Ölpest Unabhängige Forscher wollen Gift im Golf von Mexiko nachweisen

Das Öl hat sich nach der "Deepwater Horizon"-Explosion wie ein Krake ausgebreitet und teils gelöst. Nun ermitteln Meeresforscher die Schadstoffbelastung.

Im Golf von Mexiko: Forscher der Umweltorganisation "Oceana" lassen einen Ölsensor zu Wasser

Im Golf von Mexiko: Forscher der Umweltorganisation "Oceana" lassen einen Ölsensor zu Wasser

Ein schwarzer Ölteppich und Möwen, die in einer zähen Masse grausam verrecken. Solche Bilder von der Ölpest im Golf von Mexiko erreichen uns inzwischen nicht mehr. Euphorisch vermeldete die US-Regierung Ende Juli den Rückgang des Ölteppichs . Und eine von BP finanzierte Studie im Magazin Science kam zu dem Ergebnis, dass Bakterien im Golf von Mexiko das Öl schneller zersetzen als erwartet.

Doch Öl hinterlässt auch unsichtbare und giftige Spuren im Meer. Während BP-Ingenieure am Unglücksort Monate lang versuchten, den Ölfluss ins Meer zu stoppen, hatten unabhängige Forscher kaum eine Chance, Daten im Katastrophengebiet zu sammeln. Jetzt haben sich Wissenschaftler von der Meeresschutzorganisation Oceana im Golf von Mexiko auf Spurensuche begeben, um das Ausmaß der Katastrophe zu bestimmen.

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Infografik: Ölpest
Bitte klicken Sie auf das Bild, um zum interaktiven Rückblick der Katastrophe im Golf von Mexiko zu gelangen

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Die Forscher setzten von Schiffen 16 Bojen rund um das Gebiet aus, wo die Bohrinsel Deepwater Horizon gesunken war. Jeweils 20 Sensoren konnten so den Schadstoffgehalt des Wassers messen. Die Route der Forschungsfahrt haben die Wissenschaftler in einer Google-Map dokumentiert. Das Team sucht vor allem nach gesättigten, zyklischen Kohlenwasserstoffketten, den giftigen Rückständen des Öls. Durch den Einsatz giftiger Chemikalien (Dispergatoren) im Kampf gegen den Ölteppich hat es sich in Tröpfchen gelöst, die mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen sind. Diese Rückstände wollen die Meeresforscher jetzt aufspüren.

Nachdem BP die Lecks am Meeresgrund schließen konnte, streiten Experten darum, welches Ausmaß die Verschmutzung des Meeres hat. "Das schlimmste Szenario ist, dass die Bakterien die giftigen Kohlenwasserstoffe nur sehr langsam zersetzen, was die Entwicklung vor allem jungen Lebens im Meer beeinträchtigen könnte", sagt Jeffrey Short, wissenschaftlicher Leiter des Oceana-Projekts. Das sei dann aber vor allem ein regionales Problem im Golf von Mexiko.

Von den Messungen in bis zu 2000 Metern Tiefe erhoffen sich die Naturschützer verlässliche Daten über die Verbreitung und Intensität der Verschmutzung. Sie gehen davon aus, dass in einigen Hundert Metern Tiefe eine giftige Wolke aus Kohlenwasserstoffen Richtung Südwesten treibt. Bakterien können einen gewissen Teil des Öls zersetzen und unschädlich machen.

Zwar beschleunigt der Einsatz von Dispergatoren diesen natürlichen Abbauprozess zunächst. Doch durch das große Nahrungsangebot an gelöstem Kohlenwasserstoff vermehren sich die Mikroben sehr schnell. Wird dadurch der Sauerstoff im Wasser knapp, entstehen regelrechte Todeszonen und die ursprünglichen Meeresbewohner verlieren ihren Lebensraum. Sandra Preuße vom Havariekommando in Cuxhaven kritisiert den Einsatz von Lösungsmitteln durch BP: "Wo das verdünnte Öl jetzt ist, weiß niemand, und die Dispergatoren haben eine mechanische Bekämpfung unmöglich gemacht."

Die Wissenschaftler von Oceana werten nun die Messungen im Labor aus. Die Daten sollen auch Vorhersagen zulassen, wie lange die Gewässer verseucht sein werden. Hohe Konzentrationen an gesättigten, zyklischen Kohlenwasserstoffketten könnten fatale Auswirkungen auf die Tiere und Pflanzen im Golf von Mexiko haben. In drei Monaten sollen die Ergebnisse der Studie vorliegen.

Videos des Einsatzes sehen Sie hier

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn sich die Mikroorganismen allerdings sehr schnell vermehren, werden sie auch wieder sehr schnell sterben, wenn sie obligat aerob sind und dann selber am Sauerstoffmangel verenden.

    Ich bin auf das Ergebnis gespannt. Auch, weil das Meer ja mehr oder weniger unerforschter Raum mit viel potenzial ist.

  2. Es ist dies ja nicht das erste Unglück dieser Art in wärmeren Meeresbereichen.
    Hat man es bisher wirklich versäumt, diese Dinge mal etwas genauer zu untersuchen? Schwimmt man hier völlig im Trüben...?
    Ich frage mich, wozu es eigentlich Umweltverträglichkeitsprüfungen gibt - bzw. warum es diese hier vielleicht nicht gab...

  3. Entfernt. Bitte kommentieren Sie sachlich. Die Redaktion/cs

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    • alkyl
    • 10.09.2010 um 9:00 Uhr

    und lassen uns hier mit Ihren albernen "freundlichen Grüßen" in Ruhe. Wir wissen inzwischen alle zur Genüge, daß die Zeit nicht in Ihr Rechtsaußenweltbild paßt. Kommentieren Sie bei den Blättern Ihres Formats und sonnen Sie sich im Beifall Ihresgleichen.

    • alkyl
    • 10.09.2010 um 9:00 Uhr

    und lassen uns hier mit Ihren albernen "freundlichen Grüßen" in Ruhe. Wir wissen inzwischen alle zur Genüge, daß die Zeit nicht in Ihr Rechtsaußenweltbild paßt. Kommentieren Sie bei den Blättern Ihres Formats und sonnen Sie sich im Beifall Ihresgleichen.

    • alkyl
    • 10.09.2010 um 9:00 Uhr

    und lassen uns hier mit Ihren albernen "freundlichen Grüßen" in Ruhe. Wir wissen inzwischen alle zur Genüge, daß die Zeit nicht in Ihr Rechtsaußenweltbild paßt. Kommentieren Sie bei den Blättern Ihres Formats und sonnen Sie sich im Beifall Ihresgleichen.

  4. Das es anscheinend keine gesicherten Forschungsergebnisse zu den Folgen einer großen Ölkatastrophe in diesen Regionen gibt, ist schon erstaunlich. Man hätte erwarten können, dass so etwas Grundlage für Genehmigungsverfahren wäre - ebenso wie in der Region vorbereitetes Material für Gegenmaßnahmen. Es war schon überraschend, wie lange BP gebraucht hat um diese (nicht funktionsfähie) "Glocke" zum Überstülpen zusammenzusetzen.

    Was wird eigentlich bei den Genehmigungsverfahren für Offshore-Bohrungen verlangt? Würde mich über Infos freuen.

    Ansonsten netter Artikel. Lässt sich gut lesen.

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