Klimaforschung Neustart für den Weltklimarat

Abweichende Meinungen integrieren, Strukturen verbessern, Zweifel offenlegen. Der IPCC muss viel leisten, wenn er seine Glaubwürdigkeit zurückgewinnen will. Ein Ausblick

"Wenn unsere Empfehlungen zur Reform umgesetzt werden, dann wird der nächste Bericht des Weltklimarates transparenter, kritischer, wissenschaftlich offener und deshalb glaubwürdiger." Dieses Fazit zog Ernst Ludwig Winnacker am Montag, nachdem das Inter Academy Council (IAC) seine Vorstellungen präsentiert hatte, wie der Weltklimarat (IPCC) in Zukunft arbeiten solle. Winnacker war früher Präsident der DFG und ist heute Mitglied im IAC, das von den Vereinten Nationen und dem IPCC selbst beauftragt wurde, die Verfahrensweisen des Weltklimarates unter die Lupe zu nehmen.

Der Bericht des IAC ist der letzte in einer Reihe von Untersuchungen, die die Arbeit des IPCC überprüft haben. Sie alle zeigen: Wenn es seiner Bedeutung künftig gerecht werden will, kommen auf das UN-Gremium viel Arbeit und fundamentale Reformen zu.

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Ein kritisches Hinterfragen der bisherigen Praxis war auch bitter nötig, denn der IPCC und die Klimawissenschaft als Ganzes erlebten in den vergangenen Monaten ihre größte Krise. Erst wurden im sogenannten Climategate-Skandal E-Mails angesehener Klimaforscher und Autoren des IPCC öffentlich, die Betrug und Trickserei nahelegten (drei Kommissionen sprachen die Wissenschaftler später von den Vorwürfen frei). Dann bemerkte man einen eklatanten Fehler im letzten Bericht des Klimarates: Fälschlicherweise wurde das Schmelzen der Himalaya-Gletscher für das Jahr 2035 prophezeit.

Außerdem kam eine Untersuchung im Auftrag der niederländischen Regierung zu dem Ergebnis, dass einige Vorhersagen des IPCC über die Folgen des Klimawandels, keine Grundlage in der wissenschaftlichen Literatur hatten. So zum Beispiel, dass "in einigen (afrikanischen) Ländern bis 2020 die Ernten um bis zu 50 Prozent zurückgehen können." Hinzu kamen Vorwürfe gegen den Vorsitzenden des Rates, Rajendra Pachauri. Er profitiere von seiner Position, schrieben einige britische Zeitungen, darunter der Telegraph, indem er als Berater für Energiefirmen arbeite. Eine Untersuchung kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass er alle Nebeneinkünfte an eine Non-Profit-Organisation weitergibt. Der Telegraph entschuldigte sich.

Viel Lärm um nichts könnte man meinen. Untergraben haben die Fehler und Affären die Glaubwürdigkeit des Klimarates dennoch. Das ist nicht verwunderlich, denn wer mahnt und auf Missstände hinweist, sollte so gründlich wie möglich arbeiten. Das tat der IPCC zuletzt nicht. Ärgerlich war auch der Zeitpunkt der Affären. Denn selten wurde die Glaubwürdigkeit des IPCC mehr gebraucht. Ende vergangenen Jahres scheiterte der Klimagipfel in Kopenhagen, seitdem befindet sich die Klimapolitik in einer Sackgasse.

Der Bericht des IAC zeigt auf, wie diese Fehler zustande kommen konnten. Die Anzahl der für den IPCC relevanten Publikationen hat sich allein zwischen 1995 bis 2005 von 5000 auf 19.000 erhöht. Damit stieg auch die Anzahl der Autoren auf heute 851. Außerdem ist der Bericht heute vier Mal so umfangreich wie zu Beginn. Im letzten Report gab es 90.000 Korrekturvorschläge.

Zudem ist die Wissenschaft komplexer und der Klimawandel zu einem umkämpften Feld geworden, in dem es um Einfluss und viel Geld geht. All dem begegnet der IPCC mit Strukturen aus seinen Anfangstagen, als er ein UN-Gremium unter vielen war. Heute ist es eines der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste. Seine Aufgabe ist dem Weltklimarat mit der Zeit über den Kopf gewachsen.

Das IAC rät deshalb, unter anderem die Abläufe zu professionalisieren, mehr Leute dauerhaft anzustellen, und die Kommunikation unter den Wissenschaftlern der verschiedenen Disziplinen zu verbessern. Außerdem fordert es, mehr Transparenz bei der Auswahl der Autoren zu zeigen, Unsicherheiten offener anzusprechen und eine größere Bandbreite wissenschaftlicher Ansichten zu berücksichtigen.

Zu hoffen ist, dass die Vorschläge schnell umgesetzt werden, denn sie sind längst überfällig und wurden schon länger von Wissenschaftlern gefordert. Die Zeit drängt, denn der IPCC beginnt gerade mit der Arbeit an seinem fünften Report. Schwer tun werden sich die Forscher mit dem Vorschlag, "abweichende Meinungen und Untersuchungen" aufzunehmen. Zwar würde auch das die Glaubwürdigkeit des IPCC mehr fördern als untergraben, aber die Fronten zwischen Skeptikern des Klimawandels und dem Gros der Klimawissenschaftler sind verhärtet. Jede Diskussion um einzelne Forschungsergebnisse gerät mittlerweile zu einem Streit um das Ganze.

Eines wird sich deshalb nicht ändern, selbst wenn der IPCC sich entsprechend reformiert: Die Skeptiker sind auch von noch so guter Wissenschaft nicht zu überzeugen. Denn sie Glauben daran, dass der Klimawandel Humbug ist. Und gegen Glauben ist bekanntlich kein Kraut gewachsen. Alle anderen, die Politiker und die Öffentlichkeit, könnten von einem IPCC, der seinen Anforderungen gewachsen ist, nur profitieren.

 
Leser-Kommentare
  1. 'Schwer tun werden sich die Forscher mit dem Vorschlag, "abweichende Meinungen und Untersuchungen" aufzunehmen.'
    Ich dachte immer, das gehöre zur guten wissenschaftlichen Praxis.

    'Eines wird sich deshalb nicht ändern, selbst wenn der IPCC sich entsprechend reformiert: Die Skeptiker sind auch von noch so guter Wissenschaft nicht zu überzeugen. Denn sie Glauben daran, dass der Klimawandel Humbug ist. Und gegen Glauben ist bekanntlich kein Kraut gewachsen.'
    Na, da können wir ja beruhigt sei, wenn alle Skeptiker keine Wissenschaftler und ihre Meinungen lediglich unfundierte Glaubenslehren sind. Das schafft uns Klarheit. Aber warum sollen sie dann aufgenommen werden? Und was ist mit deren Untersuchungen? Das sind ja dann auch nur Glaubenslehren. Und was hat es mit der 'größeren Bandbreite wissenschaftlicher Ansichten' auf sich? Da müssen die abweichenden Meinungen schon ausgeschlossen sein, denn die sind ja unfundierten Glaubenslehren, mithin keine wissenschaftliche Meinungen. Und dennoch gibt es eine Bandbreite?

  2. Änderungen in der Erdatmosphäre bestreitet niemand.
    Nur die Volksverblödung und Aufrechnung jedes Gramms
    CO2, machen denkende Bürger nicht mit. Die lächerlichen
    "Einsparungen" durch das Glühlampen-Verbot stehen den
    Emissionen des Vesuvs von 300 Tonnen CO2 täglich entgegen,
    die von "Wissenschaftlern" bisher übersehen wurden.
    Die einzige CO2-Messung der Atmosphäre erfolgt über einem
    Vulkan auf Hawaii. Da lachen die Hühner.

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    > Die einzige CO2-Messung der Atmosphäre erfolgt über einem
    > Vulkan auf Hawaii. Da lachen die Hühner.

    Stammen diese Infos vom Stammtisch oder aus den Onlineforen und Blogs der Klimatrolle?

    Es gibt weltweit über 100 Messtationen und seit 2003 zumindest ein satellitengebundenes Experiment:

    http://www.iup.uni-bremen...

    > Die einzige CO2-Messung der Atmosphäre erfolgt über einem
    > Vulkan auf Hawaii. Da lachen die Hühner.

    Stammen diese Infos vom Stammtisch oder aus den Onlineforen und Blogs der Klimatrolle?

    Es gibt weltweit über 100 Messtationen und seit 2003 zumindest ein satellitengebundenes Experiment:

    http://www.iup.uni-bremen...

  3. Es ist doch besser, wir zerlegen den Weltklimarat, anstatt wir uns wirklich um das Weltklima kümmern. Da müssten wir vielleicht noch auf irgend etwas verzichten.
    War doch schön bei der Fussball WM in Südafrika.

  4. besonders der letzte Absatz im Artikel.

    Sehr richtig, eingefleischte Skeptiker sind auch von der besten Wissenschaft nicht zu überzeugen, die beiden Vorredner im Kommentarbereich sind gute Beispiele dafür.

    @ clearmind (#2)
    Sie schreiben von "Volksverblödung" und schreiben dabei selbst das dümmste vom dümmsten:

    Haben Sie bei ihrer Recherche wirklich keine weitere CO2-Messstation gefunden als Mauna Loa auf Hawaii?? Oder haben Sie gar nicht recherchiert? Tun Sie es, falls Sie nicht fündig werden, nenne ich Ihnen weitere Stationen.

    Warum ist wohl der Vergleich von CO2-Emissionen eines Vulkans mit den Einsparungen eines Glühbirnenverbots irreführend, Clearmind?

    Reden Sie bitte nicht von "Volksverblödung", entblöden Sie erst mal sich selbst.

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    Ich verwies darauf, dass "Wissenschaftler" bei dem ganzen CO2-Zirkus
    die Emissionen des Vesuv vergaßen ...

    Ich verwies darauf, dass "Wissenschaftler" bei dem ganzen CO2-Zirkus
    die Emissionen des Vesuv vergaßen ...

  5. Ein Institut, dass nur zu dem Zweck gegründet wurde, aus ideologischen Gründen einen anthropogenen Klimawandel, mit allen Mitteln, nachzuweisen ist nicht zu reformieren!

  6. 6. na ja

    was soll da reformiert werden?
    die aufgabenstellung?
    wohl kaum.
    also will man das spektakel nur glaubwürdiger verkaufen.
    schön, ich informiere mich trotzdem selber.

  7. die nicht an die Klimaerwaermung glauben sind einige Rednecks und Libertaere in den USA. Jeder Andere will das wir etwas dagegen tun. Es ist unglaublich, dass ein so wichtiges Thema mit den USA steht oder faellt.

  8. Ich bin einer Ihrer Vorredner, zwar kein eingefleischter Skeptiker, denn Ironie gehört dazu, aber verstehen tue ich dass auch nicht, mit dem CO2 Handel, mit den "Einsparungen" eines Glühbirnenverbotes. Hat man doch nachgewiesen, dass die Herstellungskosten, Entsorgungskosten der tollen Langzeitbirnen gar keinen so großen Gewinn bringen.
    Haben Sie einmal überprüft, wer so alles von den Politikern "Beziehungen" zu Herstellern pflegt? Den Klimawandel auf den reinen CO2 Gehalt zu reduzieren ist vielleicht doch ein bisschen naiv. Und tatsächlich könnte man den Vergleich anstellen, zwischen den letzten Vulkanausbrüchen in Island und den gelungenen "CO2 Einsparungen".

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    Sie habe ich natürlich nicht gemeint mit "Skeptiker", ihr Beitrag ist nur zufällig vor meinen Beitrag #4 gerutscht.

    Einen Vergleich zwischen CO2-Emissionen von Vulkanen und anthropogenen Emissionen halte ich deshalb für unzulässig, weil es Vulkanausbrüche schon immer gab, ohne dass diese in den letzten Jahrhunderten den CO2-Gehalt in der Atmosphäre nennenswert verändert hätten.
    Dagegen sind es doch die anthropogenen Emissionen, die die Konzentration von ca. 280 ppm aus der vorindustriellen Zeit auf heute schon 380 ppm ansteigen ließen.
    Das 2°-Ziel entspricht einer Konzentration von ungefähr 450ppm. Um dieses zu erreichen (woran ich nicht mehr so recht glauben kann), müssen wir also CO2-Emissionen reduzieren. Ich kenne aber keine Möglichkeiten, Vulkanausbrüche zu verhindern, also sollten wir uns auf diese Maßnahmen konzentrieren, die wir in der Hand haben.

    Ich verstehe schon ihren Einwand, dass die "Glühbirne" alleine bzw. deren Verbot einen marginalen Effekt bringt. Richtig. Aber bedenken Sie, dass viele kleine Maßnahmen sich summieren können und dies eine Maßnahme ist, die keinem wehtun kann, wenn man ehrlich ist. Warum nicht weitere kleine Maßnahmen wie z.B. Tempolimit 120-130 km/h, Einsetzen von Höchstgrenzen für den Benzinverbrauch bzw. Stromverbrauch von Autos und Elektrogeräten und stufenweises Absenken derselben?

    Der Weltklimarat wird auch nach einer begrüßenswerten Reform nur für die Präsentation der Wissenschaft zuständig sein. Handeln müssen wir.

    MfG

    Sie habe ich natürlich nicht gemeint mit "Skeptiker", ihr Beitrag ist nur zufällig vor meinen Beitrag #4 gerutscht.

    Einen Vergleich zwischen CO2-Emissionen von Vulkanen und anthropogenen Emissionen halte ich deshalb für unzulässig, weil es Vulkanausbrüche schon immer gab, ohne dass diese in den letzten Jahrhunderten den CO2-Gehalt in der Atmosphäre nennenswert verändert hätten.
    Dagegen sind es doch die anthropogenen Emissionen, die die Konzentration von ca. 280 ppm aus der vorindustriellen Zeit auf heute schon 380 ppm ansteigen ließen.
    Das 2°-Ziel entspricht einer Konzentration von ungefähr 450ppm. Um dieses zu erreichen (woran ich nicht mehr so recht glauben kann), müssen wir also CO2-Emissionen reduzieren. Ich kenne aber keine Möglichkeiten, Vulkanausbrüche zu verhindern, also sollten wir uns auf diese Maßnahmen konzentrieren, die wir in der Hand haben.

    Ich verstehe schon ihren Einwand, dass die "Glühbirne" alleine bzw. deren Verbot einen marginalen Effekt bringt. Richtig. Aber bedenken Sie, dass viele kleine Maßnahmen sich summieren können und dies eine Maßnahme ist, die keinem wehtun kann, wenn man ehrlich ist. Warum nicht weitere kleine Maßnahmen wie z.B. Tempolimit 120-130 km/h, Einsetzen von Höchstgrenzen für den Benzinverbrauch bzw. Stromverbrauch von Autos und Elektrogeräten und stufenweises Absenken derselben?

    Der Weltklimarat wird auch nach einer begrüßenswerten Reform nur für die Präsentation der Wissenschaft zuständig sein. Handeln müssen wir.

    MfG

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