierarten noch geradezu ehrfürchtiges Staunen verspüren werden, wenn wir nur erstmal richtig hinsehen. Die fast menschlichen Fähigkeiten der neukaledonischen Raben z.B. hat Mr. Hunt eher zufällig entdeckt, weil er ohnehin anderer Vögel wegen tagelang still im Wald sass.
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