Golf von Mexiko Die Ölpest verliert ihr dreckiges Gesicht
Ein US-Regierungsbericht erklärt den Großteil des Öls im Golf von Mexiko für beseitigt. Ein Trugschluss. Das Ausmaß des Desasters ist nicht annähernd verstanden.
© Mario Tama/Getty Images

Letzte Ölklumpen beseitigen: Die sichtbaren Auswirkungen der Ölpest verschwinden rasch
Alles halb so schlimm. Das scheint das Ergebnis eines neuen Berichts der amerikanischen Ozeanografiebehörde Noaa zu sein, den die US-Regierung am Mittwoch vorstellen will.
Während im Golf von Mexiko weiter daran gearbeitet wird, das Bohrloch endgültig zu stopfen , kommen die Forscher zu einem erstaunlichen Ergebnis: Fast drei Viertel der 780 Millionen Liter Öl seien schon wieder von der Meeresoberfläche verschwunden. Wie die New York Times vorab aus dem Bericht zitiert , sei die schmierige Masse weitestgehend abgefangen, verbrannt, abgeschöpft und mit Chemikalien aufgelöst worden. Den Rest hätte die Natur erledigt. Das Öl sei verdampft oder habe sich selbst in seine Bestandteile aufgetrennt.
Dennoch ist Skepsis angebracht: Zwar ist das sichtbare Öl verschwunden oder hat sich durch die natürliche Witterung aufgelöst. Doch die verdeckten Spuren vergangener Ölkatastrophen sind in der Regel auch noch nach Jahrzehnten zu finden. Von außenstehenden Forschern überprüft ist der Bericht ohnehin noch nicht.
Es gebe allerdings keine Belege dafür, dass man irgendwelche Ölkonzentrationen übersehen habe, sagt Jane Lubchenco, die Leiterin der Noaa. Die Behörde musste sich bereits kurz nach der Ölktastrophe vorwerfen lassen, die Menge des auslaufenden Öl zu verharmlosen. Erst ein von der Regierung eingesetztes wissenschaftliches Gremium schätzte die Ölmengen weit höher ein.
Nun heißt es, nur noch 26 Prozent der schwarzen Flüssigkeit soll in der Küstenregion und im Wasser treiben. Fünf Prozent des Ölteppichs seien mittlerweile verbrannt worden, gerade einmal drei Prozent wurden von Helfern auf den mehr als 5000 eingesetzten Booten und Schiffen abgeschöpft. An vielen Orten treibt nur noch ein leichter Film auf dem Meer. Das sieht so aus, als hätte sich eine der größten Ölkatastrophen aller Zeiten fast schon in Wohlgefallen aufgelöst.
Auch die Bilanz der getöteten und verschmutzen Vögel und weiterer an Land angeschwemmter Tiere sei mit einigen Tausend verhältnismäßig gering ausgefallen. Es habe schon Ölkatstrophen mit weit mehr getöteten Tieren gegeben.
- Natur in Gefahr
-
Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.
Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.
Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.
- Meerestiere
-
Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.
Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.
Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.
Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.
- Vögel
-
Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.
Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.
Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.
- Pflanzen
-
Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.
Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.
Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.
- Fischerei
-
Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.
Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.
In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.
Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.
Das übersieht allerdings, dass die langfristigen Folgen oft viel gravierender sind. Nach der Havarie der Exxon Valdez vor Alaska etwa haben sich in den Nahrungsketten und vielen Meeresorganismen zum Teil krebserregende Kohlenwasserstoffe festgesetzt. Sie sind die Überreste des ausgelaufen Rohöls.
Auch Lubchenco sagt: "Wir kennen noch nicht das ganze Ausmaß dieses Öllecks auf das Ökosystem und die Menschen im Golf." Die Regierung sei nach wie vor in Sorge über die bereits sichtbaren Umweltschäden. Man werde die Region weiter beobachten. Die Langzeitfolgen für die Meerestiere würden sich erst in den nächsten Generationen der Fische, Krebse und Krabben zeigen.
- Datum 04.08.2010 - 16:53 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 40
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






"Einem US-Regierungsbericht zufolge ist der Großteil des Öls im Golf von Mexiko beseitigt oder hat sich aufgelöst. Es bestehe kaum noch Gefahr. Ein verzerrtes Bild?"
Wie kann man da überhaupt nur daran denken, ein Fragezeichen setzen, wenn man nicht direkt von BP bezahlt wird?
Gerade war es noch die größte Ölkatastrophe aller Zeiten, und nun hat sich sich "aufgelöst"?
Volksverdummung!
Jetzt ist alles noch schöner als vor der Ölpest. Wer hätte anderes erwartet?
Ja das Öl löst sich auf der BP-Chef war da eben mal mit seinem Zauberstaab mit der Form-->$ und Rarurick Zaubertrick dasmeiste Öl ist weg.
Na geht doch! Man hätte den Vorstandsvorsitzenden von BP früher auswechseln müssen und schon wäre die Katastrophe schneller erledigt gewesen.
Da muß wohl der David Coperfield seine Hände im Spiel gehabt haben.
Oder kann mir bitte jemand plausiebel erklären wie sich 780.000.000 Liter Öl plötzlich aufflösen, verschwinden, was auch immer.
Das wäre schön zu wissen! Es wäre definitiv ein Wunder der Natur!
Abgesaugt, verbrannt, abgewischt, ausgegraben, verwittert, verdampft, verstoffwechselt...
Der Rest hat sich mit den 2.500.000.000.000.000.000 Litern Wasser im Golf von Mexiko vermischt. Eine Verdünnung von 1:10 Milliarden.
Das Ölleck von BP mit der Exxon Valdez zu vergleichen ist Unfug, da im Golf von Mexiko ganz andere Temperaturen herrschen, die die Verwittern, Verdampfen und Verstoffwechseln massiv unterstützen.
Es eine elende Sauerei, aber man sollte die Kirche im Dorf lassen.
Abgesaugt, verbrannt, abgewischt, ausgegraben, verwittert, verdampft, verstoffwechselt...
Der Rest hat sich mit den 2.500.000.000.000.000.000 Litern Wasser im Golf von Mexiko vermischt. Eine Verdünnung von 1:10 Milliarden.
Das Ölleck von BP mit der Exxon Valdez zu vergleichen ist Unfug, da im Golf von Mexiko ganz andere Temperaturen herrschen, die die Verwittern, Verdampfen und Verstoffwechseln massiv unterstützen.
Es eine elende Sauerei, aber man sollte die Kirche im Dorf lassen.
das öl ist weggehoppelt. so ein glück aber auch.
gegen solche bericht sind ja die märchen der gebrüder grimm empirische untersuchungen.
Die muss man auch jeden Tag erneuert auftragen, weil die alte Pflegeschicht abgebaut ist.
Lieber Herr Stockrahm,
die New York Times zitiert Jane Lubchenco sehr ausführlich. Mir erscheint die Sorge sehr viel größer und die Einschätzung der Katastrophenfolgen sehr viel dramatischer als von Ihnen dargestellt. Hier kann man das nachlesen:
http://www.nytimes.com/20...
Oder habe ich da etwas falsch verstanden?
siehe Beitrag Nr 11
siehe Beitrag Nr 11
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren