Tierwelt Forscher besorgt über Fledermaussterben
In Nordamerika rafft ein eigentümlicher Pilz Millionen Fledermäuse dahin. In Europa ist der Fungus hingegen eher ungefährlich. Wissenschaftler stehen vor einem Rätsel.
Die Fledermäuse haben keine Chance , Geomyces destructans befällt sie im Schlaf: Während die Tiere in ihren Höhlen hängen und Winterschlaf halten, bilden sich kleine weiße Polster auf ihren Nasen, ihren Flügelmembranen und Ohren. Die Fledermäuse werden öfters wach – und verhungern bereits vor dem Frühjahr.
Das sogenannte Weißnasen-Syndrom rafft in den USA, in West- und Südkanada Millionen Fledermäuse dahin. "Das ist eine der schlimmsten Wildtierkrisen, die wir je in Nordamerika hatten", sagte Winifred Frick von der Universität Boston . Wie Fricks Forscherkollegen im Wissenschaftsmagazin Science berichten, verbreitete sich der Pilz sehr rasch über den gesamten Kontinent. Betroffen sind demnach sieben Fledermausarten . Im Nordosten des Landes könnte eine von ihnen bald ganz verschwunden sein.
Das Massensterben könnte dramatische Folgen für die Umwelt haben. Die Tiere übernehmen entscheidende Aufgaben im Ökosystem, etwa bei der Insektenkontrolle: "Eine einzige Fledermaus kann über 3000 Moskitos pro Nacht fressen", sagt David Blehert vom National Wildlife Health Center. Bereits vor zwei Jahren hatte der Mikrobiologe das Fledermaussiechtum in einer Studie untersucht . Es gebe Statistiken, die belegen, dass die amerikanischen Baumwollfarmer etwa 2 Milliarden Dollar pro Jahr sparen, da die Tiere schädliche Insekten auf ihrem Speiseplan haben. Auch der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmittel wird dank der Fledermäuse gering gehalten.
Sinkende Bestände könnten gar zu Ernteausfällen und Schäden an Bäumen führen. Schließlich hätten viele Insekten nun freies Spiel. Gar ein Zuwachs an Infektionskrankheiten, die von Stechmücken übertragen werden, sei nicht auszuschließen.
Das Weißnasen-Syndrom wurde bereits vor vier Jahren entdeckt und ist auch in Europa kein unbekanntes Phänomen. Laut einer umfangreichen Datenanalyse des Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung kommt der Pilz in Deutschland schon seit mindesten 25 Jahren vor – sei aber weniger gefährlich. "Bisher scheint der Pilzbefall keinen tödlichen Einfluss auf hiesige Fledermausarten gehabt zu haben", sagte Projektleiterin Gudrun Wibbelt.
Das Team um Wibbelt analysierte Proben von mehr als 350 Fledermaus-Winterquartieren in verschiedenen europäischen Ländern. Ergebnis: Bei nur 21 Tieren wurde der Pilz nachgewiesen. In den USA seien dagegen bereits mehr als eine Million Tiere an dem Pilz gestorben. Und das, obwohl untersuchte Genabschnitte eine hundertprozentige Übereinstimmung zwischen den Pilzen in Europa und Nordamerika zeigten.
Um herauszufinden, wie die amerikanischen Fledermäuse gerettet werden könnten, stehen die Forscher somit vor neuen Herausforderungen. "Wir müssen jetzt unbedingt klären, warum der Pilzbefall bei europäischen Fledermäusen bisher nicht zum Tode führt", sagte Wibbelt – "um allenfalls eine Verschleppung des fatalen Pilzes aus den USA nach Europa zu verhindern."
- Datum 05.08.2010 - 19:44 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 5
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... ist zum Glück keine wissenschaftliche Arbeitsmethode. Ob es wirklich ein vordringlichges Ziel ist, den Pilz, der in D seit 25 Jahren identisch nachgewiesen ist aus Amerika nicht einzuschleppen, ist doch eher fraglich. Wie sollten den die eingeführten von den heimischen Pilzsporen unterschieden werden? Warten wir also ab, dass uns jemand Kohärenteres berichtet über die Arbeit der Wissenschaftler.
haben in einer Nahrungskette nichts zu suchen !
Warum meint der Mensch denn auch immer, in funktionierende Ökosysteme regulierend eingreifen und verschlimmbessern zu müssen?
Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Pilz auch auf ein solches Eingreifen zurückzuführen ist. Spontan auffallen würde mir, die weite Verbreitung von genmanipulierten Pflanzen in den USA im (zum Glück noch) Gegensatz zu Europa.
Vielleicht hat dieses Gensaatgut etwas verdrängt, was den Pilz bisher in Schacht gehalten hat, auf welche Weisse auch immer?
Ist doch schon signifikant, dass immer mehr Populationen von ehemals unbedenklichen Schädlingen dezimiert werden. In Deutschland sind es die Bienen, in den USA jetzt die Fledermäuse. Wer glaubt da noch an Zufall?
Erst wenn das letzte funktionierende Ökosystem zerstört ist, wird man vielleicht zu der Erkenntnis kommen, dass man nicht alles machen muss, nur weil es geht. Wobei ... Mensch bleibt Mensch :-(
Den Schluss dieses ZEIT-Artikels finde ich etwas irrefuehrend. Wer bei SCIENCE nachliest ( http://news.sciencemag.or... ), findet dort im Artikel den Hinweis, das der Pilz sehr wahrscheinlich aus Europa eingeschleppt worden ist. Da der europaeische Pilz genetisch mit dem in den USA grassierenden identisch uebereinstimmt und zudem dort als "emerging" gilt, scheint die fehlende Immunitaet der einheimischen Fledermauspopulationen das groesste Problem zu sein, und nicht etwa eine unglaubliche Lethalitaet, die man nach Europa "zurueckholen" koennte (unsere Fledermaeuse sind nicht betroffen):
"A plausible hypothesis for the origin
of this disease in North America is introduction
via human trade or travel from Europe, based on
recent evidence that G. destructans has been
observed on at least one hibernating bat species
in Europe"
Wer Zugang hat und es lesen will, findet das paper von Frick et al hier: http://www.sciencemag.org...
Das obige Gerede vom Menschen als grossen Zerstoerer durch den ach so boesen Genmais finde ich daher ziemlich fehlgeleitet.
ZEIT-Redaktion: wann postet ihr endlich standardmaessig die entsprechenden Referenzen und Links zu papers und Journalen, die ihr in Artikeln erwaehnt? Ich find's ziemlich ermuedend das diese "Arbeit" immer am interessierten Leser haengen bleibt. Eine kleine Textreferenz a la "XYZ et al, Science 2010" wurde nicht weh tun.
Lieber Leser,
vielen Dank für den Hinweis.
In unseren eigenen Artikeln, die wir hier in der Wissenschaftsredaktion schreiben, verlinken wir in der Tat bereits auf die erwähnten Papers, wenn diese frei zugänglich sind. Häufig verlinken wir auch auf die Seiten der Forscher, wo sich Interessierte weiter informieren können. Oder nur auf das öffentlich zugängliche Abstract.
Wir werden uns aber bemühen, dies in Zukunft auch noch stärker in Agenturmeldungen - wie dieser dpa-Meldung zum Fledermaussterben – zu tun.
Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.
Lieber Leser,
vielen Dank für den Hinweis.
In unseren eigenen Artikeln, die wir hier in der Wissenschaftsredaktion schreiben, verlinken wir in der Tat bereits auf die erwähnten Papers, wenn diese frei zugänglich sind. Häufig verlinken wir auch auf die Seiten der Forscher, wo sich Interessierte weiter informieren können. Oder nur auf das öffentlich zugängliche Abstract.
Wir werden uns aber bemühen, dies in Zukunft auch noch stärker in Agenturmeldungen - wie dieser dpa-Meldung zum Fledermaussterben – zu tun.
Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.
Lieber Leser,
vielen Dank für den Hinweis.
In unseren eigenen Artikeln, die wir hier in der Wissenschaftsredaktion schreiben, verlinken wir in der Tat bereits auf die erwähnten Papers, wenn diese frei zugänglich sind. Häufig verlinken wir auch auf die Seiten der Forscher, wo sich Interessierte weiter informieren können. Oder nur auf das öffentlich zugängliche Abstract.
Wir werden uns aber bemühen, dies in Zukunft auch noch stärker in Agenturmeldungen - wie dieser dpa-Meldung zum Fledermaussterben – zu tun.
Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.
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