Ölpest BP beginnt mit endgültigem Verschluss des Öllecks

In wenigen Stunden beginnt BP das entscheidende und schwierige Doppelmanöver im Golf von Mexiko. Diesmal soll die Ölquelle wirklich geschlossen werden.

BP ist zuversichtlich, das Ölleck im Golf von Mexiko 100 Tage nach dem Beginn der Katastrophe ein für allemal abdichten zu können

BP ist zuversichtlich, das Ölleck im Golf von Mexiko 100 Tage nach dem Beginn der Katastrophe ein für allemal abdichten zu können

Der britische Ölkonzern BP bereitet sich auf ein Doppelmanöver vor, mit dem das Ölleck im Meeresboden ein für alle Mal geschlossen werden soll. Spätestens am Dienstagmorgen amerikanischer Zeit will BP damit beginnen, das Bohrloch mit Schlamm und Zement zu versiegeln – zunächst von oben, dann von unten.

BP und die US-Regierung zeigten sich optimistisch, dass die Operation gelingt. Dennoch gebe es keinen Grund für voreiligen Optimismus. "Wir sollten noch keinen Nachruf auf dieses Ereignis (das Ölleck) schreiben", sagte der Einsatzleiter der Regierung, Thad Allen. BP-Manager Doug Suttles sagte: "Wir sind gut vorbereitet. Ich habe großes Vertrauen, dass wir erfolgreich sein werden."

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Natur in Gefahr

Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.

Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.

Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.

Meerestiere

Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.

Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.

Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.

Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.

Vögel

Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.

Kommen die Vögel mit Öl in Verbindung und verkleben sich ihre Flügel, können die Tiere weder Wasser abweisen noch Luft aufnehmen. In der Folge können sie ihre Körpertemperatur nicht mehr regulieren und unterkühlen.

Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.

Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.

Pflanzen

Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.

Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.

Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.

Fischerei

Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.

Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.

In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.

Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.

Zu Beginn der Operation Static Kill wollen BP-Ingenieure schweren Schlamm durch den Deckel pumpen, mit dem der Ölkonzern das Bohrloch provisorisch abgedichtet hatte. Öl und Gas sollen so zurück in das Reservoir gezwungen werden, aus dem sie nach oben drängen. Wenn der Druck im Bohrloch stabil bleibt, soll es mit Zement versiegelt werden.

Nach Angaben von BP wird schon nach mehreren Stunden abzusehen sein, ob das voraussichtlich zweitägige Manöver funktioniert hat. Wenn der erste Teil der Operation Static Kill gelingen sollte, wäre der geplante zweite Teil theoretisch gar nicht mehr nötig, da die Quelle schon versiegelt ist. Aber BP wolle doppelt und dreifach sicher gehen. "Es ist so, ob man eine Leiche zwickt, um sicher zu gehen, ob die Person wirklich tot ist", erläuterte ein Experte.

Fünf bis sieben Tage nach Beginn der ersten Phase will BP mit der zweiten beginnen. Durch einen Nebenzugang, an dem seit Mai gebohrt wurde, sollen wiederum Schlamm und Zement ins Bohrloch gepumpt werden – dieses Mal mehr als fünf Kilometer tief im Meeresboden.

 
Leser-Kommentare
  1. wissen wir nichts,

    Weder, wieviele Löcher da unten im Meeresboden sind.

    Noch, ob das Öl bald gen Europa treibt.

    Noch, ob der Golfstrom davon betroffen wird.

    Nichts - rein gar nichts.

    Und noch was:

    Warum gehen IMMER noch Leute bei ARAL tanken?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    einzige Tanke im Umkreis von 15 Km ist.
    Ist jedenfalls bei mir so.

    Damit BP die Aufräumarbeiten bezahlen kann.

    einzige Tanke im Umkreis von 15 Km ist.
    Ist jedenfalls bei mir so.

    Damit BP die Aufräumarbeiten bezahlen kann.

  2. einzige Tanke im Umkreis von 15 Km ist.
    Ist jedenfalls bei mir so.

    Antwort auf "Wie alle wissen..."
    • adept
    • 02.08.2010 um 20:01 Uhr

    sehen's wie spielzeugboote aus, süß

  3. Wer BP (zu denen Aral gehoert) boykottiert, und weiterhin Auto faehrt oder mit Gas / Oel heizt ist ein Heuchler.

    Oder glaubt jemand ganz im Ernst, die anderen Oel- und Gasversorger seien humaner/oekologischer/besser/umweltfreundlicher/nicht-gewinnorientiert???

    • WiKa
    • 02.08.2010 um 21:01 Uhr

    Was wird denn mit den vielen anderen Ölkatastrophen Afrika/Nigeria, China. Offensichtlich ist es dort weniger schlimm, weil es nicht so direkt vor der Haustüre der USA ist.

    Abgesehen davon wäre ich mir noch nicht so sicher, ob das Desaster im Golf wirklich vorbei ist. Nur weil wir keine weiteren Informationen bekommen (alles zum Schutze der Öffentlichkeit, um Aufregungen in der Breite zu verhindern). Wenn es um Umfeld dieses Loches schon aus den Poren des Meeresbodens quilt, was ist dann mit dem Bohrlocher in weiterer Tiefe passiert und kann es tatsächlich gelingen das Leck mit den Parallelbohrungen noch zu stopfen? Was ist, wenn die Auswaschungen durch das Öl den Kanal schon derart erweitert haben, dass man soviel Material von unten nicht zuführen kann, um wirklich einen Verschluss herzustellen.

    Klar, das sind natürlich Dinge die man besser nicht öffentlich diskutiert und von denen wir besser ablenken. Würde mich auch nicht wundern, wenn das Öl über Monate weiter sprudelt, es man zunächst mit den bisher ausgetretenen Mengen begründet, um dann in 2011 peinlich berührt festzustellen, dass da immer noch was nicht in Ordnung ist. Auch auf die Gefahr hin, als Schwarz-Öl-Seher eine Lasche zu bekommen, allein das Bauchgefühl sagt mir, dass die Geschichte dort noch lange nicht zuende ist und außer Vertuschungstechniken gab es dort für die Öffentlichkeit auch nicht wirklich etwas zu erkennen. Also weiter sportlich sehen: http://qpress.de/2010/08/...

  4. im Gegenteil, es wird wohl erst noch richtig losgehen. Selbst wenn BP dieses Leck schließen kann (hoffen wir es), wird es immer öfter schwere Unfälle geben. Sicherheitsausrüstung für solche Tiefen zu entwickeln dauert sehr lange und ist teuer. Es gibt kaum Erfahrungen. Der Bedarf an Öl steigt aber ständig und die Ölfirmen sind auf die immer gefährlicheren Fördergebiete und Methoden angewiesen.

    Darüber hinaus könnte es in den Ozeanen durch den verstärkten Eintrag von Öl und anderen chemischen Stoffen auch zu Mitkopplungs-Effekten kommen, dann ist die weitere Entwicklung sowieso unvorhersehbar. Es ist bekannt, dass Ökosysteme eine gewisse Beharrung besitzen, bei Erreichen eines Grenzwertes dann aber unaufhaltsam kippen.

    Was könnte man tun?

    Es sollte einerseits im Rahmen der UNO eine Erdöl-Behörde (ähnlich der Atom-Behörde) etabliert werden, die globale Regeln bei der Erdölförderung vorgibt und exekutiv durchsetzt.

    Andererseits müssen wir den Umstieg auf Elektroantriebe in Fahrzeugen vorantreiben und die Energieversorgung dezentralisieren. Dazu werden vor allem leistungsfähige Akkus benötigt - dies sollte Schwerpunktforschung sein.

    Diese vorstehenden Maßnahmen sind aber höchstens mittelfristig umsetzbar. Kurzfristige Veränderungen können wir nur durch die Veränderung unserer Konsumgewohheiten erzwingen.

    Jeder sollte sparen, wo immer es geht. Es gibt da so viele Möglichkeiten...

    (http://etwilli.myblog.de/)

  5. 7. Methan

    Und was ist mit dem Methan das rund um die Bohrstelle austritt??

    Die Katastrophe ist damit noch lange nicht beendet. Und der tote ist mit diesem zwicken noch lange nicht wirklich tot!

  6. Damit BP die Aufräumarbeiten bezahlen kann.

    Antwort auf "Wie alle wissen..."

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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