Die Vereinten Nationen werfen den größten Konzernen der Welt beim Umweltschutz schwere Versäumnisse vor. Das Artensterben schreitet angeblich 100 Mal schneller voran als bisher angenommen. Die Umweltschäden, die allein die 3000 größten Unternehmen der Welt verursachen, beziffern die Vereinten Nationen auf umgerechnet 1,7 Billionen Euro, wie aus einer Studie des UN-Umweltprogramms Unep hervorgeht.

"Das natürliche Kapital der Welt wird im großen Stil vernichtet", warnte UN-Umweltchef Achim Steiner in der Süddeutschen Zeitung .

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko steht laut den UN für weit mehr als die Probleme eines einzelnen Konzerns: Die Wirtschaft schenke dem Natur- und Artenschutz kaum Beachtung. Wie die Studie ergab, kümmern sich nur zwei der 100 größten Konzerne um den Erhalt von Ökosystemen oder engagieren sich im Artenschutz. Von 1100 Top-Managern fürchte nur jeder Vierte die Zerstörung der Umwelt. In vielen Konzernen gelte die Devise, dass natürliche Ressourcen unerschöpflich seien. 

"Viele Volkswirtschaften sind noch immer blind für den enormen Einfluss der Artenvielfalt von Tieren, Pflanzen und anderen Lebensformen und ihre Rolle für die Funktion des Ökosystems", kritisierte Steiner. Das betreffe Wälder und Trinkwasservorräte ebenso wie den Boden , die Ozeane und die Atmosphäre.

Erst im Juni hatten die Vereinten Nationen ein supranationales Wissenschaftlergremium für Biodiversität gegründet. Das Gremium soll den fortschreitenden Verlust von Lebensräumen und der Artenvielfalt dokumentieren, analysieren und der Politik Handlungsoptionen anbieten.

Die aktuelle Studie zeigt auch, dass die UN die eigenen Klima- und Artenschutzziele nicht erreichen konnte. Im Jahr 2002 hatten sich 192 Länder auf dem Umweltgipfel in Johannesburg darauf geeinigt bis 2010 die Zerstörung der Artenvielfalt zu bremsen. Tatsächlich nimmt die Zahl der Tiere und Pflanzen weiter ab, täglich sterben laut Studie bis zu 130 Arten aus.

Das Bewusstsein für den Umweltschutz wächst dem Bericht zufolge vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern . In Afrika sehen 50 Prozent der Konzernchefs in der Umweltverschmutzung eine Gefahr für das eigene Geschäft, in Lateinamerika sind es 45 Prozent und in Europa lediglich 20 Prozent der Führungskräfte.