Avandia war einer der größten Umsatzbringer des britischen Pharmakonzerns GlaxoSmithKline. 2006 brachte das Medikament gegen Diabetes dem Unternehmen noch rund drei Milliarden Dollar Gewinn ein. 2007 attestierte eine Studie dem Präparat, es könne Herzprobleme auslösen. Viele Ärzte stiegen auf Alternativen zu Avandia um. Nun steht der einstige Verkaufsschlager in Europa vor dem endgültigen Aus.

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt, Avandia komplett vom Markt zu nehmen. Die EMA ist sich sicher, dass die europäische Kommission den Verkaufsstopp des Diabetesmittels innerhalb von zwei Wochen beschließt. Die EMA rät Patienten, die bislang mit dem Präparat behandelt wurden, mit ihren Ärzten über Alternativen zu beraten. Keinesfalls sollten Betroffene das Medikament auf eigene Faust absetzen. Auch die Medikamentenaufseher der amerikanische Behörde FDA attackieren Avandia. In den USA darf Hersteller Glaxo das Mittel zwar weiter verkaufen, doch mit deutlichen Einschränkungen. Nur in begründeten Ausnahmefällen sollen Ärzte noch mit Avandia behandeln. Glaxo verteidigte sein umstrittenes Medikament, will es aber nun nicht weiter vermarkten. 

Experten kritisieren Avandia bereits seit Jahren. Ärzte und Forscher äußerten gar den Verdacht Glaxo würde bewusst Studienergebnisse zurückhalten, die dem Mittel gesundheitsgefährdende Risiken bescheinigen. Das Wissenschaftsmagazin Nature hatte berichtet, dass der Konzern dieses Jahr versucht habe, die Veröffentlichung einer entsprechenden Studie zu verhindern. In dieser hatten Mediziner im Juli mehr als 200.000 Versichertendaten ausgewertet. Das Ergebnis: Der Avandia-Wirkstoff Rosiglitazon erhöht das Risiko von Schlaganfällen und Herzinfarkten deutlich stärker als die ebenfalls geläufige Substanz Pioglitazon. Die wiederum verkauft der japanische Pharmakonzern Takeda.

Ärzte verschreiben die Präparate gegen den sogenannten Alterszucker, Diabetes vom Typ 2. Rund 285 Millionen Menschen weltweit sind bereits erkrankt, es grassiere eine Diabetesepidemie , schrieb das Medizinmagazin Lancet vor Kurzem. Innerhalb von zehn Jahren verdoppelte sich die Zahl der Patienten. Vor allem wer sich fettig ernährt, kaum Sport treibt und übergewichtig ist, kann erkranken. In den Körpern von Typ-2-Diabetikern strömt zu wenig Insulin durchs Blut. Das Hormon bewirkt, dass der energiereiche Zucker Glukose in die Zellen gelangt. Der Zuckerspiegel im Blut steigt, wie schließlich auch der Druck, mit dem das Herz das Blut selbst durch den Körper pumpt. Die Folge ist schlimmstenfalls ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall.

Avandia soll dies letztlich mit verhindern. Die europäischen und amerikanischen Medikamentenprüfer bemängeln aber vor allem die Wirksubstanz des Präparats. Die sogenannten Glitazone regen die Zelle an, stärker auf Insulin zu reagieren. So sinkt der Blutzucker. Sie werden praktisch nur zusammen mit weiteren Medikamenten verordnet. Zwei weitere Diabetesmittel des Pharmakonzerns Glaxo enthalten wie Avandia den Wirkstoff Rosiglitazon. Avandamet und Avaglim sollen daher ebenfalls in Europa vom Markt genommen werden. In Deutschland sollen Glitazone ohnehin ab Oktober nur noch in Einzelfällen verschrieben werden. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen schätzt die Substanzen langfristig nicht nur als unnütz ein. Herz und Knochen könnten geschädigt werden.

Glaxo rechnet für Avandia noch mit einem Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro im zweiten Halbjahr 2009. In den nächsten Jahren erwarte man nur noch "minimale Erlöse".