ZEIT ONLINE: Frau Barlow, Sie sind schwer zu erreichen ...

Maude Barlow: Das stimmt. Entschuldigen Sie, ich komme gerade von einer Bootstour auf dem Champlainsee in Vermont. Als eine ihrer Vorsitzenden hat die örtliche Umweltschutzorganisation mich als Stargast für eine Spendenaktion auserkoren, ob Sie es glauben oder nicht.

ZEIT ONLINE: Doch, immerhin engagieren Sie sich praktisch pausenlos für soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz. Momentan sind Sie sicher auch noch aufgekratzt von den vergangenen Tagen – schließlich hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York gerade eines ihrer größten Herzensprojekte beschlossen: Der Anspruch auf sauberes Trinkwasser ist nun ein Menschenrecht .

Barlow: Ich war dort und bin immer noch begeistert. Nach so vielen Jahren! Ich war überrascht, dass die Resolution in gewisser Weise sogar einhellig angenommen wurde. Denn niemand hat dagegen gestimmt. Wahrlich ein historischer Moment.

ZEIT ONLINE: Allerdings ist die Resolution völkerrechtlich nicht verbindlich, einklagbar ist das Recht auf Wasser nicht. Was wird sich nun für die weltweit fast 900 Millionen Menschen ändern, die keinen Zugang zu sauberem Wasser haben?

Barlow: Ich denke, der Beschluss des Menschenrechts "Wasser" ist mehr als nur ein symbolischer Akt. Natürlich ist er nicht verbindlich, aber welches UN-Recht ist das schon? Es gab Übereinkommen zu Frauenrechten und dennoch werden Frauen in vielen Ländern misshandelt. Es gibt Rechte für Kinder und trotzdem sterben überall auf der Welt Kinder an Hunger und dreckigem Wasser. Dennoch haben all diese Beschlüsse und nun auch das Recht auf sauberes Wasser ganz klare Grundsätze formuliert. Sie sind die Basis für zukünftige Entscheidungen. Für den Kampf gegen die globale Wasserkrise ist das richtungsweisend.

Wie viel Wasser verbrauchen wir?

ZEIT ONLINE: Der Begriff "Globale Wasserkrise" steht für Millionen von Menschen, die weltweit unter Trinkwasserknappheit leiden. Zudem lebt ein Drittel der Menschheit in Ländern mit unzureichenden sanitären Einrichtungen. Betroffen sind vor allem die Entwicklungsländer. Welche Verantwortung tragen die Industriestaaten für diese Entwicklung?

Barlow: Die Industriestaaten und große Investmentfonds kaufen ganze Landstriche und Wasserrechte auf. Das ist besonders in Afrika ein großes Thema. Länder wie China, Indien und Saudi Arabien wissen, dass ihnen das Wasser knapp wird. Deswegen verlagern sie den Anbau von Baumwolle und Lebensmitteln nach Afrika. Wir sprechen hier von einer Fläche, die zweimal so groß ist wie Großbritannien.