Umweltpsychologie Grün kaufen, schlecht handeln
Psychologen haben die "dunkle Seite" von Bio-Produkten untersucht: Die Waren können zu unsozialem Verhalten animieren. Von Sebastian Haupt

Der Kauf von Bio-Produkten kann tatsächlich pro-soziales Verhalten schwächen
Das Steak im Bio-Restaurant stammt von glücklichen Kühen; das Gemüse wuchs ohne Pestizide auf dem Feld. Die Limonade wurde rein biologisch hergestellt und das gemütliche Licht spart dank einer Energiesparlampe Strom. Ein perfektes Dinner – das schmeckt und hinterlässt auch noch das gute Gefühl, etwas für die Umwelt getan zu haben. Ein so gutes Gefühl, dass der Gast glatt vergisst, den Kellner auf das fehlende Dessert auf der Rechnung hinzuweisen.
Eine Studie aus dem Fachjournal Psychological Science zeigt: Der Kauf von Bio-Produkten kann tatsächlich pro-soziales Verhalten schwächen. Der psychologische Mechanismus dahinter ist der sogenannte Lizenzierungseffekt: Menschen haben prinzipiell ein positives moralisches Selbstbild und handeln entsprechend. Doch häufig tun sich Konflikte auf. Man muss beispielsweise entscheiden, ob es moralisch vertretbar ist, den vergessenen Posten auf der Rechnung nicht zu bezahlen.
- Das Vorurteil: "Grün ist gut"
Im ersten Experiment der Studie ließen Mazar und Zhong ihre Teilnehmer eine Person beurteilen, die grüne Produkte kauft. Das Ergebnis: Öko-Shopper wurde kooperativer, altruistischer und ethisch korrekter eingeschätzt als Käufer von konventionellen Produkten. "Umweltfreundlich" wird demnach mit "moralisch gut" assoziiert – ein gängiges Vorurteil.
Entscheidet sich der Gast dagegen, kostet es ihn etwas – er muss das Dessert bezahlen. Ein sündenloses Selbstbild aufrechtzuerhalten ist also durchaus kostspielig. Entscheidungen verlangen zudem kognitive Ressourcen und überflüssige Anstrengung will das Gehirn lieber vermeiden. Das führt dazu, dass man nach einer guten Tat die darauffolgenden Handlungen einfach nicht mehr so genau auf ihre moralischen Auswirkungen hin überprüft. Das ist die Lizenz zu negativem Sozialverhalten: "Ich habe gerade gezeigt, dass ich eine gute Person bin – alles was ich nun mache, muss ebenso gut sein."
In ihren Experimenten präsentierten Nina Mazar und Chen-Bo Zhong von der Universität Toronto ihren Probanden entweder einen fiktiven Online-Shop mit konventionellen Produkten oder aber identischen Produkten in einer "Bio-Version" (unter anderem Reinigungsmittel, wiederaufladbare Batterien und Kartoffelchips). Je eine Gruppe sollte den Shop lediglich betrachten, eine andere Gruppe sollte einkaufen. In einem Experiment nahmen die Teilnehmer anschließend an dem sogenannten Diktatorspiel teil: Jeder Proband bekam 6 Dollar und konnte entscheiden, wie viel er davon mit einem anonymen Mitspieler teilen wollte. Probanden, die sich den Öko-Shop nur ansahen, teilten signifikant mehr Geld als die Teilnehmer des konventionellen Online-Shops. Wer allerdings im Bio-Shop einkaufte, teilte wesentlich weniger Geld als die die Anderen.
- Single Action Bias
-
Ganz ähnlich wie der Lizensierungseffekt funktioniert der "Single Action Bias" im Kontext von umweltfreundlichem Verhalten: Haben wir einmal etwas Gutes getan, sehen wir das als ausreichend an – unabhängig davon, ob die Handlung zu einem erwünschten Ergebnis führt oder nicht.
Dafür gibt es viele Beispiele: Wir kaufen Energiesparlampen, lassen aber das Licht länger brennen. Wir installieren eine effiziente Heizung, stellen das Thermostat aber höher ein. Wir kaufen kalorienreduzierte Süßigkeiten, essen anschließend aber umso mehr.
- Single Action Bias "in Action"
Lucas W. Davis von der Universität Kalifornien veröffentlichte im Jahr 2008 eine Studie, in welcher die Teilnehmer eine hocheffiziente Waschmaschine zur kostenlosen Nutzung erhielten. Sie unterlagen dem Single Action Bias: Im Laufe des Experiments wuschen die Probanden 5,6 % mehr Wäsche im Vergleich zu vorher. Shahzeen Attari vom "Center for Research on Environmental Decisions" an der Columbia Universität in New York hat in Ihrer Doktorarbeit untersucht, wie Menschen ihr eigenes Umweltverhalten wahrnehmen. Teilnehmer sollten durch verschieden Fragen ein Verantwortungsbewusstsein in Sachen Umweltschutz entwickeln. Die Probanden wurden nach einer Weile befragt, ob sie ihr Umweltverhalten geändert haben. 60 Prozent bejahten dies – eine konkrete Verhaltensänderung konnte jedoch nicht gemessen werden. Ein weiterer Befund: Die Teilnehmer tendierten dazu, Energieverbrauch von größeren Geräten (z. B. einer Waschmaschine) massiv zu unterschätzen. Die Studie liegt dem Journal PNAS vor und wird derzeit für eine Veröffentlichung geprüft.
- Forschung
"Bevor Maßnahmen ergriffen werden, um Menschen zu einem grünen Lifestyle zu bewegen, muss das Umwelt-Verhalten genau untersucht werden. Nur so kann man verhindern das Bumerangeffekte auftreten, welche Energieeinsparungen wieder aufheben", meint Shahzeen Attari. Auch Nina Mazar ist dieser Meinung: "Es ist noch zu früh, um konkrete Empfehlungen zu geben, wie mit dem Lizensierungseffekt umgegangen werden soll. Erst einmal müssen die genauen Bedingungen des Effekts untersucht werden. Es ist noch Einiges an Forschung erforderlich."
In einer anderen Version des Experiments nahmen die Shopper an einem visuellen Wahrnehmungstest teil. Auf einem durch eine Diagonale geteilten Bildschirm sahen die Probanden 20 kleine Kreise. Die Käufer sollten nun in mehreren Durchgängen per Knopfdruck angeben, ob sich mehr Kreise auf der linken oder auf der rechten Seite der Diagonale befanden. Dafür bekamen sie pro richtiger Antwort eine Belohnung: Für mehr Kreise auf der linken Seite einen halben Cent; für mehr Kreise auf der rechten Seite gab es fünf Cent. In 40 Prozent der Durchgänge befanden sich eindeutig erkennbar mehr Kreise auf der rechten Seite. Wer korrekt antwortete, konnte so insgesamt 2,07 Dollar verdienen. Aus einem Umschlag, gefüllt mit 5 Dollar, konnten sich die Teilnehmer anschließend ihren Gewinn entnehmen. Die Produktart beeinflusste auch hier das nachfolgende Verhalten: Konventionelle Shopper identifizierten in 42,4 Prozent der Fälle die Mehrheit der Kreise auf der rechten Seite der Diagonale – sie antworteten also so gut wie korrekt. Die Bio-Shopper gaben hingegen an, dass in 51,4 Prozent der Durchgänge die rechte Seite mehr Kreise enthielt – sie logen! Doch nicht nur das: Sie entnahmen sogar mehr Geld aus dem Umschlag als sie eigentlich verdient hatten – durchschnittlich 50 Cent mehr als die Käufer konventioneller Produkte.
"Wir haben gezeigt, dass ein Risiko für den Lizenzierungseffekt beim Kauf von grünen Produkten besteht", sagt Mazar im Interview, "Doch wir wissen noch nicht, wie bedeutend der Effekt in diesem Kontext wirklich ist und ob er immer auftritt. Der Theorie nach funktioniert die Lizenzierung nur, wenn sich jemand durch eine gute Tat außerordentlich gut fühlt." Wenn es in einer Gesellschaft bereits normal sei, grüne Produkte zu kaufen, vermöge das vielleicht die Lizenzierung abzuwenden, glaubt Mazar. Interessant sei auch zu erfahren, wie lange der Effekt anhalte. "In unseren Experimenten haben wir ihn lediglich kurz nach dem Einkauf nachgewiesen." Derzeit arbeiten Mazar und ihr Kollege an mehreren Folgestudien, um besser zu verstehen, wie sich der Bio-Konsum auf die Gesellschaft auswirkt.
Einen vorsichtigen Schluss könnte man indes bereits ziehen: Die negativen Effekte des Öko-Einkaufs ließen sich abmildern, wenn der Kauf von Bio-Produkten bald zur Selbstverständlichkeit würde. Dann kann man sich nämlich nicht mehr einbilden, etwas besonders Gutes getan zu haben, nur weil man Milch von glücklichen Kühen gekauft hat.
- Datum 06.08.2010 - 13:25 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 95
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Ich wusste es. Bio hat doch negative Seiten.
Mal im ernst. Was soll uns das jetzt sagen? Man hätte genauso gut testen können, ob die Spendenbereitschaft beim Spender dazu führt, sich unsozial zu verhalten. Wäre sogar aktuell gewesen, denn ein paar Milliadäre wollen einen Teil ihres Vermögens spenden. Irgendein Haken muss die Sache haben...
..."soziales" Verhalten ein Konsumprodukt ist und einem abnehmenden Grenznutzen für den Konsumenten aufweist?
..."soziales" Verhalten ein Konsumprodukt ist und einem abnehmenden Grenznutzen für den Konsumenten aufweist?
Man muss sich nur manche Gesichter von Kunden in Bioländen anschauen. Als ob man ihnen gerade den Friedens-Nobel-Preis verliehen hätte.
Dass es Menschen gibt, die sich dieses Konsumverhalten nicht leisten können, kommt in der Wahrnehmung dieser Biohelden nicht vor.
Deutlich wurde dies, als die Grünen skrupellos Gerhard Schröders Sozialkahlschlagpolitik abgenickt haben.
Was gehen uns die Armen an?
Wir sind Bio und Öko - das muss genügen...
Bitte verzichten Sie auf grundlose, respektlose Äußerungen über Mitmenschen. Die Redaktion/is
"Deutlich wurde dies, als die Grünen skrupellos Gerhard Schröders Sozialkahlschlagpolitik abgenickt haben."
Klasse, wie schnell man die Kurve kriegt, um noch mal über die Agenda 2010 diskutieren zu können. Respekt!
Mal ehrlich, was für ein Geschwafel. Ich kaufe Bio aus Überzeugung. So viel Geld habe ich leider nicht, als dass ich mir billig leisten könnte. Und mein Gesichtsausdruck ist beim Kauf von Bio kein anderer als sonst auch, außer vielleicht in Ihrer subjektiven Wahrnehmung, weil Ihnen sonst ein weiteres Vorurteil abhanden kommt. Und die Preisunterschiede zu konventionellen Lebensmitteln sind inzwischen nur noch marginal. Rechnet man die Folgekosten von konventionell hergestellten Einheitsdiscountware noch mit rein, ist Bio am Ende sogar günstiger. Denn von großangelegter Ausbeutung a`la Lidl, KiK, Schlecker und Co. ist mir nichts bekannt. Folgekosten, die wir als Steuerzahler und Sozialbeitragszahler tragen. Und der Kaffeebauer im fernen Afrika bekommt auch mehr für seine Bohnen, als wenn Sie Kaffee beim Discounter kaufen. Also, ich will mir diese Folgekosten nicht leisten, daher kaufe ich überwiegend auf dem Markt und Bio.
Respeklosigkeit unterliegt auch der freien Meinungsäußerung in einer pluralistischen Demokratie.
Wen dies stört, sollt sein Verhältnis zur Demokratie mal hinterfragen.
@Red. Wenn Sie Ihre eigenen Artikel nicht verstehen, was machen Sie dann hier?
Sie, die kontrollierenden Redakteure, scheinen Ihre eigenen Artikel nicht zu verstehen! Sonst könnten Sie den Kommentar nicht als respektlos indizieren! Dieser Kommentar bringt nur den Artikel und das Verhalten der Grünen in der aktuellen Politik (Schröder und auch NachSchröderÄra) in Kontext und zieht Schlüsze! Dieses ist nicht nur zulässig sondern so auch zwingend! Besser läszt sich das Verhalten der Grünen zur Zeit nicht erklären! Immerhin kamen Die mal nicht nur aus der ÖkoEcke, sondern auch aus der Ecke der Sozialen Bewegung, wie man an dem "Alten Haudegen" Stöbele noch heute erkennen kann! Typisch für die Grünen ist inzwischen allerdings auch, dasz Stöbele nur noch über DirektMandat in den Bundestag kommen kann! Er ist meines Wissens nach nicht über die LandesListe abgesichert! Das sagt alles über die Grünen!!
"Deutlich wurde dies, als die Grünen skrupellos Gerhard Schröders Sozialkahlschlagpolitik abgenickt haben."
Klasse, wie schnell man die Kurve kriegt, um noch mal über die Agenda 2010 diskutieren zu können. Respekt!
Mal ehrlich, was für ein Geschwafel. Ich kaufe Bio aus Überzeugung. So viel Geld habe ich leider nicht, als dass ich mir billig leisten könnte. Und mein Gesichtsausdruck ist beim Kauf von Bio kein anderer als sonst auch, außer vielleicht in Ihrer subjektiven Wahrnehmung, weil Ihnen sonst ein weiteres Vorurteil abhanden kommt. Und die Preisunterschiede zu konventionellen Lebensmitteln sind inzwischen nur noch marginal. Rechnet man die Folgekosten von konventionell hergestellten Einheitsdiscountware noch mit rein, ist Bio am Ende sogar günstiger. Denn von großangelegter Ausbeutung a`la Lidl, KiK, Schlecker und Co. ist mir nichts bekannt. Folgekosten, die wir als Steuerzahler und Sozialbeitragszahler tragen. Und der Kaffeebauer im fernen Afrika bekommt auch mehr für seine Bohnen, als wenn Sie Kaffee beim Discounter kaufen. Also, ich will mir diese Folgekosten nicht leisten, daher kaufe ich überwiegend auf dem Markt und Bio.
Respeklosigkeit unterliegt auch der freien Meinungsäußerung in einer pluralistischen Demokratie.
Wen dies stört, sollt sein Verhältnis zur Demokratie mal hinterfragen.
@Red. Wenn Sie Ihre eigenen Artikel nicht verstehen, was machen Sie dann hier?
Sie, die kontrollierenden Redakteure, scheinen Ihre eigenen Artikel nicht zu verstehen! Sonst könnten Sie den Kommentar nicht als respektlos indizieren! Dieser Kommentar bringt nur den Artikel und das Verhalten der Grünen in der aktuellen Politik (Schröder und auch NachSchröderÄra) in Kontext und zieht Schlüsze! Dieses ist nicht nur zulässig sondern so auch zwingend! Besser läszt sich das Verhalten der Grünen zur Zeit nicht erklären! Immerhin kamen Die mal nicht nur aus der ÖkoEcke, sondern auch aus der Ecke der Sozialen Bewegung, wie man an dem "Alten Haudegen" Stöbele noch heute erkennen kann! Typisch für die Grünen ist inzwischen allerdings auch, dasz Stöbele nur noch über DirektMandat in den Bundestag kommen kann! Er ist meines Wissens nach nicht über die LandesListe abgesichert! Das sagt alles über die Grünen!!
Die Taz hat im März schon über diese Studie berichtet
http://taz.de/1/zukunft/k...
Trotzdem, nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern (außer bei der Zeit, die ist erst nach einer Woche alt ;-).
Jedenfalls ist das mit dem Ablasshandel oder dem Opfer im Tempel zur Vergebung irgendwelche Sünden natürlich ein wirklich alter Hut, und dass derartiges Büßer-Verhalten auch auf neumodischen Kram wie Bio-Gemüse (das gab's vor hundert Jahren bestimmt noch nicht ;-) angewandt wird, ist natürlich menschlich.
Trotzdem, nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern (außer bei der Zeit, die ist erst nach einer Woche alt ;-).
Jedenfalls ist das mit dem Ablasshandel oder dem Opfer im Tempel zur Vergebung irgendwelche Sünden natürlich ein wirklich alter Hut, und dass derartiges Büßer-Verhalten auch auf neumodischen Kram wie Bio-Gemüse (das gab's vor hundert Jahren bestimmt noch nicht ;-) angewandt wird, ist natürlich menschlich.
Ich frage mich, wo dieser Lizensierungseffekt noch überall zu finden ist. Wenn nun Bill Gates 40 Milliardäre dazu gebracht hat, jeweils 50% ihres Vermögens für Wohltätige Zwecke zu spenden... der Herr stehe uns bei!
Ehrlich gesagt, kann ich bei der im Artikel dargebotenen Argumentation keinen direkten Bezug zum Kauf von Bio-Produkten erkennen. Die Argumente beziehen sich stets auf das Ausüben einer "guten Tat" und die daraus resultierenden psychologischen Effekte, die das weitere Verhalten der entsprechenden Person beeinflussen. Wie Infamia richtig sagt, könnte man dasselbe Experiment dann auch mit Spendern o. ä. durchführen.
Eine Anmerkung zum Kommentar von FriederGerstenschaum: Es ist richtig, dass viele Menschen wenig Geld für den Kauf von Lebensmitteln zur Verfügung haben und somit auf die teureren Bio-Produkte verzichten müssen. Aber in Zeiten, da selbst ein Großteil der sogenannten Mittelschicht bei Discountern einkauft, kann man - zumindest in dieser Personengruppe - durchaus von einer Prioritätensetzung sprechen. Da geben viele Menschen dann eben mehr Geld für Elektrogeräte, Urlaub, Autos etc. aus, statt für die teureren Lebensmittel.
an die lebensfremdheit der marie antoinette, die auf die bemerkung, daß das volk sich kein brot mehr leisten könne, geantwortet haben soll: na dann sollen sie doch kuchen essen!
sie können sich nicht vorstellen, daß man zu wenig geld verfügbar hat, um sich die guten bio-lebensmittel kaufen zu können UND ebenso keines, um "dann eben mehr Geld für Elektrogeräte, Urlaub, Autos etc." auszugeben. urlaub? auto? elektrogeräte? das werden zunehmend fremdworte für mich. und zwar trotz hochqualifikation und permanenter bemühung um arbveit, deren honorierung jedoch immer stärker sinkt (ein richtig heftiger abwärtsschwung noch einmal, als um die finanzkrise gejammert wurde), so daß man faktisch davon gar nicht mehr recht leben kann. DAS wird immer öfter lebensrealität vieler menschen. und da HAT man dann überhaupt keine entscheidungsmöglichkeit mehr. man ist schlicht gezwungen, noch das zu nehmen, was einen über den monat bringt. und das sind ziemlich sicher keine produkte aus dem biomarkt.
an die lebensfremdheit der marie antoinette, die auf die bemerkung, daß das volk sich kein brot mehr leisten könne, geantwortet haben soll: na dann sollen sie doch kuchen essen!
sie können sich nicht vorstellen, daß man zu wenig geld verfügbar hat, um sich die guten bio-lebensmittel kaufen zu können UND ebenso keines, um "dann eben mehr Geld für Elektrogeräte, Urlaub, Autos etc." auszugeben. urlaub? auto? elektrogeräte? das werden zunehmend fremdworte für mich. und zwar trotz hochqualifikation und permanenter bemühung um arbveit, deren honorierung jedoch immer stärker sinkt (ein richtig heftiger abwärtsschwung noch einmal, als um die finanzkrise gejammert wurde), so daß man faktisch davon gar nicht mehr recht leben kann. DAS wird immer öfter lebensrealität vieler menschen. und da HAT man dann überhaupt keine entscheidungsmöglichkeit mehr. man ist schlicht gezwungen, noch das zu nehmen, was einen über den monat bringt. und das sind ziemlich sicher keine produkte aus dem biomarkt.
"Deutlich wurde dies, als die Grünen skrupellos Gerhard Schröders Sozialkahlschlagpolitik abgenickt haben."
Klasse, wie schnell man die Kurve kriegt, um noch mal über die Agenda 2010 diskutieren zu können. Respekt!
Mal ehrlich, was für ein Geschwafel. Ich kaufe Bio aus Überzeugung. So viel Geld habe ich leider nicht, als dass ich mir billig leisten könnte. Und mein Gesichtsausdruck ist beim Kauf von Bio kein anderer als sonst auch, außer vielleicht in Ihrer subjektiven Wahrnehmung, weil Ihnen sonst ein weiteres Vorurteil abhanden kommt. Und die Preisunterschiede zu konventionellen Lebensmitteln sind inzwischen nur noch marginal. Rechnet man die Folgekosten von konventionell hergestellten Einheitsdiscountware noch mit rein, ist Bio am Ende sogar günstiger. Denn von großangelegter Ausbeutung a`la Lidl, KiK, Schlecker und Co. ist mir nichts bekannt. Folgekosten, die wir als Steuerzahler und Sozialbeitragszahler tragen. Und der Kaffeebauer im fernen Afrika bekommt auch mehr für seine Bohnen, als wenn Sie Kaffee beim Discounter kaufen. Also, ich will mir diese Folgekosten nicht leisten, daher kaufe ich überwiegend auf dem Markt und Bio.
wie sie mit ihrem kommentar obiges bild astrein bestätigt haben? alle ihre argumente: die bestätigung ihrer eigenen guten tat durch den kauf von bio-produkten! und die anderen, die bei lidl & co kaufen, die verurteilen sie, wegen der folgekosten. so funktioniert selbstbestätigung und abwertung des gegenübers.
"Und der Kaffeebauer im fernen Afrika bekommt auch mehr für seine Bohnen, als wenn Sie Kaffee beim Discounter kaufen."
Diese Aussage kann nur als ein "positives" Vorurteil qualifiziert werden. Jeder, der sich einigermaßen mit den Kaffee-Produktionsbedingungen in Afrika und Lateinamerika auskennt, wird Ihnen bestätigen, dass DER Kaffeebauer derselbe Multi ist, der auch die ach so geschmähten Aldi und Lidl beliefert. Und falls Sie den einfachen Plantagenarbeiter gemeint haben: Er bekommt für seine Plackerei nicht einen Cent mehr, nur weil es möglicherweise um "fair gehandelten" Rohkaffee geht. Wer wirklich am so genannten ökologischen Gewissen verdient, sind die Multis und die Zwischenhändler.
Bitte führen Sie Quellen dafür anführen, dass die Idee des Konzepts des Fair Trade Kaffee nicht funktioniert. Die REdaktion/is
Somit bedarf es dann auch keiner weiteren Zeile.
"und Co. ist mir nichts bekannt[...]" Mir ist sind sie wohl bekannt! Habe als Studentin einige Jahre zunächst als Aushilfe, später sogar noch ein paar mehr Stunden mehr bei der Bio-Company in Berlin gearbeitet. Dies ist eine Bio-Supermarkt-Kette, die inzwischen um die 20 Finlialen in Berlin und anderen Großstädten haben müsste. B.-Company, expandiert stetig um das Ziel ein Konzern zu werden, zu realisieren. -Natülich auf Kosten der Angestellten. Die Arbeitspolitik dieses Unternehmens ist zum Himmel schreiend! (Wenn Sie möchsten, dass ich ins Detail gehe, hole ich das nach!)
Fortsetzung folgt ... ;)
Ansonsten befürworte ich das, was sie schreiben! Es fällt mir schwer, die "Hetze" gegen die "bio-öko-und faitrade-konsumierenden Gutmenschen" zu verstehen. Vielleicht verstehen viele Menschen deren Verhalten als Appell, werden vom "schlechten Gewissen" geplagt und rebellieren dagegen, weil sie sich angegriffeb fühlen... (???)
Ein gutes Beispiel dafür, was der Artikel vielleicht auszudrücken versucht, waren/sind meine (Ex)KollegInnen und ich, die neben Bio-und Fair-Trade-Produken arbeiten und solche verkaufen, jedoch selbst nicht "fair-treated" sind. -Und es auch nicht werden solange sich "das große Ganze" (siehe freie Marktwirtschaft im globalisierten Turbokapitalismus) nicht ändert. Sich ethisch, moralisch, ökologisch korekt(er) zu verhalten ist eine echte Herausforderung, aber fällt man die Entscheidung, dann gibt es einfach kein wenn und aber... Schöner und lustiger Buchtipp zum Thema: "Fast nackt -mein abendteuerlicher Versuch ethisch korrekt zu leben" von Leo Hickman, im Piper-Verlag erschienen. :)
wie sie mit ihrem kommentar obiges bild astrein bestätigt haben? alle ihre argumente: die bestätigung ihrer eigenen guten tat durch den kauf von bio-produkten! und die anderen, die bei lidl & co kaufen, die verurteilen sie, wegen der folgekosten. so funktioniert selbstbestätigung und abwertung des gegenübers.
"Und der Kaffeebauer im fernen Afrika bekommt auch mehr für seine Bohnen, als wenn Sie Kaffee beim Discounter kaufen."
Diese Aussage kann nur als ein "positives" Vorurteil qualifiziert werden. Jeder, der sich einigermaßen mit den Kaffee-Produktionsbedingungen in Afrika und Lateinamerika auskennt, wird Ihnen bestätigen, dass DER Kaffeebauer derselbe Multi ist, der auch die ach so geschmähten Aldi und Lidl beliefert. Und falls Sie den einfachen Plantagenarbeiter gemeint haben: Er bekommt für seine Plackerei nicht einen Cent mehr, nur weil es möglicherweise um "fair gehandelten" Rohkaffee geht. Wer wirklich am so genannten ökologischen Gewissen verdient, sind die Multis und die Zwischenhändler.
Bitte führen Sie Quellen dafür anführen, dass die Idee des Konzepts des Fair Trade Kaffee nicht funktioniert. Die REdaktion/is
Somit bedarf es dann auch keiner weiteren Zeile.
"und Co. ist mir nichts bekannt[...]" Mir ist sind sie wohl bekannt! Habe als Studentin einige Jahre zunächst als Aushilfe, später sogar noch ein paar mehr Stunden mehr bei der Bio-Company in Berlin gearbeitet. Dies ist eine Bio-Supermarkt-Kette, die inzwischen um die 20 Finlialen in Berlin und anderen Großstädten haben müsste. B.-Company, expandiert stetig um das Ziel ein Konzern zu werden, zu realisieren. -Natülich auf Kosten der Angestellten. Die Arbeitspolitik dieses Unternehmens ist zum Himmel schreiend! (Wenn Sie möchsten, dass ich ins Detail gehe, hole ich das nach!)
Fortsetzung folgt ... ;)
Ansonsten befürworte ich das, was sie schreiben! Es fällt mir schwer, die "Hetze" gegen die "bio-öko-und faitrade-konsumierenden Gutmenschen" zu verstehen. Vielleicht verstehen viele Menschen deren Verhalten als Appell, werden vom "schlechten Gewissen" geplagt und rebellieren dagegen, weil sie sich angegriffeb fühlen... (???)
Ein gutes Beispiel dafür, was der Artikel vielleicht auszudrücken versucht, waren/sind meine (Ex)KollegInnen und ich, die neben Bio-und Fair-Trade-Produken arbeiten und solche verkaufen, jedoch selbst nicht "fair-treated" sind. -Und es auch nicht werden solange sich "das große Ganze" (siehe freie Marktwirtschaft im globalisierten Turbokapitalismus) nicht ändert. Sich ethisch, moralisch, ökologisch korekt(er) zu verhalten ist eine echte Herausforderung, aber fällt man die Entscheidung, dann gibt es einfach kein wenn und aber... Schöner und lustiger Buchtipp zum Thema: "Fast nackt -mein abendteuerlicher Versuch ethisch korrekt zu leben" von Leo Hickman, im Piper-Verlag erschienen. :)
Nunja, Bio ist nicht 'die' Lösung
Also der Begriff "Lizensierungseffekt" ist wirklich top.
Jetzt verstehe ich auch, warum Gewerkschaften, Kirchen und soziale Institutionen oft wirklich miese Arbeitgeber sind- man ist schon per Definition "gut"- brauchts dann also nach innen nicht zu sein.
Gleiches gilt,individuell, für Leute die auf Wohltätigkeitsbälle gehen-(anstatt Geld einfach anonym zu penden)- man kauft sich die die Lizenz zum Champagnerschlürfen "für die Armen" und grinst dann noch selbsterfüllt in die Kameras.
Wie ein Begriff doch manches aufschließt....
Der Begriff "Lizensierungseffekt" schließt für mein Empfinden gar nichts auf, sondern trägt wenn überhaupt zur Schließung der Fronten bei. Dass man dem Bettler an der Straße im Regelfall nicht spendet, weil er einem als Mensch so wichtig ist, sondern weil er einem A) auf den Senkel geht oder man B) ein schlechtes Gewissen mit Hinblick auf seinen Reichtum bekommt, anders gesprochen: dass wir unser Gewissen zu entlasten suchen...das ist doch wahrlich nichts Neues. Alten Wein in neue Schläuche und dann lässt es sich auch als tolle wissenschaftliche Erkenntnis verkaufen, für alle die es noch nicht geschnallt haben. Auf der anderen Seite trägt dieses Framing dazu bei, dass all die, die durch ihren Konsum versuchen etwas zu ändern als "schlechtere Menschen", als "Juppies" oder solche "die es nötig haben" gebrandmarkt werden. Ich sehe nicht weswegen man sich dafür begeistern sollte.
Der Begriff "Lizensierungseffekt" schließt für mein Empfinden gar nichts auf, sondern trägt wenn überhaupt zur Schließung der Fronten bei. Dass man dem Bettler an der Straße im Regelfall nicht spendet, weil er einem als Mensch so wichtig ist, sondern weil er einem A) auf den Senkel geht oder man B) ein schlechtes Gewissen mit Hinblick auf seinen Reichtum bekommt, anders gesprochen: dass wir unser Gewissen zu entlasten suchen...das ist doch wahrlich nichts Neues. Alten Wein in neue Schläuche und dann lässt es sich auch als tolle wissenschaftliche Erkenntnis verkaufen, für alle die es noch nicht geschnallt haben. Auf der anderen Seite trägt dieses Framing dazu bei, dass all die, die durch ihren Konsum versuchen etwas zu ändern als "schlechtere Menschen", als "Juppies" oder solche "die es nötig haben" gebrandmarkt werden. Ich sehe nicht weswegen man sich dafür begeistern sollte.
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