ArtenvielfaltHonigbienenart in der Sahara entdeckt

10.000 Jahre Isolation in der Sahara haben einer neu entdeckten Bienenart nicht geschadet. Die Population ist ein Überbleibsel jener Zeit, als die Wüste noch grün war. von dpa

Eine Biene sammelt Pollen und Nektar an einer Blüte

Eine Biene sammelt Pollen und Nektar an einer Blüte  |  © Alessandro Della Bella/dpa

In einer entlegenen nordafrikanischen Oase hat ein libysch-deutsches Forscherteam eine bislang unbekannte Biene entdeckt. Das Besondere an dieser noch namenlosen Verwandten der Sahara-Honigbiene (Apis mellifera sahariensis) ist weder ihr Äußeres, noch die Qualität ihres Honigs, sondern ihre Herkunft.

Denn die wilde Biene stammt, das beweist jetzt eine Untersuchung ihres Erbgutes, aus der Zeit von vor mehr als 10.000 Jahren, als die Sahara noch keine unwirtliche Wüste war, sondern eine grüne Steppe, in der Giraffen und andere Säugetiere lebten.

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"Von den großen Säugetieren, die einst in dem Gebiet lebten, ist keines übrig geblieben, und welche anderen Insekten in den Oasen überlebt haben, das weiß bisher niemand so genau", sagt Robin Moritz, Zoologie-Professor an der Martin-Luther-Universität in Halle . Er hat die libyschen Bienen gemeinsam mit dem Libyer Taher Schaibi von der Al-Fateh-Universität in Tripolis untersucht. Die beiden Forscher stellten fest, dass die Bienen von Kufra, die sich, als die grüne Steppe allmählich zur Wüste wurde, in die Oase zurückgezogen hatten, in den vergangenen Jahrtausenden völlig isoliert gelebt haben.

Denn Kufra liegt im Südosten von Libyen, mehr als 800 Kilometer von den Städten im fruchtbaren Küstenstreifen am Mittelmeer entfernt. Die unerbittliche Wüste, durch die heute fast nur noch die modernen Karawanen der Menschenschmuggler ziehen, bildet eine natürliche Barriere für Insekten und andere wild lebende Tiere, die auf Pflanze angewiesen sind.

"Die Oase ist gerade groß genug, um genügend Lebensraum für wilde Bienen zu bieten", erklärt Moritz. Denn wenn es zu eng wird, kommt es bei Bienen zu Inzucht, was erst zu sogenannten Brutausfällen führt und langfristig das Ende der wilden Bienenpopulation in einem begrenzten Gebiet besiegeln kann. Deshalb können beispielsweise auf den deutschen Nordseeinseln nur Zuchtbienen leben. In der Oase Kufra, die 48 Kilometer lang und 19 Kilometer breit ist, jedoch auch wilde Bienen.

Ihre Isolation hat die Bienen von Kufra auch vor einem Parasiten bewahrt, der ihre Artgenossinnen in Europa und Nordafrika in großer Zahl befallen hat. Die Milbe mit dem furchterregenden Namen Varroa destructor ist nach Kufra bislang noch nicht vorgedrungen. Die neu entdeckte Biene ist laut Moritz die bisher einzige bekannte Unterart, die Varroa-frei ist.

Leserkommentare
  1. Es gibt sehr wohl Großsäugetiere in Afrika, die von der vordringenden Wüste eingeschlossen wurden: die Seekühe im Tschadsee und seinen Zuflüssen.

    Über Land können sie nicht gekommen sein, also müssen sie schon dortgewesen sein, als der Tschadsee noch einen Abfluß ins Meer hatte.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Sahara | Artenvielfalt | Biene | DNA-Analyse | Nordafrika | Säugetier
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