Donaulachse auf einem Markt in Slowenien © Srdjan Zivulovic/Reuters

Weit mehr als die Hälfte aller Fischfanggründe gelten heute laut der Welternährungsorganisation FAO als überfischt, und ein Viertel wurde derart massiv abgeschöpft, dass die Bestände bereits vernichtet sind. Im Mittelmeer verschwanden fast alle großen Haiarten und der Blauflossentunfisch, vor Neufundland ging in den neunziger Jahren die einst bedeutende Kabeljaufischerei zu Grunde, und in peruanischen und namibischen Gewässern brachen die Sardinenbestände zusammen.

Einige Forscher befürchten sogar, dass bis 2050 alle momentan wichtigen Fanggebiete mit ihren Arten kollabieren könnten, wenn die Menschheit weiterhin so intensiv den Fischen nachstellt wie gegenwärtig.

Um dies zu verhindern, initiierten 1997 der Konzern Unilever und die Umweltorganisation WWF ein Gütesiegel, das weltweit für Fisch aus schonender Fischerei vergeben wird: den Marine Stewardship Council (MSC). Mehr als 90 Fischgründe und etwa sieben Prozent der jährlich angelandeten Erträge wurden bislang im Sinn des MSC zertifiziert, der seit 1999 unabhängig von seinen Gründern ist und vornehmlich von Spenden und Lizenzerträgen lebt. Mit dem blauen MSC-Logo versehene Produkte finden sich in nahezu allen großen Supermarktketten der Industrieländer – sie gelten auch vielen Wissenschaftlern bislang als gelungener Versuch, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen und die Meere zu schonen.

Doch mittlerweile wächst auch die Kritik am MSC, und der Ruf nach Reformen wird lauter, meinen Jennifer Jacquet von der University of British Columbia und ihre Kollegen nun in einem Beitrag des Magazins Nature: "Zahlreiche Forscher und auch einige Umweltgruppen wie Greenpeace und sogar einige nationale Sektionen des WWF haben bereits gegen MSC-Methoden und Zertifizierungen einzelner Fischgründe protestiert. Wir fürchten, dass das Siegel zunehmend seine Glaubwürdigkeit verliert und wir daher noch mehr Fischgründe und gesunde Meeresökosysteme aufs Spiel setzen."