Ökologie und Umweltschutz Bedrohte Korallen in der Tiefsee
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Das größte Zerstörungspotenzial geht vom Menschen aus

Destructive Trawling: Reefs to Rubble from Oceana on Vimeo .

Das Video zeigt, welchen Schaden Grundschleppnetze im Riff anrichten

Die größte Gefahr für diese Ökosysteme ist der Mensch. Beim Versuch, Fische an den Riffen zu erbeuten, setzt die industrielle Fischerei Grundschleppnetze ein – riesige Netzkörper, die mit schweren Stahlgewichten, wie etwa Eisenbahnrädern, in die Tiefe gezogen werden. Dort angelangt, rasieren sie wie ein Rasenmäher alles ab, was sich auf dem Meeresboden befindet.

"Fisch mit Grundschleppnetzen zu fangen ist, als würde man mit einem Mähdrescher auf Entenfang gehen", sagt der Meeresbiologe Thilo Maack von Greenpeace Deutschland . "Man vernichtet den Lebensraum Tausender Arten, um kurzzeitigen Profit aus der Ausbeutung einer einzigen Art zu schlagen. Alle bei einem  Fischzug mit ins Netz gegangenen Tiere und Pflanzen werden als Beifang einfach wieder tot über Bord gekippt."

Auch andere Meeres- und Umweltschutzorganisationen fordern schon seit Jahren die Einrichtung von Schutzgebieten, mit einem Grundfischerei-Moratorium. Ihr größter Erfolg bisher ist die Einrichtung eines Schutzgebiets nordwestlich Irlands, in dem die Kaltwasserkorallenriffe durch Schleppnetze bereits stark zerstört wurden.

"Zu den Problemen mit der Fischerei kommt das Problem der Ozeanversauerung im Zuge des Klimawandels", sagt der Meeresbiologe Armin Form vom Institut für Meereswissenschaften in Kiel (IFM-GEOMAR) . In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Korallenart Lophelia pertusa und dem Einfluss der Versauerung des Ozeans auf die Korallen. 

Neben der Atmosphäre nehmen insbesondere die Ozeane Kohlendioxid aus Abgasen auf und dämpfen so die Auswirkungen des Klimawandels. Im Wasser reagiert das CO 2 zu Kohlensäure. Für kalkbildende Organismen werde es dadurch schwerer, Schalen und Skelette aufzubauen, erklärt der Kieler Meeresforscher Ulf Riebesell. "Die Kaltwasserkorallen werden zu den ersten gehören, die von der Ozeanversauerung betroffen sind: an den von ihnen bevorzugten Standorten liegt der Säurewert bereits knapp an der Grenze, unterhalb derer Kalk aufgelöst wird."

Den eisbedeckten Arktischen Ozean haben die Fischer mit ihren Grundschleppnetzen noch nicht erobert. Doch mit der Schmelze des Meereises fahren immer mehr Fischtrawler in die einst unzugänglichen Gründe und zerstören kaum erforschte Lebensräume. "Daher hat Greenpeace einen neuen Arbeitsschwerpunkt auf die Auswirkungen des Klimawandels und die Erforschung der Ökosysteme im arktischen Ozean gelegt", sagt der Meeresbiologe Maack.

Die letzte Expedition in die Arktis, bei der die Umweltschutzorganisation das Schiff Esperanza stellte, auf dem Forscher des Kieler Meeresforschungsinstitutes arbeiteten, ging vor wenigen Tagen zu Ende. "Durch die gerade beginnende, rücksichtslose Ausbeutung des Arktischen Ozeans droht ein komplettes Ökosystem vernichtet zu werden", sagt Maack. "Die Auswirkungen solchen Handelns lassen sich aktuell im Golf von Mexiko studieren."

 
Leser-Kommentare
    • Mocaer
    • 16.07.2010 um 9:15 Uhr

    Wo immer Geld zu machen ist, da wird geklotzt und die Natur rücksichtslos ausgebeutet getreu dem Motto take - make-waste - nach mir die Sintflut.

    Nach Bophal, Tschernobyl. Amocco Cadiz imd Exon Valdez hat man geglaubt, das wars jetzt. Nun ist auch der letzte aufgewacht. Das ist eine Illusion. Systeme, die keine Achtung und Respekt vor dem Lebendigen haben und alles zerstören, was ihnen im Weg ist, werden damit nicht aufhöern. Wer soll sie stoppen? Und wer steckt hinter den großen Konzernen neben BP, die die Welt zu einer trockenen heißen Sandwüste machen? Es sind die Geldmenschen, die gesleschaftlich auch noch als Vorbilder plakatiert werden. Rücksichtslose moralisch verwahrloste graue Männer mit dem Fokus auf eines: Geld Macht.
    Und die Politik hat ein 4-Jahres-Brett vor dem Kopf und ist überfordert, pardon nicht die Politik: die Herrschaften, die ihren Unterhalt damit bestreiten. Wir brauchen andere Leute in den Führungs- und Entscheidungspositionen, aber das sind ja dann die Ökospinner.

  1. Danke für den guten Artikel. Nur eine Korrektur: Die Irische See liegt zwischen Wales und der grünen Insel und beherbergt keine nennenswerten Kaltwasser-Korallenriffe. Gemeint war wahrscheinlich die Tatsache, dass vier Riffe westlich von Irland unter Schutz kamen. Politisch wegen der Verschneidung von EU-Fischereipolitik und Naturschutzrecht ein wichtiges Signal. Aber die weitaus größeren Flächen, aus denen Umweltorganisationen wie WWF, Greenpeace und Oceana die Grundschleppnetze erfolgreich vertreiben und entsprechende verbindliche Beschlüsse der EU, der Anrainerstaaten oder der Nordostatlantischen Fischereikommission erkämpfen konnten, sind: Sula und Röst-Riff vor Norwegen - Darwin Mounds, Rockall und Hatton Bank westlich von Schottland - Mittelatlantischer Rücken und mehrere Seeberge - Gewässer der Azoren, Madeira und Kanarische Inseln. Der WWF führt regelmäßig Buch über diese Entwicklung. Eine aktuelle Karte gibt es hier:
    http://www.ngo.grida.no/w...

    Bisher kämpfen wir für Schließung um Schließung für zerstörerische Grundschleppnetze. Die zukünftige Fischereipolitik der EU muss ein generelles Verbot von Bodenschleppnetzen enthalten, von dem dann evt. Ausnahmen in bestimmten Bereich zulässig sind. Umkehr der Beweislast!

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    Freier Autor

    Hallo Herr Lutter, danke für den Hinweis! Da hatte sich der Fehlerteufel eingeschlichen. Gut, wenn man aufmerksame Leser hat. Wird gleich korrigiert.

    Freier Autor

    Hallo Herr Lutter, danke für den Hinweis! Da hatte sich der Fehlerteufel eingeschlichen. Gut, wenn man aufmerksame Leser hat. Wird gleich korrigiert.

  2. Freier Autor

    Hallo Herr Lutter, danke für den Hinweis! Da hatte sich der Fehlerteufel eingeschlichen. Gut, wenn man aufmerksame Leser hat. Wird gleich korrigiert.

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