Ölpest BP legt Bericht zur Minimierung des Schadenersatzes vor

Warum explodierte die "Deepwater Horizon"? Die Ergebnisse des BP-Ursachenberichtes überraschen nicht. Der Konzern will Entschädigungsansprüche verteilen.

Als das Öl noch sprudelte: Dieser Blick auf die Unglücksstelle im Golf von Mexiko ist von Ende Mai, einen Monat nach der Havarie der "Deepwater Horizon"

Als das Öl noch sprudelte: Dieser Blick auf die Unglücksstelle im Golf von Mexiko ist von Ende Mai, einen Monat nach der Havarie der "Deepwater Horizon"

Es ist 21:47 Uhr am 20. April 2010, als der Alarm losgeht. Die Arbeiter auf der Ölplattform vor der Küste Louisianas wissen, was das bedeutet: Gas! Die Tausende Tonnen schwere Bohrinsel vibriert. Innerhalb kürzester Zeit verteilen sich leicht entzündliche Kohlenwasserstoffe über die Belüftung und die Klimaanlage. Rasch gelangen sie in den Maschinenraum. Hier sammelt sich das Gasgemisch, mindestens eine der sechs mehr als 9000 PS starken Stromgeneratoren dreht durch. Eine Explosion erschüttert die Anlage, zehn Sekunden später eine zweite. Die Deepwater Horizon steht in Flammen, 11 Arbeiter sterben, 115 können sich retten. Die größte Ölpest der Geschichte nimmt ihren Lauf.

So oder so ähnlich soll es gewesen sein. Auf 193 Seiten legt das 50-köpfige Untersuchungsteam des Ölkonzerns BP minutiös jene Ereignisse dar, die aus seiner Sicht die Katastrophe auslöste. Vier Monate lang befragten die Experten Arbeiter, prüften Protokolle, technische und arbeitsmäßige Abläufe, rekonstruierten das Geschehen. Der Leiter der Kommission, Mark Bly, erklärt nun in einer Videoanimation auf der Unternehmenswebsite , wie es wohl zum Unglück kam. 

Anzeige
Infografik: Ölpest
Bitte klicken Sie auf das Bild, um zum interaktiven Rückblick der Katastrophe im Golf von Mexiko zu gelangen

Bitte klicken Sie auf das Bild, um zum interaktiven Rückblick der Katastrophe im Golf von Mexiko zu gelangen

"Nachweislich führte eine Reihe komplexer Ereignisse und nicht ein einzelner Fehler zur Tragödie", lässt sich der scheidende BP-Chef Tony Hayward zitieren. Und er fügt eine Erkenntnis hinzu, die sicherlich auch für künftige Entschädigungsansprüche gegen BP mitentscheidend sein dürfte: "Mehrere Beteiligte, darunter BP, Halliburton und Transocean waren involviert". Halliburton lieferte demnach einen Spezialzement, der vor dem Unglück in das mehr als fünfeinhalb Kilometer tiefe Bohrloch gepumpt wurde – auch um aufsteigende Gasbläschen zu verhindern. Transocean betrieb die Deepwater Horizon seit 2001 im Auftrag von BP. Schließlich sei auch die Firma Cameron beteiligt, heißt es in dem Bericht. Cameron stellte den sogenannten Blowout Preventer her, jene 300 Tonnen schwere Vorrichtung, die das Unglück eigentlich hätte verhindern sollen.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind wenig überraschend. Von menschlichem Versagen bis hin zu technischen Fehlern ist alles dabei. Viele der geschilderten Abläufe werfen zudem neue Fragen auf. Zwar versuchen die Autoren den Hergang der Katastrophe zu rekonstruieren, warum jedoch elektrische Systeme ausfielen, nicht funktionierten oder Absprachen zu keinerlei Handeln führte, bleibt offen.

Die Ergebnisse des BP-Berichts
  • Einen Tag vor dem Unglück pumpten Arbeiter einen Spezialzement in die Steigleitung unterhalb der Deepwater Horizon. Dieser sollte verhindern, dass Erdgas aus dem angezapften Macondo-Ölreservoir in das Bohrloch gelangt. Laut dem Bericht scheiterte dies. Offenbar gab es "Schwächen sowohl in der Zusammensetzung des Zements, in der Überprüfung, dem Qualitätsmanagement und der Risikobeurteilung."
  • Eine weitere Sicherheitsvorrichtung am Grund des Bohrlochs konnte einströmendes Gas auch nicht aufhalten. Es verteilte sich ins Loch und in die Umhüllung, die einen Durchmesser von gerade einmal rund 22 Zentimetern hat.
  • Mittels eines Drucktests sollte geprüft werden, wie stabil die Konstruktion tief unterhalb des Meeresgrunds ist. Im Bericht heißt es hierzu: "Das Bohrinselteam von Transocean und BP Bohrleiter kamen zur falschen Auffassung, der Test sei erfolgreich gewesen."
  • Weitere routinemäßige Arbeiten führten dazu, dass das Gasgemisch aus Kohlenwasserstoffen die Steigleitung hinaufgelangte. Der Druck in der Leitung stieg deutlich an. Die Mannschaft an Bord reagierte erst nach 40 Minuten, um das Bohrloch zu stabilisieren.
  • Ventile des Blowout Preventers wurden geschlossen, Gas und Flüssigkeit ließ sich aber nicht ableiten.
  • Ein System, das Bohrschlamm und Gas trennen soll, leitete die entzündlichen Kohlenwasserstoffe auf die Bohrinsel und kollabierte.
  • Das Gas gelangte an den Notfallsystemen vorbei in den Maschinenraum, wo es sich vermutlich entzündete.
  • Schließlich versagte am Meeresgrund der Blowout Preventer, der das Loch in einem solchen Fall hätte komplett abdichten sollen. Eine manuelle Kontrolle von der Bohrinsel war offenbar nicht möglich, die Explosion hatte das System zerstört. Und schließlich gelang es später auch Tauchrobotern nicht, das Notfallsystem in Gang zu setzen. Der Ölfluss war nicht zu stoppen.

Kurz vor dem Unglück unterhielten sich laut Zeugen einige Arbeiter noch über den Druckanstieg im Steigrohr. Im Handbuch für diesen Fall steht, laut Untersuchungsbericht, dass der Transocean-"Manager" informiert werden müsse. Dies geschah nicht. "Allerdings", räumt der Bericht ein, "stellt das Handbuch nicht eindeutig klar, wer dieser Manager war".

Leser-Kommentare
    • petshh
    • 09.09.2010 um 7:43 Uhr

    Was der Stadt Duisburg recht ist, kann BP nur billig sein.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    BP hat genau das getan, was der OB von Duisburg verweigert, nämlich
    als Betreiber der Anlage nach dem Unglück die Verantwortung übernommen.
    Jetzt sind wir in der Phase der Aufklärung und der Verhandlungen.
    Die Erschließung einer Ölquelle bis zur Übergabe wird von Fachunternehmen
    wie: Halliburton und Transocean vorgenommen.
    Die Ölfirmen selbst, sind gar nicht in der Lage diese Arbeiten in eigener
    Regie auszuführen.
    Das die BP diese Unternehmen mit ins Boot zieht, ist doch ganz natürlich.
    Auf jeden Fall hat sich die BP von Anfang an nicht verdrückt.
    Die Verhandlungen, wer was zu verantworten hat und wer was bezahlt,
    gehen jetzt los, wie es nach jedem Unfall auch bei den Versicherungen
    üblich ist.

    BP hat genau das getan, was der OB von Duisburg verweigert, nämlich
    als Betreiber der Anlage nach dem Unglück die Verantwortung übernommen.
    Jetzt sind wir in der Phase der Aufklärung und der Verhandlungen.
    Die Erschließung einer Ölquelle bis zur Übergabe wird von Fachunternehmen
    wie: Halliburton und Transocean vorgenommen.
    Die Ölfirmen selbst, sind gar nicht in der Lage diese Arbeiten in eigener
    Regie auszuführen.
    Das die BP diese Unternehmen mit ins Boot zieht, ist doch ganz natürlich.
    Auf jeden Fall hat sich die BP von Anfang an nicht verdrückt.
    Die Verhandlungen, wer was zu verantworten hat und wer was bezahlt,
    gehen jetzt los, wie es nach jedem Unfall auch bei den Versicherungen
    üblich ist.

  1. BP hat genau das getan, was der OB von Duisburg verweigert, nämlich
    als Betreiber der Anlage nach dem Unglück die Verantwortung übernommen.
    Jetzt sind wir in der Phase der Aufklärung und der Verhandlungen.
    Die Erschließung einer Ölquelle bis zur Übergabe wird von Fachunternehmen
    wie: Halliburton und Transocean vorgenommen.
    Die Ölfirmen selbst, sind gar nicht in der Lage diese Arbeiten in eigener
    Regie auszuführen.
    Das die BP diese Unternehmen mit ins Boot zieht, ist doch ganz natürlich.
    Auf jeden Fall hat sich die BP von Anfang an nicht verdrückt.
    Die Verhandlungen, wer was zu verantworten hat und wer was bezahlt,
    gehen jetzt los, wie es nach jedem Unfall auch bei den Versicherungen
    üblich ist.

    Antwort auf "BP macht den Sauerland"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service