Das Video zeigt nur einige der faszinierenden Kreaturen, die im Rahmen desProjekts Census of Marine Life in den Ozeanen der Erde entdeckt worden sind

Die Wissenschaftler der größten Volkszählung der Meere haben Bilanz gezogen: Vom Einzeller bis zum Blauwal leben in den Ozeanen rund 230.000 Arten. Nirgendwo sonst allerdings fühlen sich so viele verschiedene Meerestiere zu Hause wie um Japan und Australien . So kommen in beiden Seegebieten jeweils rund 33.000 verschiedene Arten vor, berichten die Forscher des Census of Marine Life .

Die Erhebung des zehnjährigen Projekts kommt zwar erst Anfang Oktober zu ihrem vorläufigen Höhepunkt – aber schon jetzt ist ein Großteil der Resultate in gleich mehreren Untersuchungen im Journal PloS One nachzulesen.

Zu den bisherigen Funden gehören ein Urzeitkrake, feengleiche Meeresschnecken, riesige Einzeller und besonders hitzeresistente Muscheln. An der Zählung sind inzwischen rund 2000 Forscher aus etwa 80 Ländern beteiligt. Nie zuvor ist die Frage "Was lebt im Meer?" so genau beantwortet worden. Und nie zuvor gab es so viel Grund zur Sorge, denn der Mensch bedroht die Vielfalt massiv.

Eine Galerie zeigt bizarre Eichelwürmer, Seegurken und Quallen © David Shale

Das Meer um China, der kürzlich durch Öl verseuchte Golf von Mexiko und das Mittelmeer gehören ebenfalls zu den Top 5 der Arten- Rangliste, teilen die Teams mit. Fische sind dabei zwar die bekanntesten, aber bei weitem nicht die häufigsten Lebewesen. Diese Rolle fällt den Krebstieren zu: Shrimps, Hummer, Krabben, Krill, Seepocken und andere Vertreter kommen auf 19 Prozent des Arteninventars. Weichtiere wie Tintenfische, Muscheln und Schnecken stellen 17 Prozent, und erst dann kommen mit 12 Prozent die Fische. Darauf folgen Einzeller, Algen, Ringelwürmer und weitere Organismen.

Bei aller Mühe und der bislang zehnjährigen Arbeit ist die Volkszählung aber nur ein Beginn: "Dieser ersten Bestandsaufnahmen liegen spärliche und ungleich verteilte Proben zugrunde, die künftige Forschung wird den (bekannten) Bestand ganz ohne Zweifel verändern", erklärt der Hauptautor der Census-Zusammenfassung, Mark Costello. Er arbeitet am Leigh Marine Laboratory der University of Auckland in Neuseeland.

Anfang Oktober wird der Katalog wissenschaftlich bekannter Arten voraussichtlich 230.000 Einträge umfassen ­ vom Einzeller bis zum Blauwal. Die Zahl der Fische wird sich vermutlich bei rund 21.800 einpendeln, heißt es bei den Wissenschaftlern. Das ist noch vergleichsweise vorsichtig formuliert: Auf jede bekannte Tierart im Meer könnten noch vier weitere existieren. Das gilt indes weniger für gut erforschten Wale oder Haie als viel mehr für die kaum zu erfassende Unzahl kleiner Schnecken, Würmer, Muscheln oder Einzeller. Gänzlich unübersichtlich wird es, wenn Algen, Bakterien oder Viren hinzukommen.