TierschutzRobbenfelle dürfen trotz Embargos weiter verkauft werden

Kaum war das EU-weite Handelsverbot gegen Robbenprodukte wirksam, ist es schon wieder ausgesetzt. In letzter Minute hat ein Gericht die komplette Regelung gestoppt. von dpa und AFP

Ein Robbenbaby auf Prince Edward Island in Kanada

Ein Robbenbaby auf Prince Edward Island in Kanada  |  © Stewart Cook/IFAW

Die jahrzehntelange Kritik von deutschen und europäischen Tierschützern hatte sich gelohnt: Im vergangenen Juli beschloss die Europäische Union, die Einfuhr von Robbenfellen und anderen Robbenprodukten zu stoppen. An diesem Freitag trat das Embargo in Kraft – eigentlich. Denn der Jubel der Tierschützer ist verfrüht: Der Europäische Gerichtshof gab in letzter Minute neuen rechtlichen Einwänden gegen das Handelsverbot statt. Die Regelung ist bis zur endgültigen Klärung der Vorwürfe ausgesetzt.

Insgesamt 16 Organisationen und Einzelpersonen hatten gegen die Vorschrift geklagt, wonach grundsätzlich keine Robbenprodukte mehr auf den Markt gebracht werden dürfen. Zu den Beschwerdeführern gehören Unternehmen wie die Canadian Seal Marketing Group in Quebec, Jäger sowie die Vereinigungen der arktischen Ureinwohner Inuit in Kanada und Grönland. Alle wären von dem Embargo betroffen.

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Unter anderem wollen die Inuit in Kanada erreichen, dass das Embargo für sie überhaupt nicht gilt. Dabei wurden die Ureinwohner schon mit einer Sonderregelung bedacht: So gilt das Verbot für sämtliche Robben-Produkte, darunter neben den Fellen auch für Öle, Häute und Tran – es sei denn, sie stammen von den Inuit. Allerdings gilt diese Ausnahme nur dann, wenn diese Inuit die Robbenjagd nicht kommerziell betreiben. Gegen diese Bedingung wehren sie sich.

Nun haben die Kläger bis zum 7. September Zeit, ihre Argumentation zu präzisieren und einzureichen. Diese werden auch in öffentlichen Anhörungen vor dem Gericht gehört werden. Im Anschluss dann soll der Richter entscheiden, ob die Regelung weiter ausgesetzt bleibt und zwar dann so lange bis ein endgültiges Urteil über das Verbot gefällt wird. Einen festen Zeitplan für das weitere Vorgehen gibt es laut EU aber nicht.

Weltweit werden im Jahr rund 900.000 Robben getötet, die meisten davon in Kanada, Grönland und Norwegen. Tierschützer kritisieren die Robben-Jagd als grausame Tierquälerei. Kanada dagegen verteidigt die Jagd und nannte das EU-Embargo eine "komplett unfaire" Entscheidung. Die kanadischen Robbenjäger würden "eklatant diskriminiert". Zuvor hatten bereits die USA und Mexiko ihren wichtigsten Handelspartner verärgert: Auch sie hatten ein Handelsverbot gegen Robben-Produkte verhängt.

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Leserkommentare
    • Gerry10
    • 20. August 2010 19:05 Uhr

    ...ein Handelsverbot zu verhängen das funktioniert und die EU nicht?
    Was für Clowns regieren uns eigentlich?

    • Felefon
    • 20. August 2010 22:18 Uhr

    Ich erinnere mich an meine Lieblingskinderschuhe :

    das waren so halb hohe Stiefel mit Fell drumrum und roten Schnürsenkeln, die man vor der Inbetriebnahme in Haken einsortieren mußte.

    Zur Herkunft dieser sehr geliebten behaarten Schuhe wurde mir gesagt - die wären aus Robben.

    Ich habe mir auf dem Weg in den Kindergarten oft ausgemalt, wie ich später mal in meinen Robbenschuhen mit den roten Schnürsenkeln in die Welt schreiten werde.

    Zur Zeit tragen Kinder vorwiegend Plastiksandalen mit Klettverschluß.

    Vielleicht wird aber in 30 Jahren dann auch die Gummiente naturgeschützt und die übernächste Generation stellt dann bereits archäologische Untersuchungen über Schleifemachen und Schnürsenkel an.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Buh
    • 21. August 2010 0:32 Uhr

    Sie sagen also dass ein Embargo blöd ist, weil sie als sie noch ein kleines Kind waren so knorke Robbenfellschuhe hatten und wenn wir diesen glorreichen Kulturakt nun verhindern die Kinder nur noch plastikschuhe mit KLettverschluss tragen würden? Ist das wirklich Ihre Argumentation? Wissen Sie nicht, dass es auch wunderbare Schuhe aus Kusntstoffen gibt die garnicht danach aussehen? Lederersatz? Ich selber trage 15-Loch Springerstiefel aus Veganem Material, und man glaubt es kaum, aber da sind Schnürsenkel dran! Es gibt viele MAterialen um schuhe herzustellen. Nehmen wir zb die tollen veganen Birkenstocksandalen aus Birkoflor, oder die von mir erwähnten Stiefel von denen es auch viele weitere Variationen gibt.

    Hier zB: http://www.vegane-zeiten....
    oder Hier: http://www.vegetarian-sho...

    Wir können auch ohne Ausbeute und Morde leben! Der Mord an wildlebenden Tieren ist neben dem Verbrechen an dem jeweiligen individuum auch ein Verbrechen an die Natur.

    Ihre Argumentation ist erschreckend banal, für ein so sensibles Thema.

    • Buh
    • 21. August 2010 0:27 Uhr

    WQenn wir einfach aufhören würden nichtmenschliche Tiere zu ermorden und ihre betsandteile zu verhökern oder zu verschlingen als seien diese Tiere Gegenstände ohne Gefühle und Bewusstsein?

    Sie reden darüber, wie es die Mehrheit traditionell empfindet. Aber das macht es nicht richtig. Der Mord und die Quälereien an den Tieren ist das größte legale Gräuel unserer Gesellschaft. Mögen wir eines Tages davon Abstand nehmen, wie wir es bei den Diskriminierungen von Schwarzen (o.a. Ethnische Minderheiten), Frauen und Kindern bereits tun.

    Antwort auf "Pferdefell geht auch.."
    • Buh
    • 21. August 2010 0:32 Uhr

    Sie sagen also dass ein Embargo blöd ist, weil sie als sie noch ein kleines Kind waren so knorke Robbenfellschuhe hatten und wenn wir diesen glorreichen Kulturakt nun verhindern die Kinder nur noch plastikschuhe mit KLettverschluss tragen würden? Ist das wirklich Ihre Argumentation? Wissen Sie nicht, dass es auch wunderbare Schuhe aus Kusntstoffen gibt die garnicht danach aussehen? Lederersatz? Ich selber trage 15-Loch Springerstiefel aus Veganem Material, und man glaubt es kaum, aber da sind Schnürsenkel dran! Es gibt viele MAterialen um schuhe herzustellen. Nehmen wir zb die tollen veganen Birkenstocksandalen aus Birkoflor, oder die von mir erwähnten Stiefel von denen es auch viele weitere Variationen gibt.

    Hier zB: http://www.vegane-zeiten....
    oder Hier: http://www.vegetarian-sho...

    Wir können auch ohne Ausbeute und Morde leben! Der Mord an wildlebenden Tieren ist neben dem Verbrechen an dem jeweiligen individuum auch ein Verbrechen an die Natur.

    Ihre Argumentation ist erschreckend banal, für ein so sensibles Thema.

    • Atan
    • 21. August 2010 9:50 Uhr

    Wirtschaftsteil? Ich habe mich jedenfalls schon immer gewundert, wie die EU so etwas begründen will. Allein hierzulande werden werden mehr Bambis und Wildschweinbabies abgeknallt als kleine Robben in Kanada, nur essen wir die alle selber auf und exportieren die nicht. Allerdings exportieren wir jede Menge Agrarprodukte, und der Staat achtet sehr darauf, dass Bambi und Schweini in ausreichender Zahl füsiliert werden, um den Anbau von Energiemais und Wertholz nicht zu beeinträchtigen. Dänemark zahlt sogar Kopfprämien, damit kein Wildschwein lebend die dänische Grenze überschreitet.
    Also nur ein Fall schwerer Heuchelei, den die Gerichte logischerweise aufgehoben haben.

  1. Es ist wirklich eine Riesenschweinerei, dass sich offenbar wieder einmal Geld und skrupelloses Eigeninteressen von Lobbyisten, - tragischerweise diesmal gegen wehrlose Geschöpfe - durchsetzt. Bleibt nur zu hoffen, dass der Sieg dieser grausamen Robbenfänger im Interesse eines respektvollen Umgangs mit dem Leben in unserer Welt nur ein vorläufiger bleibt. Sollte im Setember aber eine Entscheidung gegen den Tierschutz fallen, so muss sich dieser erheben, in bislang ungekannter Stärke.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Europäische Union | Europäischer Gerichtshof | Gericht | Inuit | Jagd | Kanada
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