Für die Menschen in der Samtgemeinde Asse ist es eine weitere Hiobsbotschaft aus dem Atommülllager in ihrer Region . Vorab bekannt gewordene Zahlen des niedersächsischen Krebsregisters belegen, dass von 2002 bis 2009 mehr Bewohner rund um die Asse an Leukämie erkrankten als statistisch erwartet. Insgesamt seien 18 Blutkrebspatienten erfasst worden. Erwartbar waren allerdings nur acht Fälle in dem Zeitraum. Eine eilig einberufene Arbeitsgruppe des zuständigen niedersächsischen Sozialministeriums soll nun nach den Ursachen suchen.

"Normalerweise wären die Fälle gar nicht aufgefallen", sagt Dorothea von Nicolai, die Leiterin des Gesundheitsamtes im Landkreis Wolfenbüttel. Denn die Rate aller Krebserkrankungen zusammengenommen blieb fast unverändert. Von den knapp 400 beobachteten Fällen seien etwa ebenso viele statistisch erwartet worden. Das niedersächsische Krebsregister wertet derzeit die Daten speziell für die Samtgemeinde Asse aus.

Grund ist der gleichnamige Salzstock. Zwischen 1967 und 1978 wurden in das ehemalige Bergwerk rund 126.000 Fässer mit radioaktiven Abfällen verfrachtet. Bis heute ist nicht genau klar, wie stark der Müll strahlt . Informationen dazu wurden bewusst vertuscht und unterschlagen . Zudem sickert Wasser in die zum Teil einsturzgefährdeten Schächte, in der die gelben Tonnen eingelagert und verkippt wurden. Derzeit plant das Bundesamt für Strahlenschutz das Lager komplett zu räumen .

Unter dem gleichnamigen Höhenzug in Niedersachsen liegt der ehemalige Salzstock Asse

Könnte möglicherweise austretende radioaktive Strahlung aus dem maroden Salzstock die Ursache für die erhöhte Leukämierate sein? "Natürlich lässt sich ein Zusammenhang vermuten", sagt Dorothea von Nicolai, belegen lässt sich das anhand der Daten aber nicht. Die Fallzahlen sind sehr gering. "Die Statistik ist zudem nie frei von Zufallsschwankungen".

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Eine detaillierte Auswertung der Krebsfälle ist schwierig. Die Daten des Krebsregisters sind stets anonymisiert, um die Betroffenen zu schützen. Wo genau die Erkrankten wohnen, wie alt sie sind oder ob bereits zuvor Eltern oder Großeltern an Krebs litten, ist unbekannt. Diese und weitere Faktoren sind aber wichtig, um zu prüfen, welchen Einfluss sie auf die erhöhte Blutkrebsrate gehabt haben könnten.

Bekannt ist derzeit nur, dass es sich bei den Leukämiekranken um 12 erwachsene Männer und sechs Frauen handelt. In den untersuchten acht Jahren starben zudem sechs Menschen mehr an Leukämie als statistisch erwartet. Auch die Rate der Frauen, die von 2002 bis 2009 an Schilddrüsenkrebs erkrankten, stieg von den drei erwarteten auf zehn.