Fischerei und Artenschutz Fragwürdiges Ökosiegel
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Streitpunkt Fischmehl

Streitpunkt Fischmehl

Neu auf der MSC-Liste befindet sich seit 2010 der antarktische Krill, dem unter anderem von einer norwegischen Gesellschaft nachgestellt wird. Am Ende landet das winzige Krustentier, das eine herausragende Rolle für Wale und Pinguine spielt, als Futter in Fischfarmen oder in der Viehzucht. Steve Nicol von der Australian Antarctic Division in Kingston sieht die Krillfischerei und ihre Zertifizierung jedoch sehr kritisch, da die Schwärme des Krebschens seit Längerem zurückgehen.

Eine mögliche Ursache ist der Schwund des antarktischen Meereises, unter dem die Tiere ihre Kinderstube haben und Nahrung abweiden. Die genauen Zusammenhänge harren noch der Erforschung, trotzdem üben Krillfänger aus Norwegen, China oder Japan nun weiteren Druck auf die Art aus. "Wir dürfen deshalb nicht zulassen, dass sich die Krillfischerei zu schnell zu stark ausweitet", äußerte sich Nicol in Nature.

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Und die Verwendung als Mastmittel stößt Jennifer Jacquet sauer auf: "Wir denken, dass jegliche Fänge, die primär auf Fischmehl abzielen, nicht als verantwortungsbewusst oder nachhaltig betrachtet werden sollen. Sie disqualifizieren sich für das MSC-Siegel." In den sauren Apfel muss man aber vielleicht beißen, da Wildfänge schon lange nicht mehr ausreichen, die wachsende Nachfrage nach Fisch und Meeresfrüchten zu decken. Lachsfarmen und Co boomen daher und liefern bereits die Hälfte des weltweiten Fischbedarfs.

"Viele beliebte Speisefische sind Fleischfresser, so dass für ihre Aufzucht Fischmehl vonnöten ist. Damit die Zuchten die Überfischung nicht noch verstärken, muss das Futter aus nachhaltigen Quellen stammen. Das MSC-Programm kann dazu beitragen", meint Geltinger. Die Kritiker des Marine Stewardship Councils überzeugt dies noch nicht recht: Sie fordern grundlegende Reformen, damit es seinen Anspruch als "beste ökologische Wahl" erfüllen kann – ansonsten sollten die dafür aufgewendeten Gelder anderweitig verwendet werden, schließt Jennifer Jacquet: "Mit dem Budget könnten wir gegen schädliche Fischereisubventionen kämpfen oder Meeresschutzgebiete einrichten. Das würde den Ozeanen effektiver helfen."

 
Leser-Kommentare
  1. Wie im Artikel erwähnt ist der MSC von einem Lebensmittelkonzern gegründet worden. Dessen Motivation liegt darin Fischprodukte zu verkaufen. Eine wachsende Zahl von Menschen kauft aber keinen (See)Fisch mehr, da Sie die Überfischung der Meere nicht gutheißen. Diese Menschen dennoch zum Fischkonsum zu bewegen, dazu dient das Siegel. Für das gute Gewissen, den Abbsatz, aber sicher nicht den Fischbeständen.
    Gewiss wird nicht wild drauf loszertifiziert, sondern "nur" die Bestände die relativ am wenigsten gefährdet sind.
    Da aber Unilever und co (und die Konsumenten) auch bei stark sinkenden Beständen nach Fisch gieren ist die Motivation weniger oder keine Bestände zu zertifizieren gering. (Ohne zertifizierte Bestände keine Zertifizierungsorganisation)
    MSC handelt also im Interesse von MSC, Unilever, aber sicher nicht der Nachhaltigkeit.
    Schade!

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