Die Einsatzleitung der US-Regierung spricht von einem "Lichtblick" im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko : Nach Aussagen des zuständigen Admirals Paul Zukunft sei die Größe des Ölteppichs deutlich zurückgegangen. Etwa zehn Tage nachdem der Ölkonzern BP die defekte Quelle in 1500 Meter Tiefe mit einer provisorischen Kappe abdichtete, "verschwinde das Öl zunehmend von der Meeresoberfläche", sagte Zukunft nach einem Bericht des Fernsehsenders CNN . Bei einem sechsstündigen Rundflug über die Unglücksstelle habe er nur noch an einer Stelle einen größeren Ölteppich gesehen, rund 20 Kilometer vor der Küste Louisianas, so Zukunft.

Das mag sein. Doch diese Beobachtungen aus der Luft lassen nicht auf einen Rückgang der Verseuchung im Meer von Louisiana, Alabama und Mississippi schließen – das Öl ist nur nicht mehr an der Wasseroberfläche zu sehen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es Jahrzehnte dauern wird, bis das Öl im Golf von Mexiko abgebaut worden ist. Die bei der Zersetzung des Öls frei werdenden Substanzen sind zudem eine Gefahr für Tiere und Pflanzen im Meer und an den Küsten.

Auch das aktuelle Kartenmaterial der US-Behörde für Meeresforschung (NOAA) zeichnet ein leicht verfälschtes Bild der Umweltkatastrophe. Da die Wissenschaftler hier nur das Öl deutlich einzeichnen, das auf der Meeresoberfläche schwimmt und dort – etwa mithilfe von Satellitenaufnahmen – beobachtet werden konnte, bekommt die Öffentlichkeit in den letzten Tagen den Eindruck, die Ölverschmutzung werde geringer.

Deutlicher wird das wahre Ausmaß der Katastrophe, wenn man die schwarze Linie auf den NOAA-Karten beachtet, die ein Gebiet einkreist, das in der Legende mit dem Wort "Uncertainty" beschrieben wird. Sie grenzt die Region ein, in der sich das Öl inzwischen verteilt und zersetzt haben könnte. Auf der ZEIT-ONLINE-Karte ist diese mögliche Verschmutzung gräulich unterlegt.

Fast drei Monate lang sind aus den Lecks der gesunkenen Bohrinsel Unmengen Öl ausgeströmt – die genaue Menge kann und will der BP-Konzern nicht benennen . Nach Schätzungen der US-Regierung sind es bis zu 700.000 Tonnen. Einige Wissenschaftler gehen von deutlich mehr aus. Das Öl schwamm von Anfang an nicht nur an der Oberfläche, sondern verteilte sich im Ozean. Seither verschmutzen dreidimensionale Schwaden das Meer. Der Ölteppich an der Oberfläche war also stets nur die Spitze des Eisbergs.