Bauern blockieren mit Schafen und Ziegen eine Straße nach Gorleben © Miguel Villagran/Getty Images

Die Castorbehälter befinden sich derzeit auf ihrer letzten Etappe zu ihrem Zwischenlager in Gorleben. Tausende Atomkraftgegner haben sich hier zu einer Sitzblockade versammelt. Zu gefährlich sei die Lagerung des strahlenden Mülls – und dessen Transport.

Vor einer erhöhten Strahlung warnt auch Greenpeace. Die Umweltschützer haben am Verladebahnhof Dannenberg gemessen, welche Strahlung von den Behältern ausgeht. In 14 Meter Entfernung war die Neutronenstrahlung danach 480-mal höher als die zuvor gemessene Hintergrundstrahlung. Auch die Gammastrahlung sei mit 2,3 Mikrosievert pro Stunde 40-mal höher als üblich.

Das klingt in der Tat bedrohlich. Doch liegen diese Werte nach den Angaben, die das Bundesamt für Strahlenschutz (BFS) auf seiner Internetseite macht , innerhalb der Grenzwerte. Greenpeace räumt das im Übrigen auch selbst ein. Der zulässige Grenzwert für Gammastrahlung durch den Castortransport beträgt 100 Mikrosievert pro Stunde bei zwei Meter Abstand zum Transportvehikel. Der Wert, den Greenpeace gemessen hat, liegt deutlich darunter.

Die letzte Etappe für die Castorbehälter

Die Umweltschützer sagen, es sei wissenschaftlich umstritten, wie schädlich die Strahlenwirkung für den Organismus sei. Zudem gäbe die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS), die die Gamma- und Neutronenstrahlung im Auftrag deutscher Behörden unter Aufsicht von unabhängigen Gutachtern misst, verharmlosende Informationen heraus . Auf ihrer Internetseite sagt die Gesellschaft, dass die Strahlung mit der früherer Transporte vergleichbar sei . Zudem sinke sie mit zunehmendem Abstand zu den Behältern sehr rasch. In 20 Meter Entfernung zum Zug oder Lkw liege die Strahlung laut GRS bei vier bis fünf Mikrosievert pro Stunde.

Das entspricht in etwa dem Strahlungspegel, dem die Passagiere durch die kosmische Strahlung während eines Fluges von Frankfurt nach Rom ausgesetzt sind.

Wo lagert in Deutschland Atommüll und wie gefährlich ist er? Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Datei herunterzuladen

Greenpeace ist anderer Meinung: "Unsere Messungen zeigen, dass der Castor die Strahlung nur unzureichend abschirmt", sagt der Atomexperte Heinz Smital . "Eine bloße Einhaltung von Grenzwerten ist nicht mit Strahlenungefährlichkeit gleichzusetzen." In der Greenpeace-Meldung heißt es, dass die Grenzwerte vor allem für Frauen deutlich niedriger angesetzt werden müssten. Es dürften auch keine weiblichen Einsatzkräfte in der Nähe des Castors eingesetzt werden.

"Das grundsätzliche Problem ist, dass es keinen definitiven Schwellenwert gibt, der genau festlegt, ab wann die Strahlung gefährlich ist", sagt Florian Emrich vom Bundesamt für Strahlenschutz. "Deswegen versucht man, die Werte so gering wie irgendwie möglich zu halten." Ganz vermeiden ließe sich die Strahlung nicht. "Die Zeit, die eine Person einer erhöhten Strahlung ausgesetzt ist, ist entscheidend", sagt Emrich vom BFS. "Schließlich hält man sich nicht permanent neben einem Castortransport auf."

Aktuell werden die elf Behälter mit Atommüll vom Zug auf Tieflader umgeladen. Anschließend muss der Transport die letzten rund 20 Kilometer bis zum Zwischenlager auf der Straße zurücklegen. Wann der Castortransport letztendlich in Gorleben ankommt, ist noch offen.