Golf von Mexiko 780 Millionen Liter – die bisher größte Ölpest aller Zeiten

Jüngsten Schätzungen zufolge sind bisher rund 780 Millionen Liter Rohöl in den Golf von Mexiko geflossen. Beim Stopf-Manöver von BP kommt es erneut zu Komplikationen.

Mit schwerem Bohrschlamm und Zement will BP das Bohrloch im Golf von Mexiko an diesem Dienstag endgültig verschließen. Ob dies wie geplant gelingt, ist fraglich. Denn der Ölkonzern hat bei dem Versuch, das Leck der gesunkenen Plattform Deepwater Horizon zu schließen, erneut mit unvorhergesehenen Problemen zu kämpfen: Bei den Vorbereitungen für einen abschließenden Einspritztest wurde ein kleines, hydraulisches Leck entdeckt.

Erst wenn diese undichte Stelle am Kontrollsystem der Verschlusskappe repariert ist, können die BP-Experten mit den letzten Tests vor der endgültigen Versiegelung des Bohrlochs beginnen. Der Multi aus London rechnet damit, dass dies trotz der erneuten Verzögerung relativ pünktlich passieren wird. Die Versiegelung "werde sich dadurch vermutlich kaum verzögern", hieß es seitens BP. Und der von der US-Regierung eingesetzte Krisenmanager Thad Allen fügte hinzu: "Ich denke, jeder möchte, dass diese Sache so schnell wie möglich zu Ende ist." Ihm zufolge könne die Versiegelung 33 bis 61 Stunden dauern.

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Static Kill heißt die Methode, mit der der Energiekonzern das Loch in 1500 Meter Tiefe verschließen will. Bohrschlamm und Zement sollen durch die Mitte Juli aufgesetzte Verschlusskappe eingefüllt werden, um den Ölstrom endgültig zum Versiegen zu bringen. Der Konzern will zusätzlich die Versiegelungsmethode Bottom Kill anwenden. Dabei soll auch ein Entlastungsbohrloch mit Schlamm und Zement verfüllt werden. Dieses Bohrloch soll in gut einer Woche bis zu dem ursprünglichen Bohrloch reichen, Ende August könne dann die Versiegelung beginnen.

Natur in Gefahr

Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.

Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.

Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.

Meerestiere

Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.

Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.

Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.

Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.

Vögel

Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.

Kommen die Vögel mit Öl in Verbindung und verkleben sich ihre Flügel, können die Tiere weder Wasser abweisen noch Luft aufnehmen. In der Folge können sie ihre Körpertemperatur nicht mehr regulieren und unterkühlen.

Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.

Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.

Pflanzen

Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.

Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.

Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.

Fischerei

Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.

Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.

In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.

Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.

Ein Zahlenwerk ganz anderer Dimension veröffentlichte die US-Regierung – und bestätigte damit, dass es sich bei der Umweltkatastrophe vor der Südküste der USA um die größte Ölpest aller Zeiten handelt. Denn neuesten Schätzungen zufolge sind seit der Explosion der Deepwater Horizon rund 780 Millionen Liter (4,9 Millionen Barrel) Rohöl ins Meer geströmt. Davon vermochte BP noch nicht einmal ein Fünftel, rund 127 Millionen Liter (800.000 Barrel) aufzufangen.

Bisherige Schätzungen waren bereits von drei bis 5,3 Millionen Barrel ausgelaufenen Öls ausgegangen. Die Regierung spricht bei den aktuellen Daten von den bislang genauesten Schätzungen. Sie hätten nur eine mögliche Abweichung von plus/minus zehn Prozent.

Zuvor galt der Bohrinsel-Unfall der mexikanischen Ölförderanlage Ixtoc 1979 als die schwerste Ölpest. Damals flossen etwa eine halbe Million Tonnen, rund 3,3 Millionen Barrel, ebenfalls in den Golf von Mexiko. Bei der Ölkatastrophe vor Alaska, die 1989 durch die Havarie des Tankers Exxon Valdez verursacht worden war, strömten lediglich rund 40.000 Tonnen (41 Millionen Liter) Rohöl ins Meer.

Leser-Kommentare
  1. ich denke in den herrschenden Kreisen der USA wurde der Beschluß gefasst, dass jetzt der beste Zeitpunkt gekommen ist, um BP zu zerschlagen und den amerikanischen Mineralölkonzernen einzuverleiben. Ich befürchte Sicherheit, Recht etc sind dabei nur Vorwand ähnlich wie im Irak und Afghanistan.
    Ansonsten würde man in den USA einen Konzern von der Größe BPs vermutlich nicht derart unter Druck setzen.

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    Es liegt weder an der angerichteten Katastrophe noch am Verhalten von BP - es kann nur an den "bösen Amis" liegen - logisch.

    Aus meiner Sicht haben die USA ein Problem mit Teilen ihrer Eliten, die sich zT nicht im langfristigen Interesse ihres Landes verhalten.

    Ich versuche lediglich die Politik der USA zu verstehen die Bewertung in gut oder böse spielt dabei für mich nur eine untergeordnete Rolle.
    Meinetwegen können Amerikanische Konzerne BP gerne übernehmen das hat für mich nichts mit gut oder böse zu tun ich wollte nur darauf hinweisen, dass es vielleicht noch andere Motivationen gibt, als diejenigen die man so in der Mainstreampresse liest. Wenn Sie meinen, dass ich mit unzulässigen Verallgemeinerungen argumentiert habe, dann legen Sie das doch substantiiert dar anstatt selbst auf infantile Verallgemeinerungen zurückzugreifen ("die bösen Amis").
    Mit Logik hat das ganze übrigens auch nichts zu tun, aber dass Sie nicht zu wissen scheinen was Logik überhaupt bedeutet passt ganz gut zur Qualität Ihres Kommentars.

    Es liegt weder an der angerichteten Katastrophe noch am Verhalten von BP - es kann nur an den "bösen Amis" liegen - logisch.

    Aus meiner Sicht haben die USA ein Problem mit Teilen ihrer Eliten, die sich zT nicht im langfristigen Interesse ihres Landes verhalten.

    Ich versuche lediglich die Politik der USA zu verstehen die Bewertung in gut oder böse spielt dabei für mich nur eine untergeordnete Rolle.
    Meinetwegen können Amerikanische Konzerne BP gerne übernehmen das hat für mich nichts mit gut oder böse zu tun ich wollte nur darauf hinweisen, dass es vielleicht noch andere Motivationen gibt, als diejenigen die man so in der Mainstreampresse liest. Wenn Sie meinen, dass ich mit unzulässigen Verallgemeinerungen argumentiert habe, dann legen Sie das doch substantiiert dar anstatt selbst auf infantile Verallgemeinerungen zurückzugreifen ("die bösen Amis").
    Mit Logik hat das ganze übrigens auch nichts zu tun, aber dass Sie nicht zu wissen scheinen was Logik überhaupt bedeutet passt ganz gut zur Qualität Ihres Kommentars.

  2. Es liegt weder an der angerichteten Katastrophe noch am Verhalten von BP - es kann nur an den "bösen Amis" liegen - logisch.

    Antwort auf "Angriff auf BP"
  3. Das macht etwa 6 volle Öltanker? Glücklicherweise ist das geschehen in warmen Gewässern, wo das Öl rasch wieder von Mikroorganismen abgebaut wird. Doch vorher mußten viele Milliarden tierische Lebewesen elendig verenden.

    Die unheimlich große Verdienstspanne und Gier der Öl-Multis machts möglich., Wieso geht BP nicht pleite? Sie schlafen auf einer sehr dicken Wucher - Verdienstmatratze.

  4. ist ja noch gar nicht in Sicht. Interessant ist allemal das immer noch Tiefseebohrungen erlaubt sind. Diese katastrophe bedroht die ganze menschheit und wieso gibts da nicht mal eine Regelung der UN, die sofort an der Stelle ist wenn Atombomben irgendwo hergestellt werden. Wenn jedoch 780 Millionen l Oel auslaufen regt sich gar nichts.

  5. Nun regen sich alle auf, die Zeitungen schreiben seitenweise.

    Dabei ist doch eines klar: Jeder Tropfen dieser "Katastrophe" wäre so oder so in unserer Umwelt gelandet. In Schiffsdieseln, Otto-Motoren und Triebwerken. Dann nur, wenn es uns nützlich ist, ist es keine Katastrophe. Dann ist es "normal".

    Der Mensch hat es noch nicht geschafft, über den Tellerrand der "Katastrophe" zu sehen. Im Grunde ist ein Ölfleck wesentlich gesünder als die Verbrennung des Öls in Motoren.

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    Gesünder? Für Sie zu Hause vor dem Rechner vielleicht, ja. Aber bitte lassen Sie doch diesen Unfug. Vielleicht ist es Haarspalterei, ob das Verbrennen von Benzin in Dieselmotoren oder das Kapitel der Katastrophe der Deepwater Horizon für das globale Makroklima verheerendere Auswirkungen hat. Für die USA jedenfalls, bahnt sich der größte ökologische GAU aller Zeiten an, unmittelbar vor Ort - da bin ich mir sicher - hätten die Leute diese 780 Millionen Liter sehr viel lieber via Verbrennungsmotor in den Atmosphäre gepumpt.

    Gesünder? Für Sie zu Hause vor dem Rechner vielleicht, ja. Aber bitte lassen Sie doch diesen Unfug. Vielleicht ist es Haarspalterei, ob das Verbrennen von Benzin in Dieselmotoren oder das Kapitel der Katastrophe der Deepwater Horizon für das globale Makroklima verheerendere Auswirkungen hat. Für die USA jedenfalls, bahnt sich der größte ökologische GAU aller Zeiten an, unmittelbar vor Ort - da bin ich mir sicher - hätten die Leute diese 780 Millionen Liter sehr viel lieber via Verbrennungsmotor in den Atmosphäre gepumpt.

  6. http://www.welt.de/wirtsc...

    Es GAb Insider-Handel noch bevor die
    Plattform untergegangen ist. Ganz
    vorn dabei mal wieder die Jungs
    von Goldman Sachs.

    Aber über so etwas würde die ZEIT
    natürlich nicht berichten...

    • mamor
    • 03.08.2010 um 12:36 Uhr

    Einen größeren Mist habe ich selten vernommen!

    Es ist eine absolute Katastrophe, auch wenn sie in kleinerem Stil täglich geschieht!
    Ein Ölfleck ist gesünder...?
    Oh Mann!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "7. @DKOF_DE Einen größeren Mist habe ich selten vernommen! Es ist eine absolute Katastrophe, auch wenn sie in kleinerem
    Stil täglich geschieht! Ein Ölfleck ist gesünder...? Oh Mann!"

    Es ist tragisch - und typisch für unser Land - dass man nicht mehr diskutieren kann ohne das für und wider abzuwägen. Eine Diskussionskultur fehlt. Schnelle Aussagen. Kaum Wissen. Kein Hintergrund.

    Klar ist: Rohöl ist von allen Ölarten die ungefährlichste - und abbaubarste. Sobald das Öl mit unglaublichem Energieaufwand raffiniert wird, fallen giftige und giftigste Nebenprodukte an (die z.T. in die freie Natur entlassen werden - jeden Tag, ohne dass das stört). Wird dann das Endprodukt auch noch verbrannt, dann wird es richtig giftig, da dann viele Produkte entstehen die zu den giftigsten und krebsfördernstden Substanzen gehören, die wir kennen. Eigentlich gehört Benzin aufgrund seiner gesundheitsgefährdenden Eigenschaften sofort verboten. Aber das können wir nicht. Weil wir davon abhängig sind.

    Und unter der Prämisse ist ein Fleck Rohöl auf dem Wasser allemal besser und nützlicher und natürlicher als wenn derselbe Fleck gefördert und zu Bezin verarbeitet worden wäre, das Sie verfahren können.

    "7. @DKOF_DE Einen größeren Mist habe ich selten vernommen! Es ist eine absolute Katastrophe, auch wenn sie in kleinerem
    Stil täglich geschieht! Ein Ölfleck ist gesünder...? Oh Mann!"

    Es ist tragisch - und typisch für unser Land - dass man nicht mehr diskutieren kann ohne das für und wider abzuwägen. Eine Diskussionskultur fehlt. Schnelle Aussagen. Kaum Wissen. Kein Hintergrund.

    Klar ist: Rohöl ist von allen Ölarten die ungefährlichste - und abbaubarste. Sobald das Öl mit unglaublichem Energieaufwand raffiniert wird, fallen giftige und giftigste Nebenprodukte an (die z.T. in die freie Natur entlassen werden - jeden Tag, ohne dass das stört). Wird dann das Endprodukt auch noch verbrannt, dann wird es richtig giftig, da dann viele Produkte entstehen die zu den giftigsten und krebsfördernstden Substanzen gehören, die wir kennen. Eigentlich gehört Benzin aufgrund seiner gesundheitsgefährdenden Eigenschaften sofort verboten. Aber das können wir nicht. Weil wir davon abhängig sind.

    Und unter der Prämisse ist ein Fleck Rohöl auf dem Wasser allemal besser und nützlicher und natürlicher als wenn derselbe Fleck gefördert und zu Bezin verarbeitet worden wäre, das Sie verfahren können.

  7. Da gibt die gute, alte Tante "ZEIT" schon mal die Überschriften-Bild-Zeitung, und heraus kommt ein Oxymoron.

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