Seit einer Woche verhandeln Diplomaten aus mehr als 190 Staaten im mexikanischen Cancún über den globalen Klimaschutz. Einen wirklichen Durchbruch in den Gesprächen über ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll gab es bislang nicht. Doch den erwarten die Experten – wenn überhaupt – erst ab kommendem Montag, wenn zunächst die Delegationen der zuständigen Minister und dann auch die Staats- und Regierungschefs nach Mexiko reisen werden.

Um den Druck auf sie zu erhöhen, veröffentlichen immer mehr Klimaschutzorganisationen und Aktivisten Daten und Zahlen. Sie sollen belegen, dass der von Menschen verursachte Klimawandel für große Schäden auf dem Globus verantwortlich ist und dass nur eine konzertierte Aktion von Industrie- und Entwicklungsländern den Trend der Erderwärmung stoppen kann.

Am drastischsten formulieren es die in Madrid ansässige Nichtregierungsorganisation DARA und das Climate Vulnerable Forum, in dem sich vom Klimawandel besonders betroffene Inselstaaten und Länder zusammengefunden haben. In einer Studie kommen sie zu dem Ergebnis, dass der Klimawandel bis zum Jahr 2030 indirekt für den Tod von fast einer Million Menschen jährlich verantwortlich sein wird. Gemessen an der heutigen Wirtschaftsleistung werde der Klimawandel zudem jedes Jahr Schäden in Höhe von 157 Milliarden Dollar (130,6 Milliarden Euro) verursachen, heißt es in der am Rande der UN-Klimakonferenz vorgestellten Untersuchung. Fast alle Staaten würden in den kommenden 20 Jahren die negativen Folgen der Erderwärmung zu spüren bekommen, besonders betroffen seien aber die ärmsten Länder der Welt.

Untersucht wurden die zu erwartenden Folgen der Erderwärmung für 184 Länder in den Bereichen Gesundheit, Unwetter, Wüstenbildung und ansteigende Meeresspiegel sowie in der Wirtschaft. Den Ergebnissen zufolge drohen 54 armen und sehr armen Ländern "akute" Gefahren. Auf die Industrieländer kommen nominal die höchsten Kosten zu, gemessen an der Wirtschaftsleistung tragen aber auch hier die Entwicklungsländer die größte Last.

Zu diesem Ergebnis kommt auch die Entwicklungsorganisation Germanwatch. Den Zahlen ihres "Klimarisiko-Index" zufolge leben die meisten Menschen, die Opfer extremer Wetterereignisse – und damit des Klimawandels – geworden sind, in den Entwicklungsländern. Demnach waren zwischen 1990 und 2009 die Länder Bangladesch, Birma und Honduras am stärksten betroffen. Es seien, so der Autor des Index, Sven Harmeling, "vor allem besonders arme Länder", die am meisten unter durch den Klimawandel verursachten Unwetterkatastrophen litten.

Allerdings sei kein Land vor Wetterkatastrophen gefeit. Wie der Germanwatch-Experte herausfand, zählten im Jahr 2009 "überraschenderweise auch Länder wie Taiwan, Saudi-Arabien und Australien" zu den zehn Staaten, die am meisten unter Wetterextremen wie Stürmen, Überschwemmungen und Hitzewellen litten.

Die NGO warnte, es deute vieles darauf hin, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel zu einem weiteren Anstieg von Wetterextremen in Form von starken Regenfällen oder extremer Trockenheit führen werde. Die Entwicklungsländer bräuchten daher weitere finanzielle und institutionelle Unterstützung durch die Industrieländer. Außerdem seien sie auf ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen angewiesen. "Die reichen Staaten, darunter auch Deutschland, dürfen daher der Verabschiedung einer ambitionierten Rahmenvereinbarung zur Anpassung nicht im Weg stehen", sagte Harmeling zu den Verhandlungen in Cancún. 

Zuletzt beunruhigte die Welt-Meteorologie-Organisation (WMO) der Vereinten Nationen mit neuen Erkenntnissen. Ihren Berechnungen zufolge wird das laufende Jahr 2010 voraussichtlich eines der drei heißesten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sein. Nur 1998 und 2005 seien wärmer gewesen, sagte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud in Cancún. Je nachdem wie sich das Wetter im Dezember weiter entwickelt, könnte es sogar zum heißesten Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen werden.

Den Angaben der WMO zufolge wird auch das vergangene Jahrzehnt einen Wärmerekord aufstellen: Die Periode von 2001 bis 2010 ist demnach das wärmste Jahrzehnt seit Beginn der Messungen 1850. Die Durchschnittstemperatur lag demnach um 0,46 Grad Celsius über dem Durchschnitt der Jahre 1961-1990.

Als Grund für die Erwärmung nannte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud den Ausstoß von Treibhausgasen. "Das sind die Fakten und wenn nichts getan wird, werden die Temperaturen steigen und steigen." Der Experte hoffte aber noch darauf, dass diese und andere Daten die Staaten bei den Verhandlungen über ein neues Klimaabkommen anleiten würden.