Golf von Mexiko Irreführende Nachrichten vom Rückgang des Ölteppichs
Der Ölteppich vor Louisiana werde kleiner, berichtet der Einsatzleiter der US-Regierung. In Wahrheit bleibt die Verschmutzung so gigantisch wie sie ist.
Die Einsatzleitung der US-Regierung spricht von einem "Lichtblick" im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko : Nach Aussagen des zuständigen Admirals Paul Zukunft sei die Größe des Ölteppichs deutlich zurückgegangen. Etwa zehn Tage nachdem der Ölkonzern BP die defekte Quelle in 1500 Meter Tiefe mit einer provisorischen Kappe abdichtete, "verschwinde das Öl zunehmend von der Meeresoberfläche", sagte Zukunft nach einem Bericht des Fernsehsenders CNN . Bei einem sechsstündigen Rundflug über die Unglücksstelle habe er nur noch an einer Stelle einen größeren Ölteppich gesehen, rund 20 Kilometer vor der Küste Louisianas, so Zukunft.
Das mag sein. Doch diese Beobachtungen aus der Luft lassen nicht auf einen Rückgang der Verseuchung im Meer von Louisiana, Alabama und Mississippi schließen – das Öl ist nur nicht mehr an der Wasseroberfläche zu sehen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es Jahrzehnte dauern wird, bis das Öl im Golf von Mexiko abgebaut worden ist. Die bei der Zersetzung des Öls frei werdenden Substanzen sind zudem eine Gefahr für Tiere und Pflanzen im Meer und an den Küsten.
- Natur in Gefahr
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Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.
Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.
Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.
- Meerestiere
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Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.
Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.
Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.
Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.
- Vögel
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Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.
Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.
Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.
- Pflanzen
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Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.
Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.
Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.
- Fischerei
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Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.
Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.
In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.
Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.
Auch das aktuelle Kartenmaterial der US-Behörde für Meeresforschung (NOAA) zeichnet ein leicht verfälschtes Bild der Umweltkatastrophe. Da die Wissenschaftler hier nur das Öl deutlich einzeichnen, das auf der Meeresoberfläche schwimmt und dort – etwa mithilfe von Satellitenaufnahmen – beobachtet werden konnte, bekommt die Öffentlichkeit in den letzten Tagen den Eindruck, die Ölverschmutzung werde geringer.
Deutlicher wird das wahre Ausmaß der Katastrophe, wenn man die schwarze Linie auf den NOAA-Karten beachtet, die ein Gebiet einkreist, das in der Legende mit dem Wort "Uncertainty" beschrieben wird. Sie grenzt die Region ein, in der sich das Öl inzwischen verteilt und zersetzt haben könnte. Auf der ZEIT-ONLINE-Karte ist diese mögliche Verschmutzung gräulich unterlegt.
Fast drei Monate lang sind aus den Lecks der gesunkenen Bohrinsel Unmengen Öl ausgeströmt – die genaue Menge kann und will der BP-Konzern nicht benennen . Nach Schätzungen der US-Regierung sind es bis zu 700.000 Tonnen. Einige Wissenschaftler gehen von deutlich mehr aus. Das Öl schwamm von Anfang an nicht nur an der Oberfläche, sondern verteilte sich im Ozean. Seither verschmutzen dreidimensionale Schwaden das Meer. Der Ölteppich an der Oberfläche war also stets nur die Spitze des Eisbergs.
- Datum 26.07.2010 - 20:31 Uhr
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- Quelle dpa
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So tragisch die augenblicklichen Folgen für die Natur und die Anlieger auch sind:
Das Öl im Golf wird auf Grund der weit höheren Luft- und Wassertemperaturem noch schneller verschwinden als das Öl der "Exxon-Valdez"-Katastrophe in Alaska.
Auch ganz ohne sinnlose, aber fotogene Aktionen der "Reinigungskräfte" und das übliche Geblubbere unbedarfter Politiker und Berufsökos...
spital8katz schrieb:
"Das Öl im Golf wird auf Grund der weit höheren Luft- und Wassertemperaturem noch schneller verschwinden als das Öl der "Exxon-Valdez"-Katastrophe in Alaska."
[...]
Das Öl der Exxon Valdez verschmutz auch heute noch nach 21 Jahren den Prinz-Williams-Sound mit schätzungsweise 80.000 Litern.
http://www.spiegel.de/wis...
Ebenso unkompetent und halluziniert ist Ihre Annahme höhere Temperaturen würden den Abbau beschleunigen. Der Großteil des Öls ist in die Tiefsee abgesunken, wird also nicht verdunsten, auch nicht wenns über dem Meer 50°C hat. [...]
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Die Redaktion/cs
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