Die Klimapolitik steckt in der Krise – das ist spätestens seit dem Scheitern der Klimakonferenz in Kopenhagen im Jahr 2009 klar. Damals waren die Erwartungen riesig: Der frisch gewählte Hoffnungsträger Barack Obama reiste an, genauso wie Angela Merkel, die ihrem Spitznamen als Klimakanzlerin gerecht werden wollte.

Das Ergebnis war eine gewaltige Enttäuschung : Die rund 190 Staaten konnten sich auf kein Folgeabkommen für das Kyoto-Protokoll einigen, die größten Treibhausgas-Sünder USA und China bremsten die Vorschläge, die weltweiten CO 2 -Emissionen rascher abzubauen. Splittergruppen aus Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern verzettelten sich im Streit um einen möglichst fairen Emissionshandel und darum, wer die größte Schuld am Klimawandel trägt.

Vor dem Gipfel in Cancún ist das anders. Diesmal sind die Erwartungen schon im Vorfeld denkbar niedrig. Selbst die Chefin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres, warnt vor zu großen Hoffnungen: Ein internationales Abkommen werde auch in Mexiko nicht zustande kommen, sagte sie. Ein Nachfolgeabkommen erwarten die meisten Klimaschützer nicht. "Wir werden eine Notoperation am Kyoto-Protokoll erleben, und es wird dabei hauptsächlich um Geld gehen", sagt der Ökonom Reimund Schwarze vom Climate Service Center (CSC) in Hamburg.

Schon in Kopenhagen sei deutlich geworden, dass es vor allem um wirtschaftliche Aspekte geht, sagt auch Ottmar Edenhofer, einer der Co-Vorsitzenden des Weltklimarates (IPCC) . "Das war keine Klimakonferenz, sondern der wichtigste Weltwirtschaftsgipfel seit dem Zweiten Weltkrieg." Ein Hauptproblem: Um den Klimawandel zu bremsen, muss der Mensch darauf verzichten, weiter seine Kohle-, Öl- und Gasreserven zu verfeuern. Hierbei entsteht massenhaft Kohlendioxidgas. "Doch der Anteil, wie viel CO 2 wir noch in der Atmosphäre ablagern können, ist stark begrenzt", sagt Edenhofer. "Wir müssen also dafür sorgen, dass die Besitzer von Kohle, Öl und Gas einen Großteil ihrer Reserven im Boden lassen. Natürlich führt das zu Verteilungskonflikten." Niemand lässt sich gerne dazu zwingen, seine Bodenschätze unberührt zu lassen.

Scheitert Cancún, hat die internationale Gemeinschaft ein weiteres Problem: "Wenn die Vereinten Nationen keinen Weg finden, das Kyoto-Protokoll ohne die vorgesehene achtjährige Ratifizierungsphase zu verlängern, wird es eine Regulierungslücke geben", warnt Reimund Schwarze. Der internationale Kampf gegen den Klimawandel stünde dann nicht nur still, sondern würde um Jahre zurückgeworfen.

Dass das Zwei-Grad-Ziel, über das in Kopenhagen noch eifrig diskutiert wurde, bis zum Ende des Jahrhunderts noch erreicht wird, ist unwahrscheinlich. In einer Studie im Magazin Nature hatten Wissenschaftler kürzlich errechnet, dass die Weltgemeinschaft die Emissionen bis zum Jahr 2100 um 80 Prozent senken müsste, damit die globale Durchschnittstemperatur sich nicht stärker als zwei Grad Celsius erwärmt. Und: "Dazu müssten die Staaten sofort mit der intensiven Reduktion der Treibhausgase beginnen", sagt Guy Brasseur, Direktor des CSC in Hamburg.