Golf von Mexiko BP meldet Erfolg bei der Operation "Static Kill"
Die Erfolgsmeldung kam rasch: Wenige Stunden nach dem Beginn der Versiegelung des Bohrlochs im Golf von Mexiko hat BP das Manöver als gelungen bezeichnet.
© Chris Graythen/Getty Images

Für BP ist es ein "Meilenstein": Die Operation "Static Kill" ist dem Konzern offenbar gelungen
Ein abschließender Test hatte den Ausschlag gegeben: Am späten Dienstagabend (MEZ) hatte der Energiekonzern BP mit dem endgültigen Abdichten der außer Kontrolle geratenen Ölquelle im Golf von Mexiko begonnen – mehr als drei Monate nach der Bohrinsel-Explosion und nachdem rund 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer geflossen waren. Damit hat der Konzern eine wichtige Hürde genommen, um die bisher größte Ölpest aller Zeiten einzudämmen. Für BP ist es ein "bedeutender Meilenstein".
Allerdings vollzieht der Multi damit nur den ersten Schritt von mehreren zur endgültigen Versiegelung des Bohrlochs. Im Rahmen des Static-Kill -Verfahrens – dem ersten Teil der Doppelstrategie – wurde mit hohem Druck Bohrschlamm in das provisorisch abgedichtete Bohrloch gepumpt. Durch das dadurch erzielte "hydrostatische" Gleichgewicht neutralisiert der von oben in die Steigleitung gepresste Schlamm das nach oben strömende Öl. Die Folge: Es kann kein weiteres Öl austreten.
Hieß es zuvor noch, die Aktion könnte mehrere Tage dauern, vermeldete BP bereits nach acht Stunden diesen Erfolg. Wie der Konzern weiter mitteilte, werde man die Lage nun beobachten und mit dem Krisenbeauftragten der US-Regierung, Thad Allen, darüber beraten, wie weiter vorgegangen wird. Dazu gehöre die Frage, ob auf dem selben Weg wie geplant Zement in das Bohrloch gepumpt werde, um die Quelle dauerhaft zu verschließen. Möglich sei auch, dass zunächst nochmals Schlamm nachgepumpt werde.
Krisenkoordinator Allen hatte sich zuversichtlich gezeigt, dass der Static Kill funktionieren werde. Dieses Verfahren erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass die am unteren Ende des Bohrlochs geplante Entlastungsbohrung erfolgreich sein werde, sagte er. Das Vorgehen sei "die einzige Lösung", aber auch mit einigen Problemen für die Ingenieure verbunden. "Das Pumpen des Füllstoffs muss mit größter Umsicht vonstatten gehen, um neue Lecks zu verhindern", beschrieb Allen die Risiken.
- Den Ölfluss stoppen: Static Kill
-
Den Ingenieuren ist es gelungen, den gewaltigen Öldruck aus der in rund 5500 Meter Tiefe gelegenen Quelle zu kontrollieren. Nun konnten sie damit beginnen, Bohrschlamm von oben in das Bohrrohr zu pressen.
Das geschieht über zwei Leitungen von einem Schiff an der Wasseroberfläche – deutlich langsamer und mit geringerem Druck als bei der Top-Kill-Methode. Dabei drückt während des Einpumpens von Schlamm gleichzeitig Öl nach oben. Dieses Verfahren blieb ohne Erfolg.
Sobald genügend Schlamm in der Leitung steckt, um den Ölfluss zu stoppen, wird Zement nachgefüllt. Der Zement soll in der Leitung verhärten und sie abdichten.
Das Prozedere könnte mehrere Tage in Anspruch nehmen; im günstigsten Fall geht es in rund 24 Stunden.
- Bottom Kill
-
Mit diesem Verfahren beginnt BP, sobald die Static-Kill-Methode abgeschlossen ist. Dafür arbeiten die BP-Ingenieure seit fast drei Monaten an zwei Entlastungsbohrungen von der Meeresoberfläche bis hin zur Ölquelle tief unter dem Meeresboden.
In der kommenden Woche sollen die letzten Meter der ersten Entlastungsbohrung fertig gestellt werden, um dann auch von unten Schlamm und Zement in die ursprüngliche Leitung zu schicken und so zu versiegeln.
Für den Fall, dass die erste Entlastungsbohrung ihr Ziel verfehlt, gibt es mit der zweiten Bohrung in wenigen Wochen eine zweite Chance.
Für den Bottom Kill veranschlagen die Experten einige Tage bis hin zu wenigen Wochen.
- Neue Lecks?
-
Die Methoden Static Kill und Bottom Kill sind nicht ohne Risiko. Das Bohrloch könnte dem Druck entweder nicht standhalten oder aber das Öl sucht sich über Risse und Geröllspalten am Meeresgrund neue Wege in den Golf von Mexiko.
Die ersten Testergebnisse liefern bislang keine Hinweise auf eine derartige Gefahr. Das Prozedere wurde allerdings noch nie zuvor in derartigen Tiefen durchgeführt.
Sollte dies aber gelingen, wäre Static Kill abgeschlossen und der zweite Teil der endgültigen Versiegelung könnte beginnen. Mit Hilfe einer Methode namens Bottom Kill soll dann auch das Öl-Reservoir in etwa vier Kilometern Tiefe im Meeresboden verschlossen werden. Dabei wird durch eine Entlastungsbohrung auch am unteren Ende der Bohrleitung Schlamm und Zement eingefüllt. Mit dieser Operation will BP dann in der kommenden Woche beginnen.
Begonnen hatte die Öl-Katastrophe am 20. April, als die Ölplattform Deepwater Horizon explodierte . Die gesamte Golfregion – Flora und Fauna ebenso wie die Fischerei- und Tourismuswirtschaft – kämpfen seitdem mit den Folgen der Ölpest. Insbesondere die empfindliche Marschlandschaft an der Südküste der USA ist in Mitleidenschaft gezogen.
Auch der Mineralölkonzern selbst ist in der Bredouille : BP ist mit immensen Schadensersatzansprüchen konfrontiert, steht wegen seines miesen Krisenmanagements in der Kritik und muss sich gegen Vorwürfe wehren, Sicherheitsbedenken ignoriert und die Gefahren von Ölbohrungen in solcher Tiefe unterschätzt zu haben. Konzernchef Tony Hayward wird Ende Oktober abgelöst werden.
Gemessen an den neuen Schätzungen über die ausgelaufenen Ölmenge droht BP nun eine Entschädigungsforderung der US-Regierung in Höhe von 17,6 Milliarden Dollar (gut 13 Milliarden Euro). Pro Barrel ausgelaufenen Rohöls kann laut US-Recht eine Strafe von bis zu 4300 Dollar fällig werden. Bislang bildete BP Rücklagen in Höhe von 32,2 Milliarden Dollar. Einen Teil der Kosten will BP offenbar auf Subunternehmer abwälzen. Nach eigenen Angaben stellte BP den Partnerfirmen Mitsui und Anadarko Rechnungen in Höhe von insgesamt knapp 1,3 Milliarden Dollar.
Die wirtschaftlichen und ökologischen Gesamtschäden lassen sich bislang nur abschätzen. Laut einer Studie der Columbia-Universität gaben 40 Prozent von 1200 befragten Bewohnern in den Bundesstaaten am Golf von Mexiko an, sie seien direkt von der Ölpest betroffen. Ein Fünftel erklärte, ihre Kinder hätte gesundheitliche oder psychische Probleme durch die Umweltkatastrophe – diese reichten von Atemproblemen, Ausschlägen bis zu Angstzuständen und Schlaflosigkeit. Ein Fünftel der Befragten aus der vielfach von Fischerei und Tourismus lebenden Region gab an, dass sein Einkommen infolge des Unglücks gesunken sei.
- Datum 04.08.2010 - 09:30 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
- Kommentare 17
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Es ist noch nicht mal die bestehende Katastrophe gelöst, da stehen schon die Bohrer bereit um im Mittelmeer von Neuem zu beginnen. Dort plant BP mit einer über 2000(!)m tiefen Bohrung vor der Küste Lybiens ein noch größeres Risiko einzugehen. Da sich der Konzern diese Erschließung für 900 Millionen Dollar von Lybien erkauft hat, ist es relativ unwahrscheinlich das BP Abstand davon nehmen wird.
Viel Spaß uns allen.
und schon bräuchten wir weniger Öl.
Aber solange es Menschen gibt die 3km nicht ohne ihren 4-eckigen Kasten zurücklegen können, wird sich an der Situation nicht änder, vor allem wenn man daran denkt, das noch ein paar Millionen Chinesen auch noch rumfahren wollen wie wir.
Da waren wir mal richtig schlechte Vorbilder und können es den anderern auch nicht verbieten wenn wir noch nicht einmal ansatzweise dabei sind unseren Verkehr zurückzufahren.
Wohl eher ein paar Milliarden !
denn momentan haben sie etwa 1.3 Milliarden Einwohner...bis dann Milliarden fahren wollen dauerts sicher noch 2 Jahrhunderte.
Wohl eher ein paar Milliarden !
denn momentan haben sie etwa 1.3 Milliarden Einwohner...bis dann Milliarden fahren wollen dauerts sicher noch 2 Jahrhunderte.
Bitte berichten Sie umgehend über die großflächige
Vergiftung des Meeres durch COREXIT und den Insider-
Handel VOR dem Unglück!
Es wäre an der "Zeit"!
Desweiteren ergäbe sich daraus die Möglichkeit über die Firmen zu berichten, welche BP zu 100% biologisch abbaubare Mittel zur Ölzerstzung angeboten haben, diese aber auf eine Barriere aus Ignoranz gestoßen sind.
Evtl. ein Interview...
http://www.biosativa.com/
es gibt bereits Artikel, die sich mit der Chemikalie Corexit 9500 befassen:
http://www.zeit.de/wissen...
http://www.zeit.de/wissen...
Weitere Artikel zum Thema Ölpest finden Sie hier:
http://www.zeit.de/themen...
Freundliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion
Es wäre an der "Zeit"!
Desweiteren ergäbe sich daraus die Möglichkeit über die Firmen zu berichten, welche BP zu 100% biologisch abbaubare Mittel zur Ölzerstzung angeboten haben, diese aber auf eine Barriere aus Ignoranz gestoßen sind.
Evtl. ein Interview...
http://www.biosativa.com/
es gibt bereits Artikel, die sich mit der Chemikalie Corexit 9500 befassen:
http://www.zeit.de/wissen...
http://www.zeit.de/wissen...
Weitere Artikel zum Thema Ölpest finden Sie hier:
http://www.zeit.de/themen...
Freundliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion
Wohl eher ein paar Milliarden !
Es wäre an der "Zeit"!
Desweiteren ergäbe sich daraus die Möglichkeit über die Firmen zu berichten, welche BP zu 100% biologisch abbaubare Mittel zur Ölzerstzung angeboten haben, diese aber auf eine Barriere aus Ignoranz gestoßen sind.
Evtl. ein Interview...
http://www.biosativa.com/
So hätte die Überschrift eigentlich lauten sollen.
Und weiter geht´s, denn die Entlastungsbohrungen sind gleichzeitig auch Entnahmestellen!
Ich kann mich "am Abgrund" nur anschliessen, er schreibt: "3. Liebe Zeit.
Bitte berichten Sie umgehend über die großflächige
Vergiftung des Meeres durch COREXIT und den Insider-
Handel VOR dem Unglück!"
Genau! Skandal!
Statt den Vergleich mit Berlin anzubringen, wäre evtl ein einfacher Strich mit maßstabsgetreuer Länge angebracht gewesen, wie man das auf einer Karte erwarten kann und Berlin von mir aus als Ergänzung.
Wobei ich den Maßstab "Berlin", so wie er dargestellt wird, als nicht Maßstabgerecht erachte.
Wobei ich den Maßstab "Berlin", so wie er dargestellt wird, als nicht Maßstabgerecht erachte.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren