Ozeanforschung Planktonschwund bedroht Nahrungsketten im Meer

Phytoplankton produziert die Hälfte unseres Sauerstoffs und ist Basis für Nahrungsketten. Doch seine Konzentration im Meer schwindet. Schuld sind steigende Temperaturen.

Schillernde Kleinstlebewesen: Einige Zellen von Kieselalgen, eine wichtige Gruppe von Phytoplanktonorganismen

Schillernde Kleinstlebewesen: Einige Zellen von Kieselalgen, eine wichtige Gruppe von Phytoplanktonorganismen

Die Grundlage für alle Nahrungsketten in den Ozeanen schwindet: das Phytoplankton. Die Populationen der Schwebeteilchen sind im vergangenen Jahrhundert in fast allen Weltmeeren enorm geschrumpft. Eine besorgniserregende Entwicklung, sagen kanadische Wissenschaftler. Denn das Phytoplankton sei der Treibstoff der Meere. Als Ursache sehen die Forscher allem die Erwärmung der Ozeane.

"Ein Rückgang beeinflusst alles, was in der Nahrungskette höher steht, den Menschen eingeschlossen", schreiben die Forscher in einer Studie im Wissenschaftsmagazin Nature . Die nachlassende Phytoplankton-Produktion verändere nicht nur die marinen Ökosysteme, sondern auch die Erträge der Fischereiwirtschaft.

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Phytoplankton macht etwa die Hälfte der gesamten auf der Erde produzierten organischen Materie aus. Zudem bildet es mehr als die Hälfte des Sauerstoffs in der Atmosphäre. Die winzigen Lebewesen betreiben mithilfe von Sonnenlicht Photosynthese. Jenen biologischen Prozess, der vor allem aus Kohlenstoffdioxid und Wasser energiereiche Stoffe zusammensetzt. Als ein Nebenprodukt entsteht dabei kostbarer Sauerstoff. Zu den Mikroorganismen zählen etwa Kiesel- und Grünalgen, Dinoflagellaten und Cyanobakterien.

Seit 1899 nimmt der Gehalt der Kleinstlebewesen im Durchschnitt jedes Jahr um ein Prozent ab, schreiben die Meeresbiologen um Boris Worm von der Dalhousie University im kanadischen Halifax. Zusammen mit seinen Kollegen Daniel Boyce und Marlon Lewis hat Worm Hunderttausende historische Messungen der Phytoplanktonkonzentration mit Satellitenbildern seit 1970 verglichen.

Zudem untersuchten sie Daten zum Chlorophyll-Gehalt des Planktons. Chlorophyll ist ein Pigment, das alle Organismen besitzen, die Photosynthese betreiben. Aus diesem oft auch als Blattgrün bezeichneten Farbstoff lässt sich die Phytoplankton-Biomasse ableiten. Das Team um Boyce analysierte insgesamt fast 450.000 Messdaten aus dem Zeitraum von 1899 bis 2008.

Das Ergebnis: In acht von zehn Ozeanregionen hat das Phytoplankton im 20. Jahrhundert abgenommen. Die einzige Ursache mit der sich der drastische Rückgang erklären ließe, ist laut den Autoren der Studie die zunehmende Erwärmung der Ozeane. Steigende Temperaturen führten im Ozean offenbar dazu, dass sich das Meerwasser stärker schichtet, erklären Worm und seine Kollegen. Dadurch würden die Nährstoffe nicht mehr so gut von den unteren Schichten nach oben verteilt und das Wachstum des Phytoplanktons lasse nach. In tropischen Gewässern ist der Plankton-Gehalt somit deutlich geringer als in der Nähe der Polarregionen.

Besonders in den Tropen und Subtropen sank der Plankton-Gehalt. In den übrigen zwei Regionen, im nördlichen und südlichen Indischen Ozean nahm das Plankton hingegen zu. Doch der globale Rückgang um insgesamt zwei Drittel seit 1899 sei eindeutig; die Schwankungen hängen von regionalen Wetterphänomenen wie El-Niño oder La-Niña und anderen Faktoren ab. Niederschläge, Meeresströmungen, und Stürme spielen eine Rolle.

 
Leser-Kommentare
  1. Nach dem endgültigen Tod unserer Wälder, der Vernichtung unserer Rinder (BSE) und Hühner (Vogelgrippe)sowie der Dezimierung der Menschheit durch die Schweinegrippe ist jetzt das Meer dran! Das Ende ist nah!

  2. …genauso wie jeder andere auch, aber soviel ich weis – man möge mich korrigieren wenn ich Falsch liege – gibt es unzählige Beweise, das es zur Zeit des römischen Imperiums heisser als heute.
    Die Menschen von damals müssen also auch ein Meer mit wesenlich weniger Phytoplankton gehabt haben. Geschadet hats ihnen anscheinend nicht.
    Viel schlimmer wäre wenn wegen dem Erwärmen der Meere der Golfstrom langsamer wird. Darüber sollte man sich Gedanken ernsthaft machen.

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    simplifizierende Nachweise sind meist anrüchig ... ich weiß es besser:
    www.klimafreak.de
    es ist bitterer als anzunehmen meint ...
    klimafreak

    welche "Beweise" gibt es denn, daß es zur Zeit des römischen Imperiums wärmer war als heute. Ich würde eher das Gegenteil erwarten: Italien und Nordafrika waren wesentlich ertragreicher als heute, das muß dann gemäßigter gewesen sein.

    simplifizierende Nachweise sind meist anrüchig ... ich weiß es besser:
    www.klimafreak.de
    es ist bitterer als anzunehmen meint ...
    klimafreak

    welche "Beweise" gibt es denn, daß es zur Zeit des römischen Imperiums wärmer war als heute. Ich würde eher das Gegenteil erwarten: Italien und Nordafrika waren wesentlich ertragreicher als heute, das muß dann gemäßigter gewesen sein.

    • XXIV
    • 29.07.2010 um 13:53 Uhr

    Ich finde diese 1% sehr eigenwillig. Sollte das nämlich der Fall sein, dann stünden wir heute gerade noch mit einem Drittel der Planktonmenge da, die es noch in den 1890ern gab. Wahrscheinlich bezieht sich die Zahl also auf den Zeitraum seit 1950. Aber das wird in dem Nature-Artikel nicht deutlich gesagt.

    Schaut man sich die Grafiken im Artikel an, liegt die Vermutung nahe, dass das an einer starken Zunahme der Planktonmenge zwischen (etwa) 1930 und 1960 liegt. Das betrifft 6 der 10 Meeresregionen. Ab den 1960ern ist dort wieder eine starke Abnahme der Menge ersichtlich.

    Dazu kommt, dass als Einflussfaktoren nur klimatische und physikalische Faktoren (zB Wolkenbildung) untersucht wurden. Ein naheliegender Zusammenhang mit der Fischerei war nicht Gegenstand der Analyse. So ist es recht plausibel, dass die Entfernung vieler Fische, die Zooplankton fressen, dazu führt, dass sich diese Planktonart stark vermehrt - und das Phytoplankton entsprechend dezimiert.

    Insofern wären noch viele Fragen an offen. Die hätte ein guter Wissenschaftsjournalist ja beantworten können. Aber die scheinen ausgestorben zu sein. Schade.

  3. @gerry10:

    Ihre Beweisführung ist denkbar schlicht. Nicht nur ist ihre unbelegte Behauptung, es wäre zur Zeit des römischen Imperiums heißer gewesen als heute falsch (Siehe dazu: http://upload.wikimedia.o... ), noch dazu ist ihre Argumentation völlig ungültig.

    Zum einen kann man die Auswirkung des Planktonhaushalts vor 2000 Jahren nicht mit denen von heute vergleichen. Heute sind knapp 7 Mrd Menschen zu ernähren, während es zur Zeit von Christi Geburt nur 300 Millionen waren. Ein Verknappung der Fischbestände hätte also viel drastischere Auswirkungen als damals. Schon daher ist das Argument "Damals hat es den Menschen auch nicht geschadet weniger Phytoplankton zu haben" absolut unsinnig.

    Zum anderen leben wir in einer Welt, in der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Temperaturen noch weiter steigen werden. Dies hätte einen noch größeren Rückgang der Planktonpopulation zur Folge. Die Frage, wann sich das also auf den Menschen auswirkt, ist nur eine Frage der Zeit, wenn die Temperaturen weitersteigen. Bereits jetzt davor zu warnen, ist also mehr als sinnvoll, damit Maßnahmen ergriffen werden können, bevor es zu spät ist und u.U. irreversible Vorgänge in Gang gesetzt worden sind.

    Denken sie also nochmal nach, bevor sie diese Warnung mit simplizistischen Argumentationsketten als Humbug abtun.

  4. Spielt der Fischfang eine Rolle und wenn ja, wurde er berücksichtigt. Durch den Fischfang werden dem Meer große Mengen an Biomasse entzogen.

  5. Das mit der Erwärmung stimmt schon. Die Wahrheit ist halt unbequem. Nur stimmt der Artikel in so fern nicht, dass auch die Überfischung der Meere zu einem Planktonrückgang führt. EIn Z.B. Die Fische halten die Nährstoffe in den oberen Wasserschichten und sorgen für eine gute Wasserqualität! Und wenn wir sie wegfischen, dann verändert sich das Ökosystem und das Plankton wird auch beeinträchtigt. Ist nämlich ne sehr ernste Entwicklung, denn wir sind gerade dabei die Ökosysteme der Meere zu zerstören und nur obendrauf kommt der Klimawandel dazu!

    Eintrag von Schadstoffen (Erosion der Kontinente, Flüsse in denen große Mengen an Dünger, Pestizide, Abwässer enthalten sind, Hunderte Millionen Tonnen von Plastik die sich in ihre chemischen Bestandteile auflösen, Verklappung von radioaktiven und chemischen Abfall). Zerstörung der Mangrovenwälder, Korallenriffe (Warmwasser und Kaltwasser), Zerstörung der Kalpwälder, Zerstörung der Flussdeltas (Staudämme, Wasserentnahme, Schadstoffe etc.) die alle als die Kinderstuben der FIsche bezeichnet werden können.

    Eine Folge Algenblüten die Tote Zonen hinterlassen, siehe Ostsee. Die Bildung von sauerstoffarmen Zonen, die zu großen Fischsterben führen. Der Einzeller Pfisteria der auch als Ebola der Ozeane bezeichnet wird(Unser Werk). Hat schon Milliarden von Fischen auf dem Gewissen. Versaurung der Meere durch CO2, für Fischeier u. Kalkskelette des Plaktons ein Prob.

    Ne ne Leute wir bekommen unseren Planeten dieses Jahrhundert nocht platt.

  6. 7. Ozeane

    Und wenn wir die Ozeane platt gemacht haben, dann werden sich auch die physikalischen Bedingungen in ihnen verändern. Und dann wird es wahrscheinlich Katastrophal werden. Denn sie formen die Bedingungen auf unserem Planeten!

    Aber wie immer wenn ein neues kritisches Thema auftaucht: Nur dumme Sprüche. Daher wird der Mensch an seiner Dummheit und vorallendingen Unwissenheit untergehen!

    Schade Schade Schade!

  7. Der Rückgang von Plakton ist schon seit Jahrzehnten bekannt. Nur da alle Nahrungsketten der Ozeane darauf angewiesen sind sprechen wir hier über nichts anderes als über eiDenen Kollaps aller Ökosysteme der Ozeane! Aber was sollte uns das Interessieren? Wir leben doch an Land und bekommen unser Essen aus dem Supermarkt oder einem Restaurant und daher werden wir immer was zu essen haben, solange wir Geld haben!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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  • Schlagworte Meeresforschung | Klimawandel
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