Vulkanausbruch in Indonesien "Schlafende Vulkane sind immer gefährlich"

Nach gut 400 Jahren Pause spuckt der Vulkan Sinabung auf Sumatra Asche. Horst Letz vom Tsunami-Frühwarnzentrum erklärt, warum Vulkanausbrüche schwer vorhersagbar sind.

Der Vulkan Sinabung auf Sumatra am 31. August: Asche und Rauch steigen aus dem Krater empor

Der Vulkan Sinabung auf Sumatra am 31. August: Asche und Rauch steigen aus dem Krater empor

ZEIT ONLINE: Auf der indonesischen Insel Sumatra ist nach mehr als 400 Jahren der Sinabung-Vulkan ausgebrochen. Inzwischen gab es zwei heftige Eruptionen, rund 20.000 Menschen sind auf der Flucht. Zeigte sich der Vulkanausbruch auch auf den Monitoren des Tsunami-Frühwarnzentrums in Jakarta, wo Erdbeben im ganzen indonesischen Raum registriert werden, um vor Flutwellen warnen zu können?

Horst Letz: Die Magnituden von Vulkanbeben sind in der Regel nicht sehr groß und werden oft nur in unmittelbarer Nähe registriert. Im Fall des Gunung Sinabung konnten wir den sogenannten vulkanischen Tremor nicht messen – das sind Erschütterungen, die in kurzen Abständen aufeinanderfolgen und durch aufsteigende Vulkanaschen im umliegenden Gestein entstehen. In diesem Fall haben wir auch keine länger anhaltende höhere seismische Aktivität registriert, praktisch ein an- und abschwellen erhöhter Bodenunruhe. Solche seismischen Spuren wären sehr charakteristisch für einen Vulkanausbruch. Die nächstgelegene seismische Beobachtungsstation des Tsunami-Frühwarnzentrums steht in Parapat, etwa 83 Kilometer südöstlich des Vulkans Sinabung am Ufer des Lake Toba. Sie ist damit zu weit entfernt, um Vulkanbeben sicher aufzuzeichnen.

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ZEIT ONLINE: Ist es vor, während und nach der Eruption des Gunung Sinabung zu Erdbeben gekommen?

Letz: In Indonesien ist es in den letzten Wochen seismisch ausgesprochen ruhig geblieben. Auch am vergangenen Wochenende gab es im Bereich Sinabung keine nennenswerten Erdbeben, von denen man sagen könnte, sie weisen auf einen bevorstehenden Ausbruch hin.

ZEIT ONLINE: Der Vulkan ruhte 400 Jahre, bevor er jetzt wieder aktiv wurde. Hatten Seismologen mit einem Ausbruch gerechnet? Gab es Anzeichen dafür?

Letz: Es gibt durchaus Vulkane, und das nicht nur in Indonesien, die keine Anzeichen von Aktivität zeigen und dennoch nicht ganz erloschen sind. Bei diesen schlafenden Vulkanen muss man immer mit einem Ausbruch rechnen. Gunung Sinabung hat keine Anzeichen gezeigt, dass er sich regen würde. Aber was sind schon 400 Jahre vulkanische Inaktivität, gemessen an der geologischen Zeitskala? Interessant ist allerdings, dass am Gunung Sinabung im Jahr 1912 "solfatarische Aktivität" beobachtet wurde, das heißt, Schwefelgase traten aus. Wenn diese Beobachtung stimmt, hat der Vulkan also nicht 400 Jahre durchgeschlafen.

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Für weitere Fotos des Vulkanausbruchs auf Sumatra klicken Sie auf das Bild

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ZEIT ONLINE: Hätte man die Bevölkerung vor so einem Ausbruch warnen können?

Letz: Die landesweite Vulkanüberwachung liegt in den Händen des Indonesischen Vulkanologischen Dienstes ( Volcanological Survey of Indonesia , VSI) . Die Mitarbeiter dort haben ein eigenes Beobachtungsnetzwerk, das in erster Linie aus kurzperiodischen Seismometern besteht. Doch diese Geräte können Aktivitäten erst aufzeichnen, wenn sie passieren. Mit den ersten Aschewolken sieht dann jeder unmissverständlich was sich am Vulkan zusammenbraut. Vorhersagen lassen sich Vulkanausbrüche leider nicht immer.

ZEIT ONLINE: Lässt der Ausbruch darauf schließen, dass tektonische Platten unter Sumatra besonders aktiv sind? Ist deshalb auch verstärkt mit Beben und infolgedessen mit Tsunami-Wellen zu rechnen?

Letz: Der Sumatra-Java-Inselbogen ist tektonisch und damit seismisch sehr aktiv. Entsprechend häufig sind Erdbeben und Vulkanausbrüche. Die Indo-Australische-Platte schiebt sich unter die Eurasische Platte, auf der Sumatra, Java und alle übrigen indonesischen Inseln sitzen. Die Indo-Australische-Platte taucht unter den Sumatra-Java-Inselbogen ab und dringt 300 bis 400 Kilometer tief in den Erdmantel ein. Deshalb messen wir hier in Indonesien Erdbeben, die ihren Herd in diesen gewaltigen Tiefen haben.

Im Vergleich zu tektonischen Erdbeben kommt es bei Vulkanausbrüchen nur zu relativ schwachen Beben mit Magnituden bis 6. Wenn die Erdplatten sich unter großen Spannungen verschieben, kann es dagegen zu schweren Erschütterungen kommen. In Sumatra hatten wir nach dem gewaltigen Beben mit der Magnitude 9,3 am zweiten Weihnachtstag 2004 , das gewaltige Tsunami-Wellen auslöste und Hunderttausende Menschen in den Tod riss , mindestens fünf weitere Erdbeben mit Magnituden zwischen 6,9 und 7,6. Wenn solche Erdbeben dicht unter der Oberfläche unterhalb des Indischen Ozeans auftreten, haben sie Tsunami-Potenzial.

 
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