Die Elbe ist vielerorts noch unbebaut © BUND-Elbeprojekt

Umweltschutz war in der DDR ein heikles Unterfangen, denn offiziell gab es weder Waldsterben noch Luftverschmutzung. Wer sich entsprechend engagierte, musste mit Repressalien rechnen. spektrumdirekt.de sprach darüber mit Ernst Paul Dörfler, einem der Pioniere der Ökologie in der DDR, 20 Jahre nach der deutschen Einheit.

Frage: Sie bekommen am 5. Oktober den Naturschutzpreis von EuroNatur für Ihr langjähriges Engagement zum Schutz der Elbe verliehen. Wie kamen Sie Anfang der 1980er Jahre zur Ökologie?

Ernst Paul Dörfler: Es war nicht der einfachste Weg, aber es hat mich schlichtweg dazu gedrängt. Ich wuchs in einem kleinen Dorf im Landkreis Wittenberg zwischen Elbe und Heide auf – und sah, was dort mit dem Fluss und der Landschaft passierte. Während des Studiums in Magdeburg bemerkte ich dann, dass vieles mit der Umwelt nicht stimmte: Mir stockte der Atem wegen der Luftverschmutzung, die Gewässer stanken zum Himmel. Damals begann ich über Umweltfragen nachzudenken.

Frage: Wie wurden Sie aktiv – in einem Regime, das Eigeninitiative unterdrückte?

Dörfler: Die einzige legale Möglichkeit, sich zu Missständen in der DDR zu äußern und eventuell etwas zu verändern, war das Einreichen einer Eingabe an die Staatsorgane. Das tat ich fleißig. Ich habe mich zum Beispiel beschwert, weil sich der Kindergarten meiner Tochter direkt neben der Stadtautobahn befand. Dies empfand ich als unzumutbar. Auf eine Eingabe folgte allerdings nie eine schriftliche Antwort, sondern man wurde zu einem Termin vor Ort bestellt. Dort wurde einem erklärt, warum das so ist und dass es momentan keine Mittel gäbe, dies zu ändern. Später schloss ich mich den Rettungsschwimmern und -tauchern an, weil ich raus wollte aus der Stadt. Dabei bemerkte ich, dass die Flüsse und Seen am Sterben waren. Daraufhin begann ich meine Mitstreiter für den Gewässerschutz zu interessieren und Vorträge zum Thema zu halten.

Frage: Auch öffentliche?

Erschienen bei spektrumdirekt.de

Dörfler: Ich habe sehr schnell gemerkt, wo die Grenzen lagen und wie weit ich gehen durfte. Manches hat mich aber auch überrascht: So durfte ich an der Volkshochschule zwei Semester lang Kurse zum Thema "Ökologie" halten. Das hatte ich zuerst einmal nicht erwartet, denn so etwas gab es zuvor noch nie. Nach der Wende zeigte sich dann bei der Akteneinsicht, dass fünf Stasimitarbeiter gleichzeitig in diesen Kursen saßen und fleißig protokollierten.

Frage: Warum gleich so viele?

Dörfler: Sie wussten nicht einmal etwas voneinander. Die Staatssicherheit wollte also wirklich ganz sichergehen und schickte mehrere Mitarbeiter hin, um nachher die Mitschriften vergleichen zu können. Gleichzeitig überprüften sie damit, welcher Zuträger verlässlich ist und welcher nicht.

Frage: Wie haben sich die Umweltschützer in der DDR untereinander vernetzt und verständigt?

Dörfler: Die Kommunikation war das Hauptproblem. Unser Aktionsradius beschränkte sich auf wenige Dutzend Kilometer; darüber hinaus konnten wir mangels Mitteln kaum miteinander in Kontakt treten. Wie viele andere auch hatte ich die längste Zeit kein Telefon – die Wartezeiten waren enorm. Und die Medien schwiegen zum Umweltschutz.