Ölpest BP legt Bericht zur Minimierung des Schadenersatzes vor
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Das Geschachere um die Verantwortung geht in eine neue Runde

Unklar ist, warum das wichtigste Notfallsystem versagte. Erst am vergangenen Wochenende hat die US-Weltraumbehörde Nasa den Blowout Preventer geborgen. Das Ungetüm aus Hydraulik und Ventilen sollte bei einem plötzlichen Druckanstieg das Bohrloch verschließen, entweder automatisch oder gesteuert von einem Arbeiter auf der Bohrinsel. Die Autoren des Berichts vermuten ein fehlerhaftes Ventil und eine zu schwache oder gar leere Batterie im Sicherheitssystem als Ursache für das Versagen. Das Beweisstück wollen Experten nun genau untersuchen. Es soll auch helfen zu klären, wer nun für die Ölkatastrophe haftbar ist.

Natur in Gefahr

Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.

Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.

Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.

Meerestiere

Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.

Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.

Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.

Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.

Vögel

Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.

Kommen die Vögel mit Öl in Verbindung und verkleben sich ihre Flügel, können die Tiere weder Wasser abweisen noch Luft aufnehmen. In der Folge können sie ihre Körpertemperatur nicht mehr regulieren und unterkühlen.

Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.

Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.

Pflanzen

Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.

Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.

Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.

Fischerei

Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.

Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.

In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.

Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.

Dies können am ehesten ein unabhängiges Gutachten und die Ermittlungen der US-Regierung klären. Denn der BP-Bericht zeigt sehr deutlich: Der Konzern will sich nicht mehr allein verantworten müssen, auch andere sollen Entschädigungen zahlen. Etwa der Hersteller des Spezialzements Halliburton, schließlich versagte sein Gemisch dabei, die gefährlichen Gasbläschen aufzuhalten. Dem Betreiber der Deepwater Horizon wirft BP indirekt vor, Geräte nicht gewartet zu haben.

Hat Transocean gar Sicherheitsabsprachen nicht eingehalten? Bislang hat die Firma jegliche Verantwortung für die Ölpest im Golf von Mexiko abgestritten. Und schließlich kommt noch der Hersteller des Blowout Preventers ins Spiel, der ein möglicherweise mangelhaftes Gerät lieferte.

Das Geschachere um die Verantwortung geht also in eine neue Runde. Die Schuldfrage werden die Gerichte entscheiden. Kommende Woche beginnt einer der ersten Prozesse in New Orleans. Wer am Ende wie viel Geld zahlen muss, ist dabei nicht wichtig. Das Entscheidende ist die Frage, ob der Mensch weiter an Tiefseebohrungen festhält. Und ob diese überhaupt jemals als sicher bezeichnet werden können.

 
Leser-Kommentare
    • petshh
    • 09.09.2010 um 7:43 Uhr

    Was der Stadt Duisburg recht ist, kann BP nur billig sein.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    BP hat genau das getan, was der OB von Duisburg verweigert, nämlich
    als Betreiber der Anlage nach dem Unglück die Verantwortung übernommen.
    Jetzt sind wir in der Phase der Aufklärung und der Verhandlungen.
    Die Erschließung einer Ölquelle bis zur Übergabe wird von Fachunternehmen
    wie: Halliburton und Transocean vorgenommen.
    Die Ölfirmen selbst, sind gar nicht in der Lage diese Arbeiten in eigener
    Regie auszuführen.
    Das die BP diese Unternehmen mit ins Boot zieht, ist doch ganz natürlich.
    Auf jeden Fall hat sich die BP von Anfang an nicht verdrückt.
    Die Verhandlungen, wer was zu verantworten hat und wer was bezahlt,
    gehen jetzt los, wie es nach jedem Unfall auch bei den Versicherungen
    üblich ist.

    BP hat genau das getan, was der OB von Duisburg verweigert, nämlich
    als Betreiber der Anlage nach dem Unglück die Verantwortung übernommen.
    Jetzt sind wir in der Phase der Aufklärung und der Verhandlungen.
    Die Erschließung einer Ölquelle bis zur Übergabe wird von Fachunternehmen
    wie: Halliburton und Transocean vorgenommen.
    Die Ölfirmen selbst, sind gar nicht in der Lage diese Arbeiten in eigener
    Regie auszuführen.
    Das die BP diese Unternehmen mit ins Boot zieht, ist doch ganz natürlich.
    Auf jeden Fall hat sich die BP von Anfang an nicht verdrückt.
    Die Verhandlungen, wer was zu verantworten hat und wer was bezahlt,
    gehen jetzt los, wie es nach jedem Unfall auch bei den Versicherungen
    üblich ist.

  1. BP hat genau das getan, was der OB von Duisburg verweigert, nämlich
    als Betreiber der Anlage nach dem Unglück die Verantwortung übernommen.
    Jetzt sind wir in der Phase der Aufklärung und der Verhandlungen.
    Die Erschließung einer Ölquelle bis zur Übergabe wird von Fachunternehmen
    wie: Halliburton und Transocean vorgenommen.
    Die Ölfirmen selbst, sind gar nicht in der Lage diese Arbeiten in eigener
    Regie auszuführen.
    Das die BP diese Unternehmen mit ins Boot zieht, ist doch ganz natürlich.
    Auf jeden Fall hat sich die BP von Anfang an nicht verdrückt.
    Die Verhandlungen, wer was zu verantworten hat und wer was bezahlt,
    gehen jetzt los, wie es nach jedem Unfall auch bei den Versicherungen
    üblich ist.

    Antwort auf "BP macht den Sauerland"

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